Graspapier – Papier aus Gras

Von Ralf Keuper

Papier, hergestellt aus Gras, könnte als wichtige Innovation in die Technik- und Wirtschaftsgeschichte eingehen.

Über Jahre warb Uwe D’Agnone bei Banken für das von ihm und seinem Unternehmen Creapaper entwickelte Graspapier. Im vergangenen Jahr erhielt er für sein Verfahren den KfW Award Gründen. Bis zu 90 Prozent aller Papierarten können schon jetzt aus Grasfasern hergestellt werden.

Die Fabriken benötigen für die Produktion von Graspapier nur die Hälfte an Wasser und keine Chemie, wie mit dem herkömmlichen Verfahren mit Holz. Außerdem müssen keine Bäume mehr gefällt werden.

Bei Scheufelen hat man das Graspapier bereits unter der Produktbezeichnung “graspapier von scheufelen” in das Sortiment aufgenommen.

Im Einzelhandel, wie bei REWE und Penny, werden einige Verpackungen auf Graspapier umgestellt (Vgl. dazu: REWE und PENNY testen neuartiges Graspapier für alternative Verpackungen & Verpackungen: Wie Graspapier Supermärkte erobern soll).

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Geschichte der Fake News: Seit wann leben wir wirklich im postfaktischen Zeitalter?

Die Geschichte von gefühlten Wahrheiten und (toll)kühnen Faktenexperimenten reicht weit zurück: Was wir heute unter „objektiver“ Berichterstattung verstehen, war umstritten und musste mühsam ausgehandelt werden.

Quelle / Link: Geschichte der Fake News: Seit wann leben wir wirklich im postfaktischen Zeitalter?

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Zum Siebzigsten des Buchgestalters Franz Greno

In den achtziger Jahren fiel die Umstellung von Blei- auf Computersatz, doch der 1948 geborene gelernte Schriftsetzer hatte nicht vor, diesen Niedergang des Handwerks mitzumachen. Prachtvolle alte Druckmaschinen waren damals ebenso günstig zu erwerben wie ganze Musterkollektionen von Schriftsätzen. Greno kaufte sich also gleich eine ganze Druckerei und stellte Bücher nach besten Handwerkskriterien her, allen voran die gemeinsam mit Hans-Magnus Enzensberger erdachte “Andere Bibliothek”, aber auch viele andere spektakuläre Titel. ..

Quelle: Alexander Platthaus: “Verliebt ins Verlegen. Zum Siebzigsten des Buchgestalters Franz Greno”, in der FAZ vom 4.09.18

Weitere Informationen:

“Die Andere Bibliothek”: Mehr als Buchstaben

Franz Greno: Traditionalist, der den Fortschritt liebt

Franz Greno

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Wirtschaftsjournalisten drücken mal wieder die Reset-Taste: “US-Banken eilen den europäischen Geldhäusern davon”

Von Ralf Keuper

Viele Wirtschaftsjournalisten führen seit gut zwei Jahren verstärkt Klage darüber, dass die US-Banken den europäischen Geldhäusern beim Profit enteilen. Der Vorsprung der Banken aus Übersee sei fast schon uneinholbar. Beispiele:

Dabei berufen sich die Journalisten häufig auf Studien der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Die Kernaussagen werden lediglich wiedergeben – kritisches Hinterfragen, woraus die Gewinne der US-Banken resultieren könnten, ist dagegen Fehlanzeige. Dieses Muster trat in der Vergangenheit häufiger auf und erreichte vor der Finanzkrise 2007/ 2008 einen neuen Höhepunkt.

In den 1980er Jahren mahnten Wirtschaftsredakteure die deutschen Banken, die Chancen, die das Investmentbanking mit sich bringen würde, zu nutzen und das Spielfeld nicht allein den US-Banken zu überlassen, die dabei seien, sich einen uneinholbaren Vorsprung zu verschaffen. Mit tiefem Bedauern nahm Winfried Wilhelm im manager magazin im Jahr 1988 die fehlende Risikobereitschaft der deutschen Banken zur Kenntnis:

Doch erst als sich alle anderen Banken in Stellung gebracht hatten, legten die Deutschen los – zumeist allerdings halbherzig und übertrieben vorsichtig. Selbst die nicht gerade als Risk Taker geltenden Schweizer Banken sind in London mehr als doppelt so groß.

