Das Buch in Zeiten der Bilderflut

Das Buch ist entstanden und kann vergehen: viele einst mächtige Kulturformen sind vergangen. Das Buch – seine besondere heutige – Funktion darf es nicht. Wir brauchen es mehr denn je. Denn wir haben an verschiedensten Fronten Auseinandersetzungen zu führen – für Menschenrechte, für unsere humanistischen, aufklärerischen, liberalen, demokratischen Ideen und Werte, für die Intaktheit unseres Planeten. Das Buch vermag einer hyperkomplexen Realität zu genügen. Das schafft kein Tweet. Denn alle diese Schrumpfformen sind unfähig, unserer Gegenwart adäquat zu begegnen.

In diesem Kampf ist das Buch eine starke Waffe. Sein Umfang ist kein Selbstzweck, sondern ein unentbehrliches Potential. Das Buch ermöglicht die eingehende Auseinandersetzung. Es erlaubt, den Dingen auf den Grund zu gehen. Eine notwendige Bedingung, wenn es um Komplexes und Kompliziertes geht. Es gestattet, Zusammenhänge herzustellen. In Ruhe und mit Zeit. Im besten Falle ermöglicht es, aus Informationen Wissen – und Bewusstsein – werden zu lassen. Ein Prozess, den wir dringend benötigen, weil Lesen in der explodierenden Bilderflut zum „Überfliegen“ verkommt.

Quelle: Das Buch als Kulturgut: Eine starke Waffe für die Demokratie

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