1981 Nightline interview with Steve Jobs

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Was passiert im Gehirn, wenn wir lesen? Aus einem Interview mit Wolf Singer

Es wird durch die elektronischen Medien oft vorgegeben, wann ich was zu verarbeiten habe. Vor allem dann, wenn die Inhalte so programmiert sind, dass das, was ich sehe, sich ständig bewegt oder fließt. Das ist in hohem Maße unnatürlich. Normalerweise bin ich es, der sich aussucht, in welchem Rhythmus ich etwas anschaue oder lese. Die neuen Medien wollen aber Attraktivität erzeugen, es werden Bewegungsreize eingebaut, in den Videosequenzen gibt es viele schnelle Schnitte. Das führt nachweislich zur Verringerung der Aufmerksamkeitsspanne. Menschen, die stark auf diese Weise sozialisiert worden sind, bekommen durchaus Schwierigkeiten, einen Satz von Thomas Mann zu lesen. Sie sind verloren, wenn sie warten müssen, dass irgendwann am Ende eines langen Satzes die Auflösung kommt. Komplexe, verschachtelte Zusammenhänge sind für sie dann schwer aufzulösen. …

Zwischenmenschliche Diskurse lassen sich nicht einfach abbilden. Vielschichtige Zusammenhänge müssen beschrieben werden. Das gelingt aber nur, wenn man gelernt hat, mit dem symbolischen System der Sprache komplexe Sachverhalte in einen linearen Fluss zu übersetzen, und zwar so, dass er verstanden werden kann. Das ist eine Kunst. Wenn diese Kunst nicht mehr gefordert wird, weil man glaubt, alles mit digitalen Möglichkeiten einfach abbilden zu können, im Extremfall mit Virtual Reality, dann geht diese Fähigkeit verloren.

Quelle: Diese selbstgemachte Welt im Kopf, die behalten wir. Ein Gespräch mit dem Frankfurter Hirnforscher Wolf Singer, FAZ vom 13.10.18

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Vinyl ist zurück! Die Magie der Schallplatte | Schmidt Max | Doku

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Das Schöpferische am Photographieren ist dessen Überantwortung an die Mode (Walter Benjamin)

Je mehr die Krise der heutigen Gesellschaftsordnung um sich greift, je starrer ihre einzelnen Momente einander in toter Gegensätzlichkeit gegenübertreten, desto mehr ist das Schöpferische – dem tiefsten Westen nach Variante; der Widerspruch sein Vater und die Nachahmung seine Mutter – zum Fetisch geworden, dessen Züge ihr Leben nur dem Wechsel modischer Beleuchtung danken. Das Schöpferische am Photographieren ist dessen Überantwortung an die Mode. “Die Welt ist schön” – genau das ist ihre Devise. In ihr entlarvt sich die Haltung einer Photographie, die jede Konservenbüchse ins All montieren, aber nicht einen der menschlichen Zusammenhänge fassen kann, in denen sie auftritt, und die damit noch in ihren traumverlorensten Sujets mehr ein Vorläufer von deren Verkäuflichkeit als von deren Erkenntnis ist. Weil aber das wahre Gesicht dieses photographischen Schöpfertums die Reklame oder die Assoziation ist, darum ist ihr rechtmäßiger Gegenpart die Entlarvung oder die Konstruktion. Denn die Lage, sagt Brecht, wird “dadurch so kompliziert, dass weniger denn je eine einfache Wiedergabe der Realität etwas über die Realität aussagt”

Quelle: Walter Benjamin. Ein Lesebuch

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Ein Mann, der Stars macht – Der Medienmanager Josef von Ferenczy

Weitere Informationen:

PR-Legende pleite

Josef von Ferenczy: Besuch bei einer Medien-Legende

Das Rezept des Medienmanagers: Der Zeit immer um eine Stunde vorausdenken

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Das Ende des Versandhauskatalogs?

Von Ralf Keuper

Die Ankündigung des Otto-Versands, nach dem Katalog für Frühjahr/Sommer 2019 keinen weiteren mehr zu drucken, sorgte für einige Irritation. Bedeutet diese Entscheidung, dass gedruckte Kataloge ein Auslaufmodell sind? Otto selbst gibt an, dass 97 Prozent der Kunden ihre Waren online bestellen.

