Die Süddeutsche Zeitung und der Antisemitismus

Von Ralf Keuper 

Der Süddeutschen Zeitung gelingt es immer wieder, den Vorwurf auf sich zu ziehen, der Verbreitung antisemitischen Gedankenguts eine Bühne zu bieten.

Für Empörung sorgte u.a. ein Text über den Pianisten Igor Levit[1]So unterirdisch kann “Musikkritik” sein. Nach Protesten sah sich die Chefredaktion der SZ veranlasst, auf Distanz zu dem Beitrag Igor Levit ist müde, der am 16. Oktober 2020 im Feuilleton erschienen war, zu gehen (Vgl. dazu: Süddeutsche Zeitung entschuldigt sich bei Igor Levit). FAZ, Welt und die NZZ sahen in der Entschuldigung der SZ-Chefredaktion ein Einknicken vor dem Mob( Vgl. dazu: Wozu Entschuldigungen dienen). Der Verfasser des Beitrags, Helmut Mauró, zog sich mit seiner Buchbesprechung Alex Ross’ Buch „Die Welt nach Wagner“ Komponist und Hetzer erneut den Zorn einiger Kommentatoren zu, wie auf twitter.

Seit ihrer Gründung wird gegen die SZ der Vorwurf des Antisemitismus erhoben[2]1949: Antisemitismus in der »Süddeutschen Zeitung«. Einige Kommentatoren sehen ein Antisemitismus-Problem bei der SZ[3]Das Antisemitismus-Problem der Süddeutschen Zeitung. Einer der Gründer der SZ, Franz-Josef Schöningh, war tief in die Machenschaften des NS-Regimes verstrickt[4]Wege und Abwege. Franz Josef Schöningh, Mitbegründer der Süddeutschen Zeitung. Eine Biografie. Herausgegeben von Maria-Theresia, Lorenz und Rupert von Seidlein & Die NS-Zeit: kein Thema. Forschungen belegen überdies, dass einige Vertreter der ersten SZ-Generation den nationalsozialistischen Völkermord propagandistisch begleitet haben[5]NS-Vergangenheit von SZ-Redakteuren.

2018 musste sich die SZ-Chefredaktion für eine Karikatur anlässlich des Eurovision Song Contest entschuldigen, die antisemitische Stereotype transportierte[6]Der kriegslüsterne und mächtige Jude. Bereits einige Jahre zuvor löste die Illustrierung einer Rezension zweier israelkritischer Bücher in der SZ Proteste aus.[7]Was für eine Sauerei. In einer weiteren Karikatur wurde Facebook-Chef Mark Zuckerberg in antisemitischer Weise dargestellt[8]Antisemitismus-Vorwurf nach “SZ”-Karikatur.

Als die sog. “Schwarzen Hefte” von Martin Heidegger dessen Antisemitismus und gedankliche Nähe zum Nationalsozialismus offen zutage förderten, erschienen im Feuilleton der SZ auffallend viele wohlwollende Beiträge. In einem Interview konnte Rüdiger Safranski unwidersprochen den Antisemitismus Heideggers als für die damalige Zeit verbreiteten kleinbürgerlichen “Konkurrenz-Antisemitismus” umdeuten.

Mittlerweile sind einige Kommentatoren der Ansicht, dass in Sachen SZ und Antisemitismus die Einzelfallvermutung nicht mehr zutrifft[9]Antisemitismus in der „SZ“: Die Einzelfallvermutung gilt nicht mehr.

Weitere Informationen:

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