Die Banken taten, wie ihnen geheißen – den Rest der Geschichte kennen wir – eigentlich. Als besonders vorsichtig sind die deutschen Banken bei ihren Gehversuchen im Investmentbanking weniger aufgefallen. Schon bald jedoch betätigten die Redakteure die Reset-Taste – und das Spiel konnte von vorne beginnen. Jede Krise war irgendwie neu und hatte mit vorangegangenen keine besonderen Bezugspunkte. Muster, die sich wiederholen, konnten nicht ausgemacht werden. Denn: Diesmal, war (erneut) alles anders. Indes – es kam so wie es bislang immer kam; diesmal sogar etwas heftiger – siehe 2008.

Wie die Studie  Wirtschaftsjournalismus in der Krise – zum massenmedialen Umgang mit Finanzmarktpolitik im Jahr 2010 feststellte, unterließen die Medien in ihrer Gesamtheit, die Entwicklung der Finanzindustrie in den Jahren vor Ausbruch der Krise kritisch zu begleiten bzw. zu hinterfragen. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis:

Die kritische Darstellung der neuen Finanzbranche, ihr Wandel von einem Dienstleister zu einer Art Finanzindustrie, die Folgen daraus für das Gemeinwohl, also die Perspektiven von Volkswirtschaft und Gesellschaft waren dagegen kein Thema. Wenn berichtet wurde, dann über die neue Finanzindustrie als Zeichen von internationaler Wettbewerbsfähigkeit und als Quelle für Gewinne und Arbeitsplätze am Standort Deutschland. Hier handelt es sich um eine Perspektivenverengung mit enormen Wirklichkeitsverlusten, die als schwere journalistische Verfehlung einzustufen ist.

Die Verschuldung in den USA hat übrigens wieder neue Höhen erreicht, die einigen Akteuren auf den Finanzmärkten Sorge bereiten – das gilt vor allem für Kreditkarten- und Schulden aus Autokäufen (Vgl. dazu: Kehrt die Finanzkrise im neuen Gewand zurück? & Finanzmärkte: Rückfall in alte Denk- und Verhaltensmuster? & Autofinanzierungen: Eine tickende Zeitbombe?). Die Lage auf dem Markt für Autokredite bzw. Subprime Auto Loans bleibt kritisch, wie u.a. in Subprime Auto Debt Is Booming Even as Defaults Soar und Bloomberg: Subprime auto loan delinquency rate highest in more than 20 years berichtet wird. Und auch das kommt einem irgendwie bekannt vor: Fintech Crowd Dives Into Subprime Credit-Card Lending. Anlass zur Sorge gibt auch, dass die US-Banken derzeit recht großzügig bei der Vergabe von Krediten für die Übernahme hochverschuldeter Unternehmen sind (Vgl. dazu: Banken geben wieder mehr Risiko-Kredite aus – ein Symptom der Finanzkrise ist zurück).

Ein Eindruck, der in einer aktuellen Filmdokumentation des WDR aus Anlass des 10. Jahrestages der Finanzkrise bestätigt wird. Als Risiken neu hinzugekommen sind ETF-Fonds (synthetische Fonds) und das Schattenbankensystem.

Wenn uns also die US-amerikanischen Banken – wieder einmal – als leuchtendes Vorbild präsentiert werden, dem es nach Möglichkeit nachzueifern gelte, dann sollten die Redakteure bei der Gelegenheit die Gewissheit geben können, dass die Profite der US-Banken nicht aus stark risikobehafteten Geschäften stammen und die Risikomodelle ein realitätsnahes Abbild des Finanzmarktes liefern (Vgl. dazu: Die verpasste Lehre aus der Finanzkrise).

