Lob der digitalen Philologie

Inzwischen sind Editionen so selbstverständlich auch digitale Editionen, dass computergestützte Editionen keine Debatten wie noch vor wenigen Jahren auslösen. Die neueren Entwicklungen gehen denn auch einen Schritt weiter. Sie führen die auf verschiedene Bibliotheken in Paris, St. Petersburg und Genf verteilten Manuskriptblätter wieder zu dem Werk zusammen, das es einmal war. Auf Plattformen wie e-codices kann man dann den „Codex Florus dispersus“ betrachten, eine virtuell wieder zusammengeführte Sammlung von Briefen und Predigten des Augustinus, die im neunten Jahrhundert wohl in Lyon einen Kodex gebildet haben. In der Zusammenführung von Daten zu Werken und Korpora, nicht in der bloßen Steigerung der Datenmenge liegt die Entwicklung, die ohne die Digitalisierung des kulturellen Erbes kaum vorstellbar ist. Big Data meint eben nicht Stoffhuberei, wie Klaue annimmt, sondern sorgfältige Philologie der Manuskripte bis in die Details der Metadaten hinein.

Quelle: Lob der digitalen Philologie

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