Georg Philipp Telemann, der barocke Multitasker

Von Ralf Keuper

Georg Philipp Telemann war zu Lebzeiten einer der bekanntesten und gefragtesten Komponisten. Daneben war er noch Organisator, Verleger, Theatermanager und Netzwerker; also vielseitig. In gewisser Hinsicht war Telemann ein barocker Multitasker. Das hat seinem Nachruhm jedoch geschadet. Lange Zeit wurde Telemann als „Vielschreiber“ von der Musikkritik geschmäht.

Wie aus dem ausgesprochen lesenswerten Eintrag auf Wikipedia hervorgeht, hat Telemann auf zahlreiche Musiker einen großen Einfluss ausgeübt:

Mehrere zeitgenössische Musiker – darunter auch Telemanns Schüler Johann Christoph Graupner, Johann Georg Pisendel und Johann David Heinichen – griffen Elemente von Telemanns Schaffen auf. Andere Komponisten wie Gottfried Heinrich Stölzel eiferten ihnen bald nach. Weitere Schüler aus der Hamburger Zeit, denen Telemann nicht das Instrumentalhandwerk, sondern „Stilkunde“ vermittelte, sind Jacob Wilhelm Lustig, Johann Hövet, Christoph Nichelmann, Jacob Schuback, Johann Christoph Schmügel, Caspar Daniel Krohn und Georg Michael Telemann. Telemanns polnische Einflüsse regten Carl Heinrich Graun zum Nachahmen an; Johann Friedrich Agricola lernte in jungen Jahren aus Telemanns Werken. Auch Johann Friedrich Fasch, Johann Joachim Quantz und Johann Bernhard Bach erwähnten Telemann ausdrücklich als Vorbild für einige ihrer Werke.

Aus eigenhändigen Bemerkungen, mit denen er die Manuskripte von Telemann versah, geht hervor, dass Carl Philipp Emanuel Bach etliche seiner Kompositionen studiert und aufgeführt hat. Die rege Freundschaft Telemanns mit Händel drückte sich nicht nur darin aus, dass Telemann mehrere von Händels Bühnenwerken – teilweise mit eigenen Einlagen – in Hamburg aufführte, sondern auch darin, dass Händel in späteren Jahren oftmals Themen von Telemann in seinen eigenen Kompositionen verwendete. Johann Sebastian Bach fertigte Abschriften mehrerer Kantaten Telemanns an und führte seinen Sohn Wilhelm Friedemann in einem für ihn angelegten Klavierbüchlein an dessen Musik heran. Das von Leopold Mozart für Wolfgang Amadeus angelegte Notenbuch enthält elf Menuette sowie eine Klavier-Fantasie von Telemann. Sowohl der Klavierstil Carl Philipp Emanuel Bachs als auch Wolfgang Amadeus Mozarts erinnert mitunter an Telemanns Schreibweise.

Mit 3.600 verzeichneten Werken ist Telemann, wie weiter zu erfahren ist, einer der produktivsten Komponisten der Musikgesichte. Einige Musikwissenschaftler ziehen eine Parallele zu Hans Werner Henze, der ebenfalls außerordentlich produktiv war.

Hans Werner Henze schrieb über seine Beziehung zu Telemann:

Die Musik von Telemann hat mich schon früh gerührt und erfreut, als ich noch zur Schule ging. Telemanns e-Moll-Quartett von 1736 war die einzige Partitur des Meisters, die sich damals, in den letzten Kriegsjahren, finden konnte.

Die Noblesse und Eleganz dieser Musik hat ganz sicherlich meine Komposition beeinflusst, wobei ich die langsame Introduktion und den ganz wunderbaren Schlussgesang als besonders vorbildlich gesehen habe und noch immer sehe.

Von Henze stammt auch das Stück Telemanniana:

Im Jahr 2016 ging das Freiburger Barockorchester (FBO) mit dem Programm „Bach und Kollegen“ auf Tournee, worüber die Schwäbische Zeitung in Barocke Netzwerker berichtete. Darin war zu lesen:

„Back und Kollegen“ wirft einen Blick auf das musikalische Netzwerk, das Johann Sebastian Bach mit Georg Philipp Telemann in Hamburg, Johann Friedrich Fasch am Hof von Anhalt-Zerbst und dem böhmischen Komponisten Jan Dismas Zelenka in Dresden pflegte.  .. In einer Tafelmusik von Telemann erklangen eine Reihe von Charakter -und Tanzsätzen, etwa eine anmutige Hirtenmusik, die angedeuteten Signale eines Posthorns oder ein lebhafter Rausschmeißer.

In Hamburg und anderenorts wird in dem diesem Jahr der 250. Todestag des großen Komponisten gefeiert. Eisenach feiert den Erneuerer der lutherischen Kirchenkantate.

Auch in Texas und New York wird des barocken Netzwerkes Telemann, Bach & Co. gedacht: Saturday Concert Showcases ‚Drama‘ Of Baroque Music und Arts Lust: Unforgetting Telemann With the NYC Opera.

Im letzten Beitrag wird der Erneuerer, heute sagt mal wohl eher „Innovator“ Telemann erwähnt:

He shook up the establishment by starting a publishing company for his own music. He founded the first musical journal published in Germany. He was a serious poet and kapellmeister of several churches. He played music in taverns on evenings when he wasn’t writing letters to his friends Bach and Handel.

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