In Zeiten Großer Koalitionen ist die externe Opposition zu klein, um wirksam zu sein.

Merkels Regierungsform ist die Große Koalition. So regierte sie von 2005 bis 2009 und so regiert sie seit 2013. Dazwischen lag ein schwarz-gelbes Bündnis. Allerdings war es auch großkoalitionär geprägt, da diese Zeit vor allem von der Euro-Politik bestimmt wurde, und Merkel in dieser Frage immer den Konsens mit der SPD und den Grünen herstellen konnte. Merkels Kanzlerschaft ist deshalb bislang eine Gro-Ko-Kanzlerschaft.

Die parlamentarische Opposition, die externe parlamentarische Opposition, ist der edelste Teil der Demokratie. Es gibt sie wirksam nur in dieser Regierungsform. Die Regierungen von Diktaturen halten sich für alternativlos. Sie wollen den Willen des gesamten Volkes verkörpern, einen volonté generale, wie der Philosoph Jean-Jacques Rousseau das im achtzehnten Jahrhundert genannt hat. … Die Existenz der Opposition ist ein Garant für den Wechsel, und der Wechsel ist ein Schutz vor den Korrumpierungen der Macht. Bis zum Wechsel soll die Opposition die Regierung kontrollieren, damit sie ihre Macht nicht mißbraucht und die Rechte und Ansprüche der Minderheiten nicht unterdrückt.

In Zeiten Großer Koalitionen ist die externe Opposition zu klein, um wirksam zu sein. Von 2005 bis 2009 hatten Grüne, FDP und Linke zusammen 26.6 Prozent der Stimmen und 166 von 614 Sitzen. Seit 2013 halten Linke und Grüne zusammen siebzehn Prozent der Stimmen und 127 von 631 Sitzen. .. Man braucht fünfundzwanzig Prozent der Sitze, um einen Untersuchungsausschuss installieren zu können, ein wichtiges Instrument der Regierungskontrolle. Man braucht auch fünfundzwanzig Prozent, um beim Bundesverfassungsgericht eine Normenkontrollklage anstrengen zu können. Zudem fehlt es an Redezeit, denn die bemisst sich nach der Größe der Fraktionen. Union und SPD waren so gnädig, der Opposition einige Verbesserungen zu gestatten, aber das macht das Manko nicht wett: Wucht. Eine Opposition kleiner Parteien, die zudem Konkurrenten sind, hat keine Wucht. Ihre Argumente finden in den Medien nur geringe Aufmerksamkeit. Umgekehrt fehlt den Missständen und Skandalen, die die Medien aufdecken, der Resonanzkörper im Parlament. Wenn dort keine starke Partei ist, die eine Geschichte aufgreifen kann, verpufft sie.

Quelle: Dirk Kurbjuweit. Alternativlos. Merkel, die Deutschen und das Ende der Politik

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Die ersten Hochrechnungen | Meilensteine der Mediengeschichte

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Zelluloid. Film ohne Kamera – Cameraless Film

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Keine Kritik an neuen Medien – Michael Haneke im Interivew

Auszug aus einem Interview (“Ich erwarte, dass man mich fordert”) in der FAZ vom 30.01.18 mit Michael Haneke:

Mir wird oft der Vorwurf gemacht, weil ich die Medien zum Mitgegenstand meiner Filme mache, dass ich medienkritisch sei. Ich hoffe, dass jeder, der mit Medien zu tun hat, auch medienkritisch ist. Aber das ist keine Ablehnung. Ich bin begeistert von den Medien. Als ich “Bennys Video” gemacht habe, hat jeder gesagt, das ist ein Film gegen Video. Das ist totaler Blödsinn. Video ist eine segensreiche Einrichtung. Ich kann damit Dokumente aufzeichnen, es für wissenschaftliche Zwecke verwenden und, und, und. Ich kann es auch für miese Zwecke verwenden. Ich kann auch einen Bleistift dazu benutzen, etwas Positives zu schreiben oder eine Hetzschrift. Mich interessieren die Medien, weil sie eine große Verantwortung haben. Nichts hat die Welt mehr verändert in der Geschichte der Menschheit als die Meiden in den letzten 25 Jahren, in dieser revolutionären Geschwindigkeit.

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Medienindustrie: Rettungsanker Blockchain?

Von Ralf Keuper

Die Blockchain-Technologie weckt große Erwartungen vor allen in den Industrien, die sich durch die Monopolstellung der großen Digitalen Plattformen wie Google und Facebook bedroht sehen. Schmerzlich wird den Verlagen bewusst, wie abhängig sie von den Gatekeepern im Internet geworden sind, die über ein Reichweite verfügen, an die selbst die größten Medienhäuser nicht mehr ansatzweise heran kommen. Insofern ist das wachsende Interesse in der Branche für die Blockchain-Technologie mit ihrem betont dezentralen Ansatz verständlich. Die Blockchain-Technologie könnte die zentralistischen Strukturen, die sich in den letzten Jahren im Internet gebildet haben, aufweichen.

