Mein Körper ist eine Information, oder: Das Leben ist wie ein Aktienkurs

Von Ralf Keuper
In der SZ vom 11.03.2015 bringt Bernd Graff in Apple Watch. Völlig vermessen sein Unbehagen angesichts der Einführung der Apple Watch mit ihren Verheißungen zum Ausdruck. Das gilt besonders für Aussagen des Unternehmens, den Kontext anzuzeigen, der für das Leben und den Terminplan des Nutzers relevant sei.
Graff schreibt dazu:

Das sollte man sich dann doch einen Moment auf der Zunge zergehen lassen: Denn man kann nur behaupten, lebensrelevante Kontexte in einem Produkt abbilden zu können, wenn man daran glaubt, dass ein Leben wie ein Aktienkurs erfasst und angezeigt werden kann. Diese Uhr .. ist also nicht deswegen das „persönlichste“ Produkt, weil man es anzieht und unmittelbar am Körper trägt. Sondern, weil darin der Glaube an die völlige Perfektionierung von Mensch wie Material durchscheint. Und vermittelt werden soll, dass sich das Persönlichste ebenso geschickt verrechnen, erfassen, vermitteln und darstellen lässt in einer komplett vermessenen Welt wie Bits und Bytes. Mein Körper ist eine Information. So nah ist uns dann wirklich noch kein Produkt gekommen.

Das Betrübliche darin ist, dass unser Körper – genetisch gesehen – tatsächlich als Information aufgefasst werden kann. Allerdings ist damit die Frage nach der Interpretation und Verarbeitung dieser Informationen noch nicht beantwortet. Gefährlich wird diese Entwicklung dann, wenn sie totalitäre Züge annimmt und sich der Kontrolle und Kritik zu entziehen versucht. Darauf spiel Graff indirekt an, wenn er einige Zeilen später fortfährt:

Man will in Cupertino nicht mehr nur innovative Produkte an die Kundschaft bringen. Man will sie selber in das Apple-Universum einbinden. Und das nicht mehr nur als bloße Konsumenten von smarten Produkten mit dem Apfel-Logo, sondern körperlich eingebunden mit ihrer Körperlichkeit: den Herz-, Schlaf, und Gesundheitsrhythmen. Der Glaube dahinter ist derselbe: Was vermessen werden kann, kann auch optimiert werden.

Das klingt für mich irgendwie nach der Totalen Mobilmachung in der Schrift Der Arbeiter von Ernst Jünger
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