Zeichnen: Eine Kulturtechnik wird neu entdeckt

Von Ralf Keuper

Neben anderen, wie Schreiben, gilt auch das Zeichnen als Kulturtechnik von hohem Wert. Eine Tatsache, die inzwischen wieder verstärkt Anerkennung findet. Besonders eindrücklich schildert die neuerliche Zuwendung der auch online zur Verfügung stehende Beitrag Die Verkörperung des Denkens im Spielraum der Zeichenfläche. Fußnoten zu einer wiederentdeckten Kunst von Barbara Lutz-Sterzenbach in aviso – Zeitschrift für Wissenschaft und Kunst in Bayern 4/2014. Die Autorin erwähnt u.a. den Vortrag Historische Kritzeleien. Über das Verfertigen der Gedanken beim Zeichnen von Horst Bredekamp. Bredekamp zeigt am Beispiel einiger Zeichnungen, die er Gallilei zuschreibt, wie sehr die Hand den Erkenntnisprozess beeinflusst. Zusammengefasst hat Bredekamp seine Forschungen u.a. in seinem von der Kritik gefeierten Buch Galilei der Künstler. Der Mond. Die Sonne. Die Hand. Inzwischen ist der Sternenbote, als dessen Schöpfer bis dahin Gallileo galt, als Fälschung entlarvt worden. Trotzdem warnte Walter Delabar in Alles falsch? vor voreiligen Schlüssen. Eine Ansicht, die ich persönlich teile. Dafür wird die These Bredekamps von zu vielen Belegen und Forschungsergebnissen unterschiedlichster Wissenschaftszweige gestützt, wie aus dem Beitrag von Barbara Lutz-Sterzenbach weiter hervorgeht. Als Kronzeuge taucht dabei immer wieder Giorgio Vasari, der Begründer der Kunstgeschichte, auf, der bereits vor 500 Jahren von der vergessenen Zeichenkunst sprach.

Lutz-Sterzenbach zitiert eine Passage aus dem erwähnten Vortrag, den Horst Bredekamp an der Münchener Kunstakademie 2013 gehalten hat:

Keine Zeichnung ist so unbedeutend genug, als dass sie nicht der Betrachtung wert wäre. Denn sie vollzieht jeweils neu das Wunder, in der Materialisierung ihrer selbst nicht etwa platonische Ideen zu realisieren, sondern in einem bildaktiven Wechselspiel mit den Mustern ihrer selbst die Trias von motorischer Formung, bildaktivem Geformtwerden und semantischer Schöpfung Ideen nicht zu illustrieren, sondern zu erzeugen.

In den letzten Jahren haben sich viele Gruppen und Kurse gebildet, die sich dem künstlerischen und wissenschaftlichen Zeichnen besonders verbunden fühlen, wie das Atelier für künstlerisches und wissenschaftliches Zeichnen der Universität Münster:

 

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