Netzwerk der Aufklärung: suhrkamp taschenbuch wissenschaft (stw)

Auszug aus einem Interview der FR vom 8.09.1998 mit dem damals verantwortlichen Lektor der suhrkamp taschenbuch wissenschaft – Reihe, Friedhelm Herborth. Anlass war das 25jährige Bestehen von suhrkamp taschenbuch wissenschaft (stw).
Frage: Worin unterscheidet sich die „stw“ von anderen Reihen, auch aus ihrem Hause? 
Antwort: Die „stw“ wurde aus der allgemeinen Taschenbuchreihe „st“ ausgegliedert. Ursprünglich sollte das Gesamtprogramm des Verlages im Taschenbuch widergespiegelt, also überwiegend gebundene Bücher verwertet werden. In der „stw“ kamen dann immer mehr und mehr Originalausgaben hinzu, die heute etwa 80 Prozent des Programms ausmachen. Eine wichtige Funktion besteht darin, neue Gebiete zu erschließen, auf denen noch keine Monographien existieren. Das waren früher die sogenannten „Seminar-Bände“, heute sind es neben den Monographien gut konzipierte Sammelbände, die unterschiedliche Perspektiven verschiedener Disziplinen zusammenbringen. Nicht selten werden Tagungen im Hinblick auf einen stw-Bank konzipiert.  

Frage: Planen Sie Änderungen für die Zukunft?

Antwort: Veränderungen im Programm ergeben sich aus den Entwicklungen in den einzelnen Wissenschaften. Die „stw“ funktioniert deshalb so gut, weil sie sich aus einem inhaltlichen Netzwerk über Themen und das Grundinteresse am „Projekt der Aufklärung“ generiert, das als unabgeschlossener Prozess ja nichts Statisches ist, sondern aus der Fülle der Möglichkeiten das Beste herauszufiltern versucht. Der internationale Ruf der „stw“ beruht ja nicht auf Personen und Seilschaften, sondern auf diesem inhaltlichen Kristallisationskern. 

Frage: Die Umschlagszeiten auf dem Buchmarkt werden immer kürzer, andere Verlage fahren ihre Wissenschaftsproduktion drastisch zurück. Machen Ihnen die Engpässe auf dem Markt nicht auch zu schaffen?

Antwort: .. In der Wissenschaft gibt es eine selbstdestruktive Tendenz, Bücher als Saisonartikel zu betrachten. Innovative wissenschaftliche Bücher brauchen oft Jahre, bis sie in ihrer Bedeutung erkannt und anerkannt werden; es gibt Bücher, die nach zehn Jahren im Verkauf noch ansteigen. Die Reihe lebt davon, dass ein großer Teil der Titel auf längere Sicht Interessenten findet. 

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