Druckmaschinenhersteller wollen digitaler werden

Von Ralf Keuper

Zu den ersten Branchen, welche die volle Wucht der Digitalisierung zu spüren bekommen haben, zählt die der Druckmaschinen. Für Deutschland galt das in besondere Weise, haben bzw. hatten hier doch die drei größten Hersteller ihrer Sitz: Heidelberger Druckmaschinen, manroland und Koenig & Bauer. Die größte Belastungsprobe kam jedoch mit der Finanzkrise, in deren Folge alle drei Hersteller Federn lassen mussten; am meisten manroland; das Unternehmen ging in die Insolvenz. Heidelberger Druck musste Staatshilfe im großen Umfang in Anspruch nehmen, Koenig & Bauer musste indes ohne Hilfe auskommen.

Mittlerweile scheint die Talsohle erreicht. Sowohl Heideldruck wie auch KBA wollen die digitale Transformation voran treiben. Wie die FAZ in Die Weltmarke Heidelberger wird digital in der Ausgabe vom 21.09.2017 berichtet, hat der neue Chef Rainer Hundsdörfer neue datenbasierte Geschäftsmodelle im Visier:

Heidelberger könne heute schon auf alle Produktionsdaten von rund 10.000 installierten Druckmaschinen zugreifen – und Kunden nicht nur vorhersagen, wann ein Ersatzteil sinnvollerweise auszutauschen ist, sondern auch Beratung in Fragen der optimalen Nutzung geben.

Dieses Modell werde gerade um neue Kaufverträge ergänzt. Wenn Heidelberger schon alle Produktionsdaten kennt, könne man die Maschine auch selbst betreiben und dem Kunden nur die Nutzung (Kosten je bedruckten Boden) in Rechnung stellen. „Künftig steckt die Differenzierung am Markt nicht mehr im Maschinenpark, sondern in seinem Geschäftsmodell“.

Das ist an sich nicht spektakulär. Im Grunde handelt es sich dabei um das Geschäftsmodell Managed Services, wie es Triumpf Adler als Reaktion auf die fortschreitende Digitalisierung bereits seit Jahren anbietet.

Neu dagegen, jedenfalls nach meinem Kenntnisstand, ist die Ausweitung des Druckvorgangs auf andere Oberflächen und Objekte. Der Chef von Heideldruck wird mit den Worten zitiert:

Wir wollen auch Kunststoff, Glas oder Metall bedrucken. .. Im Extrem können wir mit dieser Technik (Roboter mit vorgesetztem Druckkopf) ganze Flugzeuge bedrucken.

Die FAZ führt dazu weiter aus:

Der angewandte Digitaldruck sei hier wesentlich hochwertiger als der Laserdruck oder der bisher für gewölbte Körper eingesetzt Tampondruck.

Im Gespräch mit der Mainpost aus Anlass des 200jährigen Bestehens von Koenig & Bauer antwortete der Vorstandsvorsitzende Claus Bolza-Schünemann auf die Frage, was das Internet und die Digitalisierung aus dem Unternehmen machen:

Wir sind wie vor 200 Jahren nach wie vor ein Druckmaschinenbauer. Was sich völlig verändert hat, sind die Produkte, die mit unseren Maschinen hergestellt werden. Friedrich Koenig hat mit der Zeitungsmaschine angefangen. Das war die Domäne dieses Hauses bis in die 1990er Jahre. Das hat sich sehr verändert durch das Leseverhalten, durch das Internet und durch verändertes Werbeverhalten. Wir haben deshalb große Geschäftsbereiche aufgeben müssen, wenn ich etwa an den Tiefdruck denke. Die Rolle der Zeitung ist heute sehr klein geworden, wenngleich sie nach wie vor wichtig ist. Wir haben unsere Aktivitäten sehr auf Verpackungsdruck in jeglicher Form verlagert.

Um die Rückgänge in anderen Bereichen, wie im Zeitungsdruck, aufzufangen, hat Koenig & Bauer beschlossen, wieder in den Flexodruck, die Bedruckung von Verpackungen, wie sie mit dem Online-Handel zugenommen haben, einzusteigen.

Die Druckmaschinenhersteller versuchen mittels digitaler Transformation die Pfadabhängigkeit ihres Geschäftsmodells zu überwinden bzw. zu verringern (Vgl. dazu:Die deutschen Druckmaschinenhersteller im Spannungsfeld von Digitalisierung, strategischer Anpassungsnotwendigkeit und organisatorischer Pfadabhängigkeit – eine empirische Analyse auf Branchen- und Unternehmensebene). Vor ähnliche Probleme sind die Hersteller von Geldausgabeautomaten sowie die Drucker von Geldnoten wie Giesecke & Devrient gestellt. In der Plattformökonomie, wo sich zwischen die Kunden und den Herstellern große Internetkonzerne schieben, sind Geschäftsmodelle, die auf Verkauf und Wartung ausgelegt sind, vom Aussterben bedroht. Digitalisierung an sich wird an diesem Dilemma nur wenig ändern können. Das Geschäftsmodell der Druckmaschinenhersteller ist B2B. Mit dem Endkunden hatten sie bislang keinen ausgeprägten Kontakt. Die Gefahr (beispielsweise mit Blick auf das Internet der Dinge) besteht darin, dass Heidelberger und KBA zu reinen Zulieferbetrieben degradiert werden. Ob der Wandel vom Hersteller zum Dienstleister die Lösung ist, wird sich zeigen.

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