Vilém Flusser – Die Gefahren digitaler Kommunikation

Vilém Flusser (1920 – 1991) gilt als einer der einflussreichsten Medientheoretiker des 20. Jahrhunderts. Lange vor dem Siegeszug der digitalen Medien analysierte er die Möglichkeiten und Gefahren der Digitalisierung. Mit seiner Kommunikationstheorie lassen sich viele Aspekte des heutigen Lebens beschreiben, vor allem den der sogenannten sozialen Medien: Kommunikation dient nicht dem Austausch von Informationen, sondern ist eine Krücke, mit der sich der Mensch seiner Existenz versichert. Hinzu komme eine symbolische Sprache, die bewusst unklar bleibt, da sie mehr die Funktion des Verschleierns als die des Erklärens hat. Texte, so Flusser, verlieren angesichts der Übermacht technischer Bilder wie Filme, Videos etc. ihre klassische Bedeutung der Informationsvermittlung.

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Dinner for One – Otto Waalkes & Ralf Schmitz

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Das sinnliche Buch – Reise durch das Universum der Buchkunst

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Der Stilwandel der Medien #21

Von Ralf Keuper

Nachfolgend eine Aufstellung von Beiträgen der letzten Zeit, die sich mit dem Stilwandel der Medien beschäftigen:

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Die journalistische Konstruktion der Wirklichkeit

Von Ralf Keuper

Der Fall Relotius wird in den Medien hin und her gewendet, um eine schlüssige Erklärung zu finden. In Die Welt als Reportage  führt der Autor die erfundenen Geschichten des SPIEGEL-Reporters, wohl in Anlehnung an Schopenhauers Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung, auf seine Imaginationskraft zurück. Der Autor habe sich seine eigene, künstlerische Welt konstruiert. Wichtig waren allein die Stimmigkeit und ästhetische Performance des Textes. Mit Reportage habe das jedoch nichts zu tun. Der postmoderne Journalismus habe ausgedient:

Auch wenn der Spiegel längst nicht mehr die Fabel vom heilsamen Kapitalismus erzählt – der postmoderne Journalismus erlebt jetzt sein größtes Debakel. Er hat nicht über die Wirklichkeit aufgeklärt, sondern sie in schönen Geschichten aufgelöst und in einen suggestiven Glanz getaucht. Er hat dafür gesorgt, dass der Leser sich keine andere Gesellschaft vorstellen kann als die, die es schon gibt.

In den letzten Jahren gingen immer mehr Journalisten dazu über, profane Ereignisse in eine Prosa zu tauchen, die nicht selten nahe am Kitsch angesiedelt ist (Vgl. dazu: Tuchel vs. Watzke: Sündenfall des Sportjournalismus?Wie die FAZ versucht, uns Alice Weidel näher zu bringen). Geschichten im Homestory-Stil, wie man sie sonst nur bei Bunte, Gala und im Goldenen Blatt zu lesen bekam, wurden den Lesern von “Edelfedern” einstmals renommierter Publikationen präsentiert.

In Personenportraits werden den Protagonisten häufig Fähigkeiten zugeschrieben, angedichtet, um sie damit zu einer historischen Ausnahmeerscheinung hoch zu stilisieren. Wie u.a. der Halo-Effekt zeigt, werden hier schnell Personen und Unternehmen mit einer Aura versehen, die sich im Nachhinein als das herausstellt, was sie von Anfang an war: Eine Fiktion, die eher günstigen Umständen als herausragenden Merkmalen geschuldet war. Immer wieder zeigt sich, dass auch dieser Kaiser nackt ist. Insbesondere der Wirtschaftsjournalismus lebt eben davon, Personen und Unternehmen auf eine Fallhöhe zu schreiben, um sie dann bei passender Gelegenheit herunter schreiben zu können. So jedenfalls das Muster aus einer Zeit, als die Medien noch über diese Macht verfügten. Mittlerweile ist die Medienbranche selber Beispiel für einen tiefgreifenden Strukturwandel, für wirtschaftlichen Niedergang. Das wiederum rührt an der eigenen Glaubwürdigkeit, wenn es darum geht, anderen Ratschläge zu erteilen, wie denn das Schiff wieder flott zu bekommen sei. 

Insofern flüchten die Journalisten vor der gesellschaftlichen wie der eigenen Wirklichkeit. Man konstruiert sich gegenseitig eine Welt, die hin und wieder mal von einem “Skandal” erschüttert wird; sobald der Rauch verzogen ist, geht man wieder zur Tagesordnung über.

In ihrem Klassiker Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit schreiben Berger und Luckmann:

Je mehr Verhaltensweisen institutionalisiert sind, desto mehr Verhalten wird voraussagbar und kontrollierbar.Wenn die Sozialisation des Einzelnen in die Institutionen hinein erfolgreich ist, können äußerste Zwangsmittel sparsam und mit Auswahl angewandt werden. Meistens stellt sich Verhalten “spontan” ein – in institutionell vorgeschriebenen Bahnen.