Die Zeiten haben sich gewandelt. Ohne den Quelle-Katalog, der in Spitzenzeiten auf eine Auflage von 11 Millionen Exemplare kam, ließe sich, so der Wirtschaftshistoriker Gregor Schöllgen in seiner Biografie von Gustav Schickedanz die deutsche Nachkriegsgeschichte nicht erzählen. Für die Zukunft dürfte das nicht mehr gelten.

Der Aufwand für die Erstellung eines Katalogs lohnt sich schlicht nicht mehr:

Die Art, wie so ein Katalog früher entstanden ist, passt nicht mehr zur heutigen Arbeitsweise: Das Produkt wurde in einem zwölfmonatigen Turnus vorbereitet. Einkauf, Warenpräsentation und Werbung funktionieren heute anders (in: Adieu, Otto Katalog, FAZ vom 22.11.18)

Einen Katalog für alle, so Otto-Chef Alexander Birken, brauche es nicht mehr, wohl aber spezielle Kataloge, etwa zu den Themen Technik und Mode.

Anders als Neckermann und Quelle, welche die Verlagerung des Versandhandels in das Internet nicht überstanden haben, sei es, so Schöllgen, der Otto-Gruppe zu einem frühen Zeitpunkt gelungen, sich gedanklich vom gedruckten Katalog zu lösen.

Die Hamburger begreifen, dass der traditionelle Katalog und das Internet nur schwer miteinander vereinbar sind. Der Katalogkunde verlässt sich darauf, dass der Preis der Ware während der Laufzeit des Katalogs stabil bleiben wird. .. Der Internetkunden setzt auf den günstigen Tagespreis. Daraus zieht Otto die – in ihrer Zeit und für den überkommenden Versandhandel – revolutionäre Konsequenz, vom Internet her zu denken und das traditionelle Katalogformat diesem Medium anzupassen. (in: “Gustav Schickedanz. Biografie eines Revolutionärs” von Gregor Schöllgen).

Gleich zu beginn den Versandhandel vom Internet her gedacht, hat Jeff Bezos, der mit Amazon Otto hierzulande deutlich überrundet hat – und das weitestgehend ohne Print.

In Nürnberg darf nun die Bertelsmann-Tochter Prinovis den letzten Hauptkatalog für Otto drucken. Ebenso wie Otto ist auch Bertelsmann in einem Kerngeschäft, dem Buchversand, von Amazon auf die hinteren Plätze verwiesen worden.

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Vilém Flusser – 1988 interview about technical revolution

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Journalismus: Geschlossene Gesellschaft?

Von Ralf Keuper

Die meisten Journalisten, so Christian Baron, haben wohlhabende Eltern mit akademischem Abschluss. Kinder aus Arbeiterfamilien hätten dagegen kaum eine Chance, die Ausbildung zu finanzieren. Wer von den Redaktionen als ebenbürtig anerkannt werden will, sollte vor und während des Studiums schlecht bezahlte Beiträge für Zeitungen veröffentlicht haben. Wer dafür aus finanziellen Gründen keine Zeit hat, fällt schnell durchs Raster. Insofern gehören Journalisten einer Kaste an, die sich selbst reproduziert. Dennoch, so Baron weiter, halten die Journalisten am Leistungsmythos fest, wonach es die eigenen Fähigkeiten waren, die sie für ihren Beruf qualifiziert haben. Kaum ein Beruf sei, was die Zugangsmöglichkeiten anbelangt, so elitär wie der des Journalisten; quasi eine geschlossene Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund überrasche es nicht, so Baron, wenn die Politik der letzten Jahre, Jahrzehnte, die zu großer Ungleichheit in der Gesellschaft geführt habe, von der Mehrzahl der Journalisten unterstützt wird.

Wie jede gesellschaftliche Gruppe, die sich von anderen unterscheiden will, haben die Journalisten einen bestimmten Habitus angenommen, wie ihn u.a.Thomas Hanitzsch in seinem Buch Das journalistische Feld untersucht. In einem Interview mit Telepolis erläuterte der Kommunikationswissenschaftler Thomas Wiedemann, inwieweit das Konzept des “Feldes” von Bourdieu zum besseren Verständnis der sozialen Beziehungen nach innen, der Journalisten untereinander, wie auch nach außen, gegenüber Politik und Wirtschaft etwa, beitragen kann.

Grundannahme ist nach Bourdieu, dass sich das Zustandekommen journalistischer Produkte nur dann adäquat untersuchen lässt, wenn man das journalistische Feld dekonstruiert – durch die Analyse der objektiven Feldpositionen, der unter Journalisten typischen Habitusformen sowie des Kapitals, das im journalistischen Feld Gewinn verspricht.

