Die Kamerabewegungen im Film – Blow up – ARTE

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Lesen macht mobil, Fernsehen debil

Wir wissen, dass Lesen und Schreiben und Denken sich bedingen, aber nur, wenn sie im frühen Alter als Einheit erlebt werden. “Ja, das grenzenloseste aller Abenteuer meiner Kindheit, das war der Lesehunger, und ein besseres Geschenk hat das Leben mir nicht beschert” erinnert sich Astrid Lindgren. Dass der geistige und dann auch machtpolitische Aufschwung Europas mit der Gutenbergschen Buchdruckerkunst, dass der Wohlstand für alle mit dem Lesen für alle begann, diese Lektion vernachlässigen wir. Unsere Kultur ist längst logasthenisch geworden. Alle großen Weltreligionen lieben das Wort und scheuen das Bild. Wir sollten uns fragen warum.

Quelle / Link: Lesen macht mobil, Fernsehen debil, Autor: Alexander Schuller, in: Welt am Sonntag 26.4.1998

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Arthur Miller über die Zukunft der Bücher und des Lesens

Von Ralf Keuper

Auszug aus einem Interview mit dem Dramatiker Arthur Miller

Frage: Wird es im einundzwanzigsten Jahrhundert noch Bücher geben und Menschen, die Bücher lesen?

Arthur Miller: Ja, es wird Bücher geben, aber was für Bücher? Ich zweifle allmählich an meinem eigenen Optimismus. Lassen Sie es mich so sagen: Wenn man ein Bild betrachtet, sei es im Fernsehen oder im Kino oder übrigens auch auf diese Sachen im Internet starrt, dann berührt das einen Teil des Gehirns, der sich völlig von dem Teil des Gehirns unterscheidet, den wir beim Lesen benutzen, besonders bei anspruchsvoller Lektüre. Mit dem Ergebnis, dass wir uns in eine Art Passivität zurückziehen, während wir im Theater und bei Büchern eine Menge Energie aufbringen müssen. Im Theater beispielsweise muss man entscheiden, wer gerade spricht. In Filmen werden alle anderen Personen ausgeblendet, außer der, die gerade spricht. Meine These unsere Zivilisation betreffend, lautet, dass alle Erfindungen auf dem Gebiet der Kommunikation ein Ziel haben: es uns leichter zu machen. So dass man wahrscheinlich nicht einmal die Augen richtig aufzumachen braucht. Man muss einfach nur dabei sein und dafür bezahlen. Also, wenn Sie mich fragen, wird es in Zukunft noch Bücher geben? Die Frage muss lauten: Wird es in Zukunft Energie geben? Das ist die eigentliche Frage.

Quelle: Gelegentlich Licht ins Dunkel tragen. Der amerikanische Dramatiker Arthur Miller im Gespräch mit Christopher Bigsby, in: Frankfurter Rundschau 24. Januar 1998

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Ziel von Theaterarbeit kann es nur sein, der Mühseligkeit des Denkens Attraktivität zu erspielen

Es sind die Fähigkeit und der Wille, Skandale zu erzeugen, die dem Schauspielstand etwas von seiner Würde zurückgeben würden, die er in seiner haltlosen Hingabe ans Fernsehen und den Komödienterror immer unwiederbringlicher einbüßt. Und mit Skandal meine ich nicht irgendeine vordergründige Provokation, mit der nur mediales Aufsehen erregt werden will. Ich meine damit die Unruhe, die von einem geschärften Gedanken ausgelöst werden kann, wenn er eindringt in einen gefälschten gesellschaftlichen Konsens, um diesen zu entlarven. .. Ich halte dafür: Ziel von Theaterarbeit kann es nur sein, der Mühseligkeit des Denkens Attraktivität zu erspielen. Dafür muss Theater unterhaltsam sein. Dafür sind manchmal große Gefühle nötig, genauso wie scheinbar kleinkarierter aber aushölender Witz. Und dafür muss manchmal auch der vorgegebene Rahmen durchbrochen werden.

Quelle: Attraktivität erspielen für die Mühseligkeit des Denkens. Die Dankrede Josef Bierbichlers anlässlich der Verleihung des Eysoldt-Ringes in Bensheim, Frankfurter Rundschau vom 10.03.1998

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Neoliberale Denkfiguren in der Presse. Wie ein Wirtschaftskonzept die Meinungshoheit eroberte

Online-Anhang: https://www.metropolis-verlag.de/dl/1220_anhang.pdf

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Ein gutes Meme stirbt nie! | ARTE

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Wirtschaftspresse als verlässliche Kontraindikation

Von Ralf Keuper

Ein wiederkehrendes Muster in der Wirtschaftspresse ist, besonders erfolgreichen Personen oder Unternehmen Eigenschaften zuzuschreiben, die erklären sollen, warum sie von einem Rekord zum anderen eilen. Häufig entsteht dabei ein Bild, das diesen Personen und Unternehmen eine fast schon göttliche Aura verleiht. Wo andere straucheln und zweifeln, gehen die Götterlieblinge entschlossen voran und revolutionieren ganze Branchen. Mit der Zeit wächst in den Redaktionsstuben die Überzeugung, dem ultimativen Erfolgsgeheimnis auf die Spur gekommen zu sein. Persönliche Gespräche führen nicht selten zu Porträts, welche die außergewöhnlichen Fähigkeiten der betreffenden Person oder des Managements eines Unternehmens – oft angereichert mit küchenpsychologischen Deutungen – in einem hellen Licht erscheinen lassen. Indes – es kommt letztlich, wie es immer kommt: Der Held zeigt auf einmal Schwächen, die zuvor weit außerhalb des Vorstellungsvermögens des jeweiligen Redakteurs, der jeweiligen Redakteurin, Analystin lagen. Das Unternehmen verlässt die Erfolgsspur und entpuppt sich auf einmal als das, was es eigentlich schon immer war: Eine Organisation, die für eine bestimmte Zeit den Nerv der Verbraucher getroffen hatte. Mit der Zeit ließ sein Engagement nach und es verlor den Bezug zum Markt und zur Realität. Es scheint so, als dass Unternehmen, die sich der besonderen Zuneigung der Wirtschaftspresse erfreuen, sichere Kandidaten für den Abstieg sind. Auf dieses Phänomen machten u.a. der erfolgreiche Investor Ken Fisher in seinem Buch Kasse statt Masse. Wie Sie mit einem konträren Investmentansatz Geld verdienen und Phil Rosenzweig in Der Halo-Effekt. Wie Manager sich täuschen lassen aufmerksam.