Man eignet sich die Sichtweisen an, die in der Organisation und Institution, in der man tätig ist oder in deren Einflussreich man sich befindet, vorherrschend sind. Das ist an sich nichts Neues. In der Organsiationstheorie spricht man in dem Zusammenhang vom Groupthink, der Wissenschaftsphilosoph Ludwik Fleck bezeichnet das als “Denkkollektiv”, während der Organisationsforscher Karl Weck das Phänomen mit “Gestalteten Umwelten” beschreibt. Pierre Bourdieu wählte den Begriff “journalistisches Feld“.

Allerdings, so Berger und Luckmann:

Institutionalisierung ist jedoch kein unwiderruflicher Prozess, obwohl Institutionen, sind sie erst einmal entstanden, eine Neigung zur Dauerhaftigkeit zeigen. Aus einer Vielzahl historischer Gründe kann der Spielraum für institutionalisierte Tätigkeiten auch kleiner werden. Entinstitutionalisierung gewisser Bereiche des gesellschaftlichen Lebens kann um sich greifen. Die private Sphäre, wie sie sich zum Beispiel in unserer modernen Gesellschaft herausgebildet hat, ist, im Vergleich zur öffentlichen, in beachtlichem Maße frei von Institutionalisierung.

Institutionen müssen Berger und Luckmann zu Folge daher immer bestrebt sein, ihre Legitimation zu rechtfertigen und zu erneuern. Der Verweis auf die eigene lange Lebensdauer reicht hierzu nicht aus, kann sogar ein Grund dafür sein, sich endlich von ihr zu befreien oder sie einem tiefgreifenden Wandel zu unterziehen.

Brisant wird es erst dann, wenn Alternativen zur Verfügung stehen, deren symbolische Sinnwelt, deren Funktion besser zur Gesellschaft passen:

Das Auftauchen einer alternativen symbolischen Sinnwelt ist eine Gefahr, weil ihr bloßes Vorhandensein empirisch demonstriert, dass die eigene Sinnwelt nicht wirklich zwingend ist.

Die Tatsache, dass viele Menschen es vorziehen, sich in den sozialen Netzwerken und alternativen Medien zu informieren, deutet darauf hin, dass die symbolische Sinnwelt der klassischen Medien ernsthafte Konkurrenz bekommen hat. Sie ist nicht mehr die einzig vorhandene – ganz gleich welche (politische) Postion das Blatt, das Medium einnimmt. Demzufolge sind die Medien, wie wir sie (noch) kennen, ein Produkt ihrer Zeit und vergänglich:

Denn:

Weil Sinnwelten historische Produkte der Aktivität von Menschen sind, verändern sie sich.

Die Frage ist nun, wie sich der Journalismus aus dieser misslichen Lage befreien und seine Rolle/Funktion – wenigstens in Teilen – behaupten kann. Sofern der Fehler systemimmanent ist, reichen eigene Maßnahmen zur Qualitätssicherung nicht aus. Nach Kurt Gödel kann keine Theorie, kein System vollständig und konsistent zugleich sein. Es bleiben Lücken. Der Journalismus wird damit leben müssen, selber Gegenstand der Beobachtung und Kritik zu sein. Ein Rückzug in die Schmollecke, in die eigene konstruierte Wirklichkeit, ist in der heutigen Gesellschaft keine Alternative mehr, die Erfolg verspricht.

Oder wie Ernest Gellner schreibt:

Eine Gesellschaft, die an eine expandierende Technologie gefesselt ist und folglich an eine expandierende kognitive Grundlage, kann ihre Wahrnehmung der Welt nicht verabsolutieren oder einfrieren. Eine solche Gesellschaft bekommt ein Gespür für die Unabhängigkeit der vernunftgemäßen Wahrheit von der Gesellschaft, und es fällt ihr schwer, die Idee einer eindeutigen und endgültigen Offenbarung ernst zu nehmen. Ihre hochentwickelte Fähigkeit zu alternativen Konzeptualisierungen desselben Gegenstands und ihr Gespür für die Trennbarkeit von Sachverhalten macht es ihr schwer oder unmöglich, sich eine Weltsicht zu eigen zu machen, die eine autoritative Zuweisung von Rechten und Pflichten und zugleich die Rechtfertigung solcher Zuschreibung impliziert (in: Bedingungen der Freiheit. Die Zivilgesellschaft und ihre Rivalen).

