Ziel von Theaterarbeit kann es nur sein, der Mühseligkeit des Denkens Attraktivität zu erspielen

Es sind die Fähigkeit und der Wille, Skandale zu erzeugen, die dem Schauspielstand etwas von seiner Würde zurückgeben würden, die er in seiner haltlosen Hingabe ans Fernsehen und den Komödienterror immer unwiederbringlicher einbüßt. Und mit Skandal meine ich nicht irgendeine vordergründige Provokation, mit der nur mediales Aufsehen erregt werden will. Ich meine damit die Unruhe, die von einem geschärften Gedanken ausgelöst werden kann, wenn er eindringt in einen gefälschten gesellschaftlichen Konsens, um diesen zu entlarven. .. Ich halte dafür: Ziel von Theaterarbeit kann es nur sein, der Mühseligkeit des Denkens Attraktivität zu erspielen. Dafür muss Theater unterhaltsam sein. Dafür sind manchmal große Gefühle nötig, genauso wie scheinbar kleinkarierter aber aushölender Witz. Und dafür muss manchmal auch der vorgegebene Rahmen durchbrochen werden.

Quelle: Attraktivität erspielen für die Mühseligkeit des Denkens. Die Dankrede Josef Bierbichlers anlässlich der Verleihung des Eysoldt-Ringes in Bensheim, Frankfurter Rundschau vom 10.03.1998

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