Plädoyer für einen hastigen Journalismus (G.K. Chesterton)

Ein erster Schritt auf dem Weg zu einem ehrlichen Journalismus ist das Eingeständnis, dass es sich um Journalismus handelt – und um nicht mehr. Es geht um Arbeiten, die in fürchterlicher Eile meist mitten in der Nacht verfasst werden, und zwar von Menschen, die sich – so schrecklich das klingen mag – in der Regel durch eine ganz normale und durchschnittliche Intelligenz auszeichnen. Journalismus kann gar nicht akkurat sein. Ehrlich, das wohl: und wenn er ehrlich ist, wird er seine notwendige Flüchtigkeit und Ungenauigkeit eingestehen oder stolz darauf sein. Vom Journalismus erwartet man nämlich gar nicht die letztgültige Wahrheit über russische Feuerwaffen oder die kanadische Staatsfinanzen. Vom Journalisten erwartet man, dass er seine eigenen Gedanken und Überzeugungen wahrheitsgmäß darlegt. …

Eine Zeitung ist keine Enzyklopädie und sollte sich auch nicht so gebärden. Zeitung und Enzyklopädie teilen aber am Ende das gleiche Los: Ihre Irrtümer werden aufgedeckt. Doch gibt es einen Unterschied: Die Zeitung erscheint so schnell, dass selbst ihre Fehler wichtig sind; die Enzyklopädie folgt so spät, dass auch ihre Entdeckungen keine Rolle mehr spielen. Die Zeitung ist der beste Spiegel der täglichen Eindrücke, denen ein intelligenter Mensch ausgesetzt ist – sei es als Journalist oder Leser. Wenn sie mehr als das sein möchte, täuscht sie sich etwas vor. .. ; echter Journalismus ist journalistisch. Journalistisch sein heisst täglich zu erscheinen, heisst ständig neue Eindrücke aufzunehmen und sie als wahrheitsgetreu weiterzureichen.

Quelle: In den Sand geschrieben. Betrachtungen

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