Demnach sind Journalisten nicht nur durch ihre Sozialisation geprägt, sondern in hohem Maße auch durch die (Arbeit-)Verhältnisse, die natürlich, wie in fast allen Unternehmen, durch Hierarchien und Belohnungsstrukturen gesteuert werden.

Wer dem journalistischen Feld oder einem seiner Subfelder (dem Hauptstadt-Journalismus, der Lokalpresse usw.) angehört, verinnerlicht automatisch dessen “Spielregeln” – bis zu einem gewissen Grad auch auf Kosten ursprünglicher Bewertungskriterien. Alles andere wäre ja schädigend für die eigene Position.

Um Zutritt zum journalistischen Feld zu bekommen, muss der Anwärter demnach über das nötige symbolische Kapital verfügen. Vor einigen Jahren sorgte eine Studie von Uwe Krüger für einiges Aufsehen. Krüger brachte die z.T. engen Verbindungen von Spitzenjournalisten mit Organisationen wie dem Weltwirtschafstforum und der Münchener Sicherheitskonferenz zum Vorschein.

Der Journalismus hat an Einfluss verloren. Die Auflagen der meisten Tageszeitungen bewegen sich seit Jahren kontinuierlich nach unten, ohne dass die Online-Angebote den wirtschaftlichen wie publizistischen Verlust ausgleichen können. Insofern handelt es sich um eine Elite, deren symbolisches Kapital deutlich an Wert verloren hat. Ob diese Gruppe sich dann nach bestimmten Regeln verhält, einen Habitus oder ein Feld bildet, ist dann schon fast zweitrangig. Die meisten Angehörigen dieser Berufsgruppe haben ohnehin die gleichen Probleme wie andere Arbeitnehmer in kriselnden Branchen auch (Vgl. dazu: Journalismus unter Druck: Studie beleuchtet Probleme in den Medien). Die Frage stellt sich eher: Können die Journalisten ihrem Auftrag überhaupt gerecht werden, selbst wenn sie es wollen? Wer könnte an ihre Stelle bzw. an ihre Seite treten? Wissenschaftler? Inwieweit reicht die Fähigkeit der Journalisten zur Selbstkritik, Selbstreflexion und Selbstkorrektur?

Bourdieu forderte die Soziologen übrigens dazu auf, Gesellschafts-Utopien aufzustellen,

da sie dies sonst denjenigen mit weniger Skrupeln oder den weniger Kompetenten oder den Politikern und Journalisten überlassen müssten. (in: Norbert Elias und Pierre Bourdieu im Vergleich).

Keine gesellschaftliche Gruppe hat die Wahrheit gepachtet. Für das Funktionieren einer offenen Gesellschaft ist die Meinungsvielfalt und die Einigung auf (Qualitäts-)Standards von besonderer Bedeutung.

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Die Zeitschrift „Minerva“ und ihre Herausgeber Johann Wilhelm von Archenholz (1743–1812) und Friedrich Alexander Bran (1767–1831)

Die Zeitschrift „Minerva“ stellt durch ihre Herausgeber ein maßgebliches Organ zur Integration von Militär und Gesellschaft in Deutschland am Ende des 18. und im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts dar. Sie trug mit ihrer Resonanz und publizistischen Wirksamkeit signifikant dazu bei, dass das politisch unmündige, aber sich emanzipierende, kritische Bürgertum seinen Einfluss auch auf das Gebiet des Militärs ausdehnen und sich somit Krieg zu einer Angelegenheit des öffentlichen Interesses entwickeln konnte.
In dieser Arbeit werden die „Minerva“ und ihre beiden Herausgeber in den Kontext der Aufklärung und des Liberalismus gestellt. Auf diese Weise können Interdependenzen zwischen Aufklärung bzw. Liberalismus und Militär an einem konkreten, repräsentativen Einzelfall untersucht werden

Quelle / Link: Die Zeitschrift „Minerva“ und ihre Herausgeber Johann Wilhelm von Archenholz (1743–1812) und Friedrich Alexander Bran (1767–1831)

Weitere Informationen:

Minerva, Zeitschrift (1792ff.) Archenholtz (Archenholz), Johann Wilhelm von (1743-1812), Publizist, Historiker (Werk, Hrsg.) – Jean Paul – Sämtliche Briefe

Leseprobe

Minerva (Zeitschrift)

 

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“What’s Next?!” Ein Besuch im Kreativlabor der Verlage

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