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Gefühlte Wahrheiten, Mainstream und Journalismus

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Loriot Weihnachten bei Familie Hoppenstedt

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Informationssammler können kein Welt-Bild entstehen lassen

Wie erfolgreich der Zeitungsleser darin auch sein mag, Informationen in Weltwirklichkeitsdetails umzusetzen, er kann gar nicht dem Trugschluss verfallen, das Bild, das er sich davon macht, sei etwas anderes als eben ein Bild, eine intellektuelle Erfindung, die nur in seinem Kopf stattgefunden hat, ohne veranlasst zu sein, auf Geschichtenerzähler hereinzufallen, kann er nicht wie ein Wiener Schnitzel konsumieren, er muss das in Sprache umgesetzte Stückchen Wirklichkeit nun wiederum in einer geistigen Anstrengung mittels eines Prozesses der Subjektivierung in Denken und Begreifen umsetzen. Dieser Prozess kann einerseits zur Folge haben, das Abbild von Wirklichkeit so oder so zu verzerren, bildet aber andererseits die unabdingbare Voraussetzung dafür, dass Information aneignungsfähig wird und in die spezielle Wirklichkeit des Subjekts eingeht. … Von seiner Geburt an ist der SPIEGEL davon ausgegangen, er bilde für seine Leser nicht die einzige Informationsquelle, diese hielten sich daneben in aller Regel mindestens eine Tageszeitung. Der SPIEGEL aber enthalte “mehr” als diese, aber worin besteht dieses “Mehr”? … Die Informationssammler, und seien sie auch noch so “dokumentations”-gestützt, können eben kein Welt-Bild entstehen lassen.

Quelle: Der SPIEGEL im Spiegel. Das deutsche Nachrichtenmagazin – kritisch analysiert von Erich Kuby

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Der SPIEGEL war zu keiner Zeit ein Blatt der Aufklärung (1997)

Der SPIEGEL war zu keiner Zeit ein Blatt der Aufklärung. Auch nicht in den frühen siebziger Jahren, als die Mannschaft vorübergehend sich links anhauchen ließ und sogar Augstein an der Gründung einer kritischen Wochenzeitschrift laborierte – die, wäre sie zustande gekommen, nur zu einem Gegen-SPIEGEL hätte geraten können. Augstein ließ denn auch das Experiment, für das er keine brauchbaren Editoren und Schreiber fand, schnell wieder fallen. Er begriff damals seine und des SPIEGELS Grenzen. Er konnte höchstens ein markttüchtiges Ersatzprodukt für Aufklärung liefern. Mit seiner Nachahmung des Aufklärungsgeistes für die fortschrittsbewussten Neukleinbürger der Bundesrepublik kam er den Gegnern der Aufklärung näher, als seine Leute das wahrhaben wollten. Diese meist sehr begabten Journalisten konnten ja auch nicht zugeben, dass sie mit dem Eintritt in die SPIEGEL-Maschine und dem Verzicht auf den eigenen Namen ihren Anspruch als Intellektuelle und Männer der Aufklärung verwirkt hatten. Die Form der Organisation, in der sie als Kameradschaft von muckrackers arbeiten mussten, ist der Vernünftigkeit der Aufklärung feindlich. Das ist für die jüngste Generation der SPIEGEL-Macher ohnehin kein Gedanke mehr, der sie plagen könnte. …

Wie jede SPIEGEL-Nummer ein fugenloses Massivprodukt sein soll, so auch jeder Artikel. Man soll sich nach seiner Lektüre nicht zu weiterer Auskunft aufgefordert fühlen und soll sicher sein, dass anderswo nichts Interessantes mehr zu finden ist. Dass dies dem SPIEGEL über mehr als drei Jahrzehnte gelungen ist, gehört zu den technischen Großleistungen der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Der SPIEGEL hat es damit erreicht, dass er immer in ganzem Umfang von seinem Publikum gelesen wurde. Die meisten SPIEGEL-Leser konnten damit die erste Wochenhälfte füllen und verlangten danach nicht mehr viel, oft nicht einmal die Tageszeitung. …

Der SPIEGEL hat die Chance, auf die er eine Anwartschaft noch hatte, ausgeschlagen. Heute kann sich auch Augstein, der bereits vor mehr als einem Jahrzehnt resigniert hat, über Deutschland nicht mehr grämen. Als Fatalisten, die sich so lange auf die Selbststeuerung ihres in der Bonner Republik noch immer seetüchtigen Vehikels verlassen konnten, werden die SPIEGEL-Leute nicht mehr auf Rettung sinnen. Dazu müssten sie erst zur Krise fähig sein. An dieser Fähigkeit ist zu zweifeln.

Quelle: Die Demokratiemaschine. Der SPIEGEL ist in die Jahre gekommen – Ein Gedenkblatt zum 50. Geburtstag, Autor: Claus Koch, in: Süddeutsche Zeitung vom 11/12. Januar 1997

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Der Fall Relotius in den Medien (Artikelauswahl)

Von Ralf Keuper

In den Medien haben sich in den letzten Tagen zahlreiche Autoren um eine Einordnung des Falls Relotius bemüht.

Hier eine Auswahl von Beiträgen, die mir besonders aufgefallen sind:

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