Auschwitz im Comic – Die Abbildung unvorstellbarer Zeitgeschichte

Auschwitz im Comic – Die Abbildung unvorstellbarer Zeitgeschichte: In diesem Titel wird der Widerspruch verdeutlicht, der in der Synthese der beiden Begriffe zu liegen scheint. Hier wird das Paradoxon formuliert, welches seinen Ursprung in dem Spannungsverhältnis zwischen banal-infantiler Trivialkunst bzw. -literatur und dem Synonym für die Zerstörung aller humanitären Werte hat. Denn mit solchen, oder ähnlichen Abqualifizierungen wird dem Medium stellenweise immer noch begegnet. Im Verlauf dieser Studie soll untersucht werden, inwieweit diese Vorurteile begründet sind, beziehungsweise ob das Medium als eine legitime Ausdrucksform auch komplexer geschichtlicher Prozesse gelten kann. Dabei ist auch zu berücksichtigen, daß der gewählte Zeitabschnitt „Nationalsozialismus“, für den ‘Auschwitz’ als pars pro toto Synonym geworden ist, besondere Anforderungen an jede Darstellung stellt – demgemäß auch an den Comic.

Quelle: Auschwitz im Comic – Die Abbildung unvorstellbarer Zeitgeschichte

Weiterführende Informationen:

Holocaust im Comic?

 

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Google & Co.: Informationsintermediäre oder Medienunternehmen?

Von Ralf Keuper

Sind Suchmaschinen und soziale Netzwerke lediglich Dienste, welche die individuelle und öffentliche Kommunikation erleichtern, oder handelt es sich dabei bzw. bei den Betreibern um echte Medienunternehmen? In Informationsintermediäre – Anknüpfungspunkte für rechtliche Regulierung(Informatik Spektrum 40_4_2017) betrachten die Autoren Soziale Netzwerke und Suchmaschinen als Informationsintermediäre.

Zur Begründung verweisen die Autoren auf Medienwirkungstheorien:

Bei Medien ist die Nutzung ein starker Indikator für ihre Meinungsbildung. Es haben sich zudem bestimmte Medienwirkungstheorien verfestigt – so soll Fernsehen etwa insbesondere deswegen wirkmächtig sein, weil über das Senden von Bewegtbildern und Ton bei großen Teilen der Bevölkerung der Eindruck von Authentizität vermittelt werden kann.

Bei Informationsintermediären ist die Situation deutlich komplexer, weil die Nutzung allein ein eher schwacher Indikator für ihr Meinungspotenzial ist. .. Im Gegensatz zu klassischen Medien, deren Funktion durch den Medientyp weitgehend vorgegeben ist, bildet etwa eine Suchmaschine umfassende Funktionen, die von Nutzern .. interpretiert werden können.

Die Argumentationsbasis erscheint doch recht dünn. Suchmaschinen haben durch die ihnen zugrundeliegenden Algorithmen und weitere Selektionsmechanismen einen großen Einfluss auf die Anzeige und Verarbeitung von Informationen. Ohne Suchmaschinen wären die Aufrufzahlen der Online-Angebote der Medienunternehmen deutlich geringer. Außerdem sind viele Internetunternehmen, wie Tencent und Amazon, selbst Produzenten von Medieninhalten (Filme, Gaming).

In Die Macht der Informationsintermediäre Erscheinungsformen, Strukturen und Regulierungsoptionen heisst es u.a.:

Aktuelle wissenschaftliche Studien zeigen die steigende Relevanz der Informationsintermediäre für die Nutzerinnen und Nutzer als Quellen für die Meinungsbildung. Deutlich wird auch, dass eine „Manipulation“ durch Informationsintermediäre zumindest theoretisch möglich und beispielsweise eine Einflussnahme auf politische Wahlergebnisse denkbar ist.

Dass die Klassifizierung von Google, facebook & Co. den Realitäten nicht mehr gerecht wird, moniert Wolfgang Michal in Setzen die Netzaktivisten die richtigen Prioritäten?.

