FAZ: Relativ erfolglos

Von Ralf Keuper

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat schon mal bessere Zeiten erlebt. Die Auflagenentwicklung verläuft seit Jahren konstant – nach unten. Mittlerweile kommt die FAZ nur noch auf 240.000 verkaufte Exemplare (Vgl. dazu: IVW‐Auflagenvergleich IV. Quartal 2017). Meinungsmacht – gleich welcher Art –  lässt sich damit kaum noch erreichen.

In der Vergangenheit griff die FAZ, um die wirtschaftliche Situation in den Griff zu bekommen, zu den Methoden, die auch die Wirtschaftsredaktion ins Straucheln geratenen Unternehmen häufig empfiehlt: Einsparung von Personal.

Im Jahr 2014 kam es zu einem drastischen Personalabbau (Vgl. dazu: FAZ streicht bis zu 200 Stellen) & „FAZ“ will 200 Stellen streichen. Mangel an klugen Köpfen). Die von der Verlagsleitung eingeschaltete Unternehmensberatung Roland Berger hatte deutlich drastischerer Maßnahmen empfohlen, die aber nicht umgesetzt wurden.

Bereits im Jahr 2002 sah die Verlagsleitung sich gezwungen, über Kosteneinsparungen nachzudenken (Vgl. dazu: Die FAZ speckt ab). Für das  Geschäftsjahr 2016 konnte die FAZIT-Stiftung, als Eigentümerin der FAZ, einen “Gewinnsprung” aufgrund eines Sondereffektes vermelden (Vgl. dazu: Wegen „Sondereffekt“ bei Pensionen: FAZ-Eigentümer Fazit-Stiftung meldet Gewinnsprung im Jahr 2016). Für das Jahr 2017 rechnet die Stiftung dagegen mit einem deutlich geringeren Gewinn im unteren einstelligen Millionen-Bereich.

Im Oktober vergangenen Jahres wurde bekannt, dass die FAZIT-Stiftung auf der Suche nach neuen Partnern für die Frankfurter Rundschau und die FNP sei (Vgl. dazu: Unruhe bei der FAZIT-Stiftung: FAZ-Eigentümerin sucht Partner für Frankfurter Rundschau und FNP). Etwa zur selben Zeit wurden Pläne bekannt, wonach die FAZ ihren Immobilienbesitz veräußern wolle ( Vgl. dazu: FAZ-Gruppe stellt Immobilienbesitz auf den Prüfstand: Verlag und Redaktion sollen umziehen).

Vor ca. vier Wochen meldete die FAZ den Verkauf der Frankfurter Rundschau und Frankfurter Neuen Presse an die Ippen-Gruppe.

Die “Selbstanalyse” der  Wirtschaftsredaktion der FAZ, die in anderen Fällen schnell das Problem definiert, Maßnahmen nahelegt und dabei den Marktkräften ihr vollstes Vertrauen ausspricht, wirkt ungewohnt ratlos, wie in In eigener Sache.  Mehr als das “Prinzip Hoffnung” fällt den Autoren nicht ein: Qualitätsjournalismus hat weiterhin Zukunft – hoffentlich:

Ist das alles Wunschdenken? Ja, es ist Wunschdenken. So wünschen wir – die Autoren dieses Artikels – uns die neue Zeitungswelt.

Ansonsten teilt man bei der FAZ in verschiedene Richtungen aus: Einmal in Richtung facebook, Google & Co. und zum anderen gegen den Öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Wettbewerb und Marktwirtschaft scheinen nur dann als Rezept geeignet, sofern sie nicht den eigenen Status bedrohen.

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