Youtube: Kommunikatives Neuland für die Alt-Parteien und -Medien

Von Ralf Keuper

Die Kritik des YouTubers Rezo an der CDU traf die Parteispitze sowie einige Vertreter der Print-Medien auf dem falschen Fuss. Für einige Kommentatoren ein Zeichen dafür, dass die Alt-Parteien und -Medien sich mit dem Internet schwer tun. So hält der Medienwissenschaftler Christoph Engemann Videoformate im Stil einer Vorlesung für das bevorzugte Medium der jüngeren Generation, um sich komplexen Themen zu nähern (Vgl. dazu: Die neue Neugier der Jugend). Springer-Chef Döpfner sieht in dem Rezo-Video ein gelungenes Beispiel für digitalen politischen Journalismus. Die Printmedien, allen voran die FAZ, in Wirtschaftsfragen sonst nicht verlegen, mangelnde Innovationsbereitschaft zu geißeln, können mit diesem für sie neuen Phänomen nicht viel anfangen. Sofort unterzog die Wirtschaftsredaktion das Video daher einem “Faktencheck”(Vgl. dazu: Das Rezo-Video im Faktencheck).

In den letzten Jahren wurde immer wieder beklagt, dass die Jugend sich nicht für Politik interessiere. Jetzt, wo sie sich auf einmal mit medialer Wucht zu Wort meldet, reagieren die Vertreter der etablierten Parteien, insbesondere der CDU und der ihr nahestehenden Printmedien, verschnupft und beleidigt. Freie Meinungsäußerung selbstverständlich, aber bitte nicht so.

An dem Beispiel Rezo wird das Dilemma der Medienbranche überdeutlich. Da kommt einer daher und zeigt ihnen mal, wie Journalismus heute gehen könnte. Auf einmal sehen die Redaktionen von FAZ & Co. alt aus und es wird offensichtlich, woher die großen Probleme der Printmedien stammen. In den Köpfen wird ein Weltbild konserviert, das für Veränderungen nur dann Raum hat, wenn sie den eigenen Interessen und Ideologien entsprechen. Da können die ansonsten glorifizierten Marktkräfte mittels sinkender Auflagenzahlen, Personalabbau und Dauersanierungen ruhig ein anders Bild der Wirklichkeit liefern. Indizien für den Niedergang einer Branche, die viel zu spät auf die veränderten Umwelt- und Marktbedingungen reagiert hat. Zusammen mit den etablierten Parteien teilte man in etwa dieselbe Weltsicht. Man war aufeinander angewiesen. Die kritische Distanz der Medien zu den Regierungsparteien ließ sukzessive nach. Früher wäre das nicht weiter aufgefallen, da die Leser und Zuschauer keine Möglichkeit gehabt hätten, ihren Forderungen und ihrem Frust Gehör zu verschaffen, wie heute mit YouTube. Dieses Medium entzieht sich der Kontrolle. Binnen weniger Tage sind hier Aufzuzahlen von mehreren Millionen möglich, währenddessen FAZ und SZ mit stark sinkenden Auflagen zu kämpfen haben. Die FAZ kommt mittlerweile nur noch auf unter 200.000 verkaufte Exemplare; damit ist beim besten Willen keine Meinungsmacht mehr zu erringen. Der Respekt der jüngeren Generation vor den altehrwürdigen Institutionen lässt nach bzw. war von Anfang an nicht gegeben. Sie kommen ohne klar und nehmen die Sache selbst in die Hand. Man könnte das auch als Beginn von mehr Wettbewerb in der Parteien- und Medienlandschaft interpretieren.

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