Eigentlich nichts, was zu beklagen Anlass gibt, denn: wie wüsste man sonst, welcher Trend keiner (mehr) ist oder wo man schon mal nicht mehr suchen muss. Wirtschaftsjournalisten leisten hier als Kontraindikatoren wertvolle Dienste.

In seinem Buch Falsch! Warum uns Experten täuschen und wie wir erkennen, wann wir ihnen nicht trauen sollten kommt David H. Friedman zu ähnlichen Schlussfolgerungen:

Wenn sie die Managementtechniken eines Unternehmen bis dahin als Grund für dessen sicheren Erfolg ausgelegt hatten, stellen sie die gleichen Techniken jetzt als Ursache eines zwangsläufigen Versagens hin – so geschehen in den Achtzigerjahren bei GM und in den Neunzigerjahren bei IBM. Nach dem, was in der Businesspresse an Expertenmeinungen über Gewinner und Verlierer in der Industrie nachzulesen ist, kann man einigermaßen zuverlässige Hinweise auf die Besetzung der Gewinner- und Verliererseite dadurch gewinnen, dass man die Aussagen der Experten einfach umkehrt. Zu dem Schluss kam 2007 eine Studie der Zeitschrift Financial Analyst Journal nach der Würdigung der Titelstorys in zwanzig Jahrgängen der Zeitschrift Business Week, Fortune und Forbes: Auffallend häufig erschienen Berichte, in denen Firmen positiv beurteilt wurden, kurz vor dem Punkt, an dem sich die Dinge zum Schlechten wandten.

Crosspost von Bankstil 

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Teppich von Bayeux – ein mittelalterlicher Comic

Weitere Informationen:

Mittelalterlicher Comic mit neunzig Bildern

Teppich von Bayeux zeigt mittelalterlichen Comic

Teppich von Bayeux: Die feierliche Rückkehr des Mittelalter-Comics

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Bertelsmann hinkt der Entwicklung auf den weltweiten Medienmärkten weiter hinterher

Von Ralf Keuper

Die aktuellen Zahlen, die Bertelsmann gestern der Öffentlichkeit vorgestellt hat, sorgten in der leidgeprüften Zeitungsbranche für neue Hoffnung. Bertelsmann sei auf einem guten Weg, die analoge mit der digitalen Welt zu verbinden, wie das Westfalen Blatt in seinem Kommentar festzustellen glaubt. Zwar seien Netflix, Amazon und jetzt auch Apple ernstzunehmende Mitbewerber auf dem Markt für das Streaming von Filmen, jedoch bestünde für RTL die Chance, auf diesem Markt Fuss zu fassen. Da ist “Medienkommissar” Hans-Peter Siebenhaar nicht so zuversichtlich. In Das Endspiel des linearen Fernsehens hat begonnen schreibt er:

Amazon, Netflix, Apple, Disney und Co. haben den gesamten Fernsehmarkt erobert. Alle Stufen der Verwertungskette – von der Produktion bis zum Vertrieb auf allen Plattformen – sind in ihrer Hand.

Und sie herrschen allein über die direkten Kundenbeziehungen und damit über die Daten. Mit ihren Produktionen nehmen sie sogar auf lokale und regionale Geschmäcker Rücksicht. Die Wettbewerbshüter waren in diesem Szenario zu schwach, das Oligopol aus den USA noch zu stoppen.

Und weiter:

Ein Ende der Abkehr vom linearen Fernsehen bei den jungen Zielgruppen ist nicht zu erkennen. Damit wächst von Jahr zu Jahr das strategische Zukunftsproblem für RTL und Pro Sieben Sat. 1, die noch immer ihren Hauptumsatz aus dem Werbegeschäft mit ihren linearen Sendern machen.

Sollte die beschriebene Entwicklung anhalten, neigen sich die Zeiten, in denen RTL die Cash Cow des Bertelsmann-Konzerns war, dem Ende entgegen, wie es zuvor bei G+J der Fall war. Anders als die Zeitungshäuser und selbst die Medienkonzerne anzunehmen scheinen, liegen die wahren “Synergien” weniger in der Kombination von analogen und digitalen Inhalten, sondern in der Verbindung von Medien, Payments, Digitalen Identitäten (Paradebeispiel ist Apple) und natürlich der entsprechenden Reichweite. Bei Apple und Google kommt noch hinzu, dass die Konzerne mit ihren digitalen Ökosystemen, bestehend aus Betriebssystemen, Hardware (Smartphones, Tablet-PCs), Inhalten, Finanzkraft, ihrem Zugriff auf riesige Datenströme und durch die Beherrschung der Distributionskanäle/Verwertungsstufen eine Stellung erreicht haben, welche die alten Medienkonzerne nicht mehr erreichen können – weder technologisch noch finanziell – da helfen keine Kooperationen und auch keine Upload-Filter mehr.

Crosspost von Westfalenlob

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John Ford: Vater des Western-Films | Doku | ARTE

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