Auch die Netzaktivisten unterliegen diesem Irrtum:

Damit lügen sich die Netzaktivisten seit Jahren in die Tasche. Sie wollen nicht zur Kenntnis nehmen, dass sich die sozialen Netzwerke, die anfangs lediglich eine technische Infrastruktur für geschlossene Gruppen anboten, zu veritablen Medienkonzernen entwickelt haben. Diese nennen sich zwar weiterhin „soziale Netzwerke“ – aus Imagegründen und weil ihnen das Provider-Privileg viel Ärger vom Hals hält -, intern aber verfahren sie längst wie jede stinknormale Redaktion und jeder stinknormale Verlag: Sie binden ihre Mitarbeiter (= Content-Zulieferer = Nutzer) vertraglich an Regeln (Nutzungsrichtlinien, „Gemeinschafts-Standards“) sowie an gewisse Normen (= Blattlinie). Sie gewichten, sortieren und löschen per Hand oder mit Hilfe von Algorithmen. Algorithmen fallen nicht vom Himmel, sondern werden von Menschen nach den Vorgaben ihrer Chefs programmiert. Es sind „in Code eingebettete Meinungen“. Das heißt, soziale Netzwerke beeinflussen mittels redaktioneller Eingriffe die öffentliche Meinungsbildung.

Das ist um so bemerkenswerter, da, wie schon erwähnt, die großen Internetkonzerne wie Google, Alibaba, Apple, Amazon, Tencent, Baidu & Co ihren Aktionsradius kontinuierlich, u.a. mittels Künstlicher Intelligenz, ausdehnen – neben Film und Gaming zählen dazu das Internet of Things, Connected Cars und das Smart Home, die sich in mediale Plattformen verwandeln und mit entsprechendem Angebot bespielt werden; auch mittels digitaler Karten. Die Internetkonzerne können also so ziemlich alles (Hardware und Software) aus einer Hand anbieten und die klassischen Medienkonzerne auf den Status bloßer Zulieferer reduzieren. Eine vergleichbare Entwicklung spielt sich momentan in Frankreich ab, wie in Medien in Frankreich: Hurra, wir haben die Presse verschenkt! berichtet wird.

Der Telekommunikationskonzern SFR betrachtet Medien und Presseerzeugnisse als kleine Zugabe für seine Stammkunden oder für die, die es evtl. noch werden wollen:

SFR bietet auch die in der eigenen Holding erscheinenden Publikationen in einem Online-Shop an, der nicht nur Kunden mit Handy-Abo offensteht: der unbeschränkte Zugriff auf „Libération“, „L’Express“ und ein paar hauseigene Zeitschriften kostet zwanzig Euro im Monat. Zum Vergleich: das digitale Abonnement von „Libération“ allein wird für siebzehn Euro angeboten, als Mehrwert umfasst es einzig noch den Zugang zum Archiv.

Wir haben es mit einer neuen Situation zu, die mit Plattformökonomie zwar nicht vollständig, zumindest aber so genau definiert werden kann, dass eine Einordnung von Informationsintermediären leichter fällt. Die Vorstellung, dass ein Medienkonzern Bücher und Zeitschriften druckt und vielleicht noch Fernsehen mit eigenen Serien im Angebot hat, ist überholt. Die Medienindustrie, da ist Hachmeister zuzustimmen, löst sich auf. Neue Kategorien bilden sich. Der Begriff „Informationsintermediär“ ist demnach ein Anachronismus; er bezieht sich auf eine Medienwelt, die nicht mehr existiert.

Das Medium ist die Botschaft – die neuen Medien sind große digitale Plattformen oder Ökosysteme, die über das verfügen, was den klassischen Medienkonzernen in den letzten Jahren abhanden gekommen ist: Digitale Souveränität, d.h. die Medienkonzerne sind von der Reichweite, der Software und den Geräten (Smartphone, Tablet PC, ..) der Internetkonzerne abhängig, wenn sie ihre Leser und Konsumenten noch erreichen wollen. Verschärft wird die Situation noch dadurch, wenn die Internkonzerne selber in die Produktion von eigenem Content einsteigen. Einer der wenigen Konzerne, der das m.E. verstanden hat, ist Ströer (Vgl. dazu: Ströer-Chef Udo Müller: Die klassischen Medienkanäle lösen sich auf). Im Zeitalter der Medien der Kooperation ist derjenige automatisch ein Medienunternehmen, der die verschiedenen Medien synchronisiert und bestimmt, was, wo, wann und wie erscheint. Mehr Medien geht eigentlich nicht.

