Digitale Literaturwissenschaft: Perspektiven, Probleme und Potentiale der Philologien im ›digital turn‹

Roberto Busa (1913–2011), der 1946 seine Doktorarbeit über die Innerlichkeit bei Thomas von Aquin geschrieben hat, fing kurz nach der Promotion mit der Schaffung einer Konkordanz für das Gesamtwerk des doctor angelicus an und zwar nach der in der Lexikographie altbewährten Zettelkastenmethode – die Lernmaschine des letzten Jahrtausends. Busa traf 1949 Thomas J. Watson, den Gründer von IBM, und überzeugte ihn, sein Projekt durch eine maschinell erstellte Konkordanz zu unterstützen. Das Ergebnis war der Index Thomisticus. Alle Bände wurden 1990 auf CD erfasst und dann, mit der Unterstützung der Universität von Navarra, unter der Internetadresse www.corpusthomisticum.org online gestellt. Damit war der Hypertext in seiner elektronischen Form geboren.

Die Erfindung des Hypertextes war das Resultat einer internationalen Kollaboration: Ein italienischer Jesuit, mit Hilfe eines presbyterianischen Amerikaners, veröffentlichte in Deutschland die Ergebnisse seiner langjährigen Arbeit, die dann von einer spanischen Universität der ganzen Welt zur Verfügung gestellt wurde. Dieses Beispiel ist kennzeichnend für die Art und Weise, wie die DH grundsätzlich auf internationale Zusammenarbeit angewiesen sind. Gleichzeitig muss man auch feststellen, dass es in der Retrospektive kein Zufall war, dass ein Fachmann für mittelalterliche Theologie den Hypertext erfunden hat, denn den Vorgänger des Hypertextes oder des Übertextes findet man in glossierten Handschriften oder Renaissancedrucken, beispielsweise auf der erste Seite des Corpus Justinianum oder des Corpus Iuris Civilis in der Textausgabe von 1627.

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