Die Metapher des ›Netzes‹ und das Modell der Sprache

Wenn es grundsätzlich der Mangel ist, der die Entwicklung voranbringt, so muß dieser Mangel ein Maß erreicht haben, das jede Vorstellung übersteigt. Nicht mehr zufrieden damit, die unendliche Vielfalt sprachlicher Äußerungen zu generieren und die Narration der einzelnen Texte vorwärts zu drängen, treibt der Mangel nun ganze Signifikantensysteme und Medienkonstellationen aus sich hervor: jene Kette immer neuer und immer komplizierterer symbolischer Maschinen, die uns als ›Mediengeschichte‹ gegenübertritt und die einer Logik der Eskalation oder zumindest einer quantitativen Überstürzung zu folgen scheint.

Offensichtlich ist zunächst, daß die Menschheit an der Frage laboriert, auf welche Weise sie ihre Signifikanten anordnen soll. Die Geschichte der Medien erscheint als eine Abfolge sehr groß angelegter Experimente, die konkurrierende Entwürfe nacheinander durchtestet, bewertet und eigentümlich schnell verwirft; völlig unterschiedliche Medienkonzepte verdrängen einander oder koexistieren eine bestimmte Zeit, Medienlandschaften entstehen, können als Status quo sich behaupten, erodieren dann oder brechen plötzlich in neue Konstellationen um.

Auf welches ›Ziel‹ aber bewegt sich die Kette dieser Experimente zu? Warum scheint es notwendig, immer mehr und immer kompliziertere Technik einzusetzen, nur um kleine, ›leichte‹ Signifikanten zu handhaben und in immer neue Kombination zu bringen? Welches Defizit oder welches Begehren also treibt die Entwicklung der Medien voran?

Quelle: DOCUVERSE Zur Medientheorie der Computer

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