Der Regelkatalog des publizistischen Handwerks (Hanns Joachim Friedrichs)

In den Printmedien gibt es Blätter, in denen Meldung und Meinung übergangslos ineinanderfließen. Wer sie kauf, weiss, was ihn erwartet, der Kunde bekommt, was er will. Tagesschau und Tagesthemen haben eine solche Zielgruppe nicht. Sie können sich ihr Publikum nicht aussuchen. In den frühen