Ansonsten: Schnell die Reset-Taste drücken und auf das Kurzzeitgedächtnis der Leser hoffen. Das könnte allerdings daneben gehen und das Vertrauen in die Zunft weiter schwächen, sofern das überhaupt noch möglich ist …

Weitere Informationen:

Das sind die sieben größten Gefahrenherde für eine neue Finanzkrise

Crosspost von Bankstil

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Peter Weibel – Digitalisierung – Eine kulturelle Revolution

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Vilém Flusser: Für eine Philosophie der Fotographie

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Web 3.0 – Social Media – Plattformen als Gegengewicht zu den Datenmonopolen

Von Ralf Keuper

Die Verteilung der Erträge, die auf den sozialen Netzwerken durch die Verwertung der Daten der Nutzer erzielt werden, ist einseitig. Diejenigen, welche mit ihren Inhalten und Aktivitäten die soziale Netzwerke wie facebook attraktiv für die Werbeindustrie halten, bekommen dafür kein Entgelt. Die Hoheit über ihre Daten haben facebook & Co. Ebenso wenig sind sie auf den Plattformen vor Fake News und Fake ID’s geschützt. Könnte mit dem Web 3.0, d.h. mit sozialen Netzwerken auf Blockchain-Basis, eine Zeitenwende eintreten?

Diese Frage steht im Zentrum des Interviews, das Alex Moskov mit dem Gründungsteam von Sapien geführt hat: Interview: Sapien Team on Web 3.0 and a New Social World.

Zu Sapien:

Sapien is looking to create a decentralized Web 3.0 social news platform that allows the user to take back control of their social experience, rewards content creators and fights fake news. Users will hold the keys to their data and determine who they share it with. Content creators own their content posted on the Sapien platform and they’ll also be fairly rewarded for it.

Um für die nötige Sicherheit der Nutzer und zur Überprüfung der Integrität der Teilnehmer hat Sapien das Proof-of-Value protocol entwickelt:

The Proof-of-Value protocol is our approach to distinguish and reward valuable content while preventing the spread of fake news and content that does not align with the values of the community. Distinguishing valuable contributors is a large part of this protocol and in order to accomplish this, we will have an extensive reputation system.

Im Idealfall würde so ein neues Ökosystem für Medienschaffende und Nutzer entstehen, bei dem die Erzeuger der Inhalte angemessen für ihre Leistung bezahlt werden und die Nutzer sicher gehen können, dass sie nicht Opfer von PR-Kampagnen oder mit unerwünschter Werbung bombardiert werden. Die Werbeindustrie wie überhaupt Unternehmen könnten auf diese Weise vertrauensvolle(re) Beziehungen zur ihrer Zielgruppe unterhalten.

Crosspost von Identity Economy

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Digitalisierung bei Ernst Klett Sprachen – Interview mit Elizabeth Webster

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Die Merkel’sche PR-Maschine (Wolfgang Streeck)

Bis “Europa” steht, also bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag, wird in der deutschen Öffentlichkeit Politik durch sprachliche Moralprüfungen ersetzt. Wer es versäumt, die immer zahlreicher werdenden semantischen Geßlerhüte korrekt zu grüßen, läuft Gefahr, als neonazistischer Freund eines “Zurück in den Nationalstaat”, und damit als Befürworter einer Wiederaufnahme der europäischen Landkriege des neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts, aus der “pro-europäischen” Kommunikationsgemeinschaft vertrieben zu werden. Der Preis, den unsere Gesellschaft für die so erzeugte, durch die Merkel’sche PR-Maschine virtuos fortgesetzte Tatsachen- und Problemblindheit zu zahlen hat, ist längst zu hoch geworden.

in: Hört auf, Europa als einen Wechselbalg zu behandeln!, FAZ vom 4.08.2018

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Michael Meyen: „Das ist eine Reaktion auf das Versagen der traditionellen Medien“

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