Wenn prekärer Journalismus prekäre Beiträge erzeugt

Von Ralf Keuper

Es war zu erwarten, dass der Erfolg der isländischen Fussballnationalmannschaft bei der EM in Frankreich in einigen Redaktionsstuben einen Kreativitätsschub auslösen würde, dessen Ergebnis ein Beitrag wäre, der mit weit hergeholten Vergleichen und aufgewärmten Klischees glänzt. Wir wurden auch dieses Mal nicht enttäuscht, wie der Beitrag Wie ähnlich sind sich Bielefeld und Island? belegt. 
In diesem Fall musste einmal mehr die Stadt Bielefeld als Vergleichsmaßstab herhalten. Die Stadt hat ungefähr so viel Einwohner wie Island – was lag da also näher, als eine Story zu konstruieren, in der krampfhaft versucht wird, Bezüge herzustellen, die zwar inhaltsleer und willkürlich sind, aber dennoch einen, wenn auch minimalen, Unterhaltungswert haben. Ebenso gut hätte man andere Städte mit ähnlicher Einwohnerzahl wählen können wie Mannheim, Karlsruhe oder Münster, aber auch etliche Landkreise. Das hätte jedoch bedeutet, einen unbetretenen Pfad zu beschreiten, wäre also deutlich anstrengender gewesen. 
Nachdem der Autor so ziemlich alle ihm bekannten Klischees und Anekdoten über Bielefeld durch dekliniert hat, hält er als Gemeinsamkeit zwischen Island und Bielefeld den Ausspruch „Das gibt’s doch gar nicht“ fest. Was für eine Erkenntnis und was für ein schlecht konstruierter Beitrag. Das fehlt so jeder überraschende Moment, das ist so weit entfernt von jeder auch nur halbwegs intelligenten Pointe, dass man einem der Kommentatoren bei seiner Bewertung nur zustimmen kann:

Die witzig gewitzt gemeinte Glosse liest sich, als ob man für ein Prekärsalär auch nur Prekäres hinkriegt

Immerhin 😉

Wir mussten erneut nicht lange warten 😉 Ein weiteres Beispiel für prekären Journalismus, wenngleich nicht ganz so platt wie der vorgenannte: Die Sache mit Island und Bielefeld…
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