Verständlich auch, dass die Beraterszene das Thema für sich entdeckt hat und den Medien den Weg in eine strahlende Zukunft weisen will, wie in Blockchain – Gamechanger für die Medienwirtschaft. Mit der Blockchain-Technologie ist es prinzipiell möglich, Mittelsmänner oder Aggregatoren wie Google oder Facebook zu umgehen und sich direkt(er) an die Kunden/Leser zu wenden. Ähnliches gilt für den Werbemarkt –  auch hier kann die Zahl der vermittelnden Akteure – reduziert werden und damit für mehr Transparenz sorgen. Der erwähnte Beitrag bringt für jedes Szenario ein Beispiel. Ganz ohne vermittelnde Instanzen bzw. Plattformen wird es auch künftig nicht gehen. Allerdings besteht die Möglichkeit, die Macht der Plattformen gleich zu Beginn zu begrenzen, indem man ihre Funktion auf die reine Anbahnung und die sichere Protokollierung der Inhalte, Rechte und Transaktionen sowie die Identifizierung und Authentifizierung der Unternehmen und Verbraucher begrenzt.

Bei Burda bzw. deren Startup Bot Labs ist man gar der Ansicht, dass die Blockchain Facebook und Google komplett ersetzen wird. In einem Interview sagt der Chef des Startups, Ingo Rübe:

Wir müssen das Internet wieder demokratisieren und den Nutzern wieder die Hoheit über ihre Daten geben. Dazu müssen wir den Nutzern Alternativen in Form von hochwertigen Diensten bieten, die ohne zentrale Datensilos auskommen. Hierfür bietet die Blockchain Technologie alle notwendigen Chancen. Nun sind Industrie, Investoren und Startups gefragt, die neuen Möglichkeiten zu begreifen und zu nutzen, um die nächste und bessere Generation des Internet zu bauen.

Überhaupt setzt man bei Burda im großen Stil auf die Blockchain, wie aus Burda steigt mit Ingo Rübe ins Blockchain-Geschäft ein – Kai Riecke neuer CTO hervorgeht.

Derweil versucht es Springer über seine Teilnahme an der Verimi-Plattform noch auf die klassische Weise, d.h. durch Bildung eines größeren Datensilos auf Digitalbasis. Der Versuch der Wiederbelebung der Deutschland AG in digitaler Form. Da ist Burda weiter.

Ob sich die Erwartungen von Burda und anderen erfüllen, ist keinesfalls sicher. Das dezentrale Modell, wie es von der Blockchain repräsentiert wird, verhält sich – zumindest auf dem Papier – diametral zu der Unternehmenspolitik der Medienkonzerne. Netzwerke zu organisieren zählt nicht zu ihren Stärken. Auch die Qualität der eigenen Inhalte ist häufig nicht so überwältigend, als dass die Nutzer dafür auf YouTube, Google, Netflix, facebook, Apple, Tencent und Amazon so schnell verzichten werden. Im Gegensatz zu Burda & Co. haben Amazon, Google und Apple gezeigt, dass sie in der Lage sind, große Plattformen und Netzwerke (Open API) zu managen. Außerdem bieten die Internetkonzerne nicht nur Medieninhalte, sondern auch die dazugehörige Infrastruktur, Hardware und Logistik an. Das muss ein dezentrales Netzwerk erst einmal in gleichwertiger Weise organisieren.

Das eigentliche Problem am heutigen Internet ist, dass es über keinen Identity Layer verfügt. Dadurch erst konnten Google und Facebook mittels Social Login ihre eigenen Ökosysteme schaffen und zu einem wertvollen Partner der Werbeindustrie werden. Erst wenn es gelingt, dem eine neue Infrastruktur gegenüber oder an die Seite zu stellen, die es den Nutzern ermöglicht, ihre eigenen Digitalen Identitäten und die daran gekoppelten personenbezogenen Daten weitestgehend selbst zu verwalten, könnte sich die Lage wenden. Ob die heutigen Medienkonzerne davon profitieren werden, ist alles andere als sicher. Neuer Wein in alte Schläuche – das wird nicht funktionieren. Wahrscheinlicher ist die Entstehung neuer Verlagshäuser, die mit den heutigen nicht mehr viel gemein haben. Eher vorstellbar ist dagegen die Wiederbelebung des Verlagssystems, angepasst an die Digitalmoderne.

Verlage machten dort Sinn, wo durch überregionale Marktverflechtung eine Nachfrage nach Massengütern bestand, welche dezentral ohne kostspielige Investitionen in Produktionsgüter produziert werden konnten.