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Fotos des Grauens – Armin T. Wegner

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What is journalism?

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Netz aus Glas – Was wäre das Internet ohne die Glasfaser?

Von Ralf Keuper

Die Glasfaser oder Faseroptik ist ein wichtiger Zweig der modernen Kommunikationstechnologien. Für John Diebold birgt die Faseroptik großes Potenzial:

Die Faseroptik ist eine aufkommende Technologie, deren Potential noch bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Die Idee der Kommunikation mit Licht geht jedoch bereits auf die Signalfeuer prähistorischer Stämme zurück (Quelle: Innovators)

Ohne die Glasfaser, so heisst es in dem lesenswerten Beitrag Netz aus Glas, wäre das Internet in seiner jetzigen Form undenkbar. Das ist nicht übertrieben.

Einer der Pioniere war Manfred Börner, der zum Zeitpunkt der Anmeldung seines Patentes für ein Mehrstufiges Übertragungssystem für ein Pulscodemodulation dargestellte Nachrichten im Forschungsinstitut von Telefunken in Ulm arbeitete. Telefunken spielt überhaupt eine wichtige Rolle in der Geschichte der Digitalisierung (Vgl. dazu: Telefunken – Ein wichtiges Stück Funk- und Fernsehgeschichte). In seinem Patent beschrieb Börner, wie in Netz aus Glas weiter ausgeführt wird,

die digitale Datenübertragung mit Glasfaser und Laser, so wie wir sie kennen.

Im Jahr 1981 fiel in sieben Städten der Startschuss für das Projekt „Breitbandige Integrierte Glasfaser-Fernmeldeortsnetz“ BIGFON. Es endete bereits im Jahr 1988, als sich heraus stellte, dass eine flächendeckende Glasfaser-Versorgung in Deutschland bis zu 300 Mrd. DM gekostet hätte.

Momentan sind einige Kommunen dabei, die Glasfaser einzusetzen, wie im Münsterland. Das geht u.a. aus dem Beitrag Teils geringe Nachfrage bei Glasfaser im Münsterland hervor. Momentan werden in mehreren Kommunen im Münsterland Glasfaserkabel verlegt. Das ausführende Unternehmen ist die Deutsche Glasfaser mit Sitz in Borken. Die Deutsche Glasfaser hat laut FAZ (Trittbrettfahrer auf der Glasfaser am 21.07.2017) bereits 200.000 Privathäuser und 2.000 Unternehmen mit Glasfaser versorgt.

Im Kreis Paderborn setzt man ebenfalls auf die Glasfaser (Vgl. dazu: Zukunft Glasfaser im Kreis Paderborn).

Dass Glas ein faszinierendes Übertragungs- und Speichermedium ist, verdeutlicht der Film A Day Made of Glass von Corning Glass. Das Unternehmen gilt als Pionier im Bereich der Glasfasertechnologien:

Das letzte Kapitel der Glasfaser ist also noch lange nicht geschrieben. Ein schönes Beispiel für den Stilwandel der Medien.

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Die neuen Medienkonzerne: Nvidia

Von Ralf Keuper

Vor einiger Zeit wurde auf diesem Blog in Medienindustrie in Auflösung moniert, dass die Definition dessen, was ein Medienkonzern ist, nicht mehr zeitgemäß ist. Wenn vorwiegend in der Logistik tätige Unternehmen, wie Bertelsmann, vollumfänglich als Medienkonzern durchgehen, dann wird der Begriff „Medienkonzern“ zunehmend unscharf.

Andererseits lässt sich beobachten, dass sich Unternehmen in Medienkonzerne zu wandeln beginnen oder diese Entwicklung bereits abgeschlossen haben, die man bis vor wenigen Jahren mit dieser Kategorie nicht in Verbindung gebracht hätte – wie Nvidia.

