Walter Benjamins Medienphilosophie in zehn Minuten

Von Ralf Keuper 

Der Aufsatz Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit von Walter Benjamin ist ein Klassiker der Medientheorie. Leider ist der Sprachstil Benjamins dem raschen Verständnis seiner Gedankengänge nur bedingt zuträglich. Auf dem Science Slam in Hamburg hat Tim Gailus den lobenswerten und insgesamt auch geglückten Versuch unternommen, uns die komplexe Gedankenwelt Benjamins in zehn Minuten näher zu bringen.

Früher besaß das Kunstwerk eine Aura, die sich dem Betrachter oder Zuhörer nur in bestimmten Situationen und Konstellationen erschloss, wie z.B. in einem Museum oder einem Konzert. Mit dem Aufkommen technischer Apparate im 19. Jahrhundert wurden viele Kunstwerke, wie Musikstücke, technisch reproduzierbar. Folge davon war ein Auraverlust; es war kein Ritual mehr nötig; der Ausstellungswert verdrängte den Kultwert. Das optische Bewusstsein wurde und wird durch technische Apparate verändert, wie durch die ersten Fotokameras, Grammophone bis hin zum Smartphone.

Benjamin bezeichnete das Kino als Trainingslager in einer durchtechnisierten Zeit. Diese Rolle hat heute das Internet übernommen. Die Frage ist, ob die Chancen, das emanzipatorische Potenzial, das bereits in den ersten technischen Apparaten steckte, zu entfachen, heute besser stehen und entsprechende Handlungen und Verhaltensänderungen nach sich ziehen.

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