Von daher birgt die Blockchain-Technologie tatsächlich großes Potenzial für die Medienbranche. Die Kombination aus einem wachsendem Bewusstsein der Menschen für den Wert ihrer personenbezogenen Daten und digitalen Identitäten sowie den Möglichkeiten neuer Technologien und neuen Organisationsformen ist die eigentliche Revolution.

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Krawehl, krawehl!

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Plakate als Medium

Von Ralf Keuper

Plakate haben es bislang geschafft, sich dem Sog der Digitalisierung weitestgehend zu entziehen und ihre Eigenständigkeit als Medium zu behaupten. Mit den unterschiedlichen Facetten des Plakats bzw. der visuellen Kommunikation beschäftigt sich in einzigartiger Weise Austrian Posters: 

Österreichische Designerinnen und Designer haben entscheidende Impulse zur Entwicklung der modernen visuellen Kommunikation gegeben. Obwohl ihre Werke weltweit rezipiert wurden, ist über die Personen und über die Entstehung ihrer Arbeiten relativ wenig bekannt. AUSTRIAN POSTERS bietet nicht nur Informationen zu den Grafikerinnen und Grafikern vermitteln, sondern auch Materialien zu den kulturhistorischen Aspekten des Mediums Plakat  sowie anderer optischer Medien.

Ein Bespiel von vielen ist der Beitrag Italienische Plakate: Die Kunst der Überzeugung. Ebenso Werbung für Red Bull.

Ein große Rolle spielen Plakate nach wie vor in Wahlkämpfen (Vgl. dazu: “Das Plakat ist ein Medium der Schnellkommunikation”). Und auch als Werbemedium erfreut es sich regen Zuspruchs (Vgl. dazu: Plakate – das wirtschaftlichste Werbemedium).

Ebenso eignet es sich für für interkulturelle Vergleiche (Vgl. dazu: Orientalismus und Okzidentalismus in Plakaten)

Kurzum: Plakate haben noch lange nicht ausgedient.

 

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Südwestdeutsche Medienholding – ein Dauersanierungsfall?

Von Ralf Keuper

Die Südwestdeutsche Medienholding ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Das gilt jedoch nicht für ihre wichtigste Beteiligung, die Süddeutsche Zeitung, immer noch die auflagenstärkste Zeitung Deutschlands; wenngleich über Jahre mit deutlich fallender Tendenz. Mit insgesamt 6.100 Mitarbeitern und einem Umsatz von annähernd 900 Mio. Euro im Jahr 2016 gehört die Südwestdeutsche Medienholding zu den größten Medienkonzernen Deutschlands, obschon auch dies allein kein Gütesiegel mehr ist, wie die Aufstellung der größten Medienkonzerne der Welt zeigt (Vgl. dazu: Medienindustrie in Auflösung).

Im Jahr 2007 erwarb die SWMH die Süddeutsche Zeitung für rund 500 Mio. Euro (Vgl. dazu: „Süddeutsche“ geht an Medienholding). Seitdem macht die SWMH mit Meldungen über Stellenstreichungen, Personalfluktuation in der Führungsetage, die Zusammenlegung von Redaktionen und die Einstellung von Titeln auf sich aufmerksam:

Wie ernst die wirtschaftliche Lage ist, zeigt ein Blick in die Bilanz von 2016 (Quelle: Unternehmensregister).

Umsatzerlösen in Höhe von 879 Mio. Euro stand ein Konzernbilanzverlust von 159 Mio. Euro gegenüber. Der Verlust setzt sich vor allem aus dem Verlustvortrag in Höhe von 146 Mio. Euro zusammen. Für das Geschäftsjahr 2016 verzeichnete man einen Verlust von 7.9 Mio. Euro.

Das Eigenkapital ist mit 83,6 Mio. Euro bei einer Bilanzsumme von 764 Mio. Euro mehr als bescheiden.

Es dürfte schwierig werden, hier zu einem dauerhaften Turnaround zu kommen, zumal die Geschäftsleitung auch für das Jahr 2017 von einem Verlust in ähnlicher Größenordnung wie 2016 ausging.

Der Eindruck mag täuschen, aber: Erfolg sieht irgendwie anders aus.

 

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Wiederbeschreibbares Papier: Ein Blatt Papier mit Löschfunktion

Drucken, lesen, wegwerfen – damit könnte es bald vorbei sein. Denn chinesische Wissenschaftler haben ein Papier entwickelt, das sich mehrfach beschreiben lässt und dadurch wiederverwendbar ist. …

Quelle / Link: Wiederbeschreibbares Papier: Ein Blatt Papier mit Löschfunktion

Weitere Informationen:

Wiederverwertbares Papier kann Kosten in Unternehmen senken

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Filmsammlung – Theater-, Film- und Medienwissenschaft (Goethe-Universität Frankfurt)

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