Bei Nvidia handelt es sich laut Wikipedia um einen der größten Entwickler von Grafikprozessoren und Chipsätzen für Personal Computer und Spielkonsolen.

Als Medienkonzerne definieren Hachmeister und Wäscher u.a.:

Ferner werden Konzerne berücksichtigt, die durch Produktion und/oder Distribution maßgeblichen Einfluss auf die kommunikative Umwelt eines breiten Publikums haben. Die Geschäftsfelder und Branchen, in denen diese Konzerne im Wesentlichen aktiv sind, umfassen Film- und Fernsehproduktion und -distribution, Streaming- und Social-Media-Dienste, Bücher-, Zeitungs- und Magazinverlage, Radiostationen und Musiklabels sowie Games Publishing und Fachinformationsdienste.

Entscheidend ist der Satz:

Ferner werden Konzerne berücksichtigt, die durch Produktion und/oder Distribution maßgeblichen Einfluss auf die kommunikative Umwelt eines breiten Publikums haben.

Das trifft auf Nvidia mittlerweile zu, was sich an einigen Beiträgen der letzten Zeit verdeutlichen lässt:

Im ersten aufgeführten Beitrag steht:

Nvidia started in 1993 as one among dozens of graphics chip startups. It survived the competition to become the only stand-alone graphics chip maker, competing directly with CPU makers Intel and Advanced Micro Devices. It supplies graphics chips for the Nintendo Switch game console, but much of its fortunes are now tied to self-driving cars and artificial intelligence. Its rivals also include Qualcomm.

Große Hoffnungen setzt das Unternehmen auf die Künstliche Intelligenz und Kryptowährungen sowie die Blockchain-Technologie.

In Plötzlich ein Superstar in der FAZ vom 28.06.17 schreibt Roland Lindner:

Bryan Cantazaro (Vice President für Deep Learning, RK) sagt, Nvidia arbeite an vielen Anwendungen für Künstliche Intelligenz. Das fange im Kerngeschäft mit Videospielen an, wo sie zum Beispiel helfen könne, natürliche Unterhaltungen zwischen Figuren zu ermöglichen. Auf dem Gebiet des autonomen Fahrens werde künstliche Intelligenz unter anderem eingesetzt, um Objekte zu erkennen und ein Auto zu instruieren, wie es Hindernissen ausweichen soll.

Sicher: Was die Einsatzmöglichkeiten der Künstlichen Intelligenz betrifft, ist eine gewisse Skepsis angebracht. Was uns häufig als unmittelbar bevorstehender Durchbruch verkauft wird, ist nicht selten noch im Erprobungsstadium und weit von der Praxistauglichkeit entfernt.

Kernprodukt des Unternehmens soll der Prozessor Volta GPU werden:

Our new Volta GPU, the most complex processor ever built, delivers a 100-fold speed up for deep learning beyond our best GPU of four years ago. This quarter, we shipped Volta in volume to leading AI customers. This is the era of AI, and the Nvidia GPU has become its brain. We have incredible opportunities ahead of us.”

Mit seiner Streaming-Box Shield TV steht Nvidia bereits seit einiger Zeit in direkter Konkurrenz zu Apple TV. Mit der Shield TV Box will Nvidia das umfassendste Entertainment-Plattform für das Wohnzimmer bieten, wie es in Media-Streaming: nVidia stellt neue Version von Shield TV und nVidia Spot vor heisst.

Weiterhin gab das Unternehmen Anfang des Jahres Kooperationen mit Audi und dem Kartendienst HERE bekannt, wie in nVidia: VW-Tochter Audi setzt auf Drive PX Plattform, Kooperation mit HERE zu erfahren ist.

Da wächst ein neuer ernstzunehmender Medienkonzern heran.

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Steem: A blockchain based social media platform

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Der Stilwandel der Medien #18

Von Ralf Keuper

Nachfolgend eine Aufstellung von Beiträgen der letzten Zeit, die sich mit dem Stilwandel der Medien beschäftigen:

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Charlotte Klonk: Wenn Bilder zu Waffen werden

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Was ist Medienkritik und warum ist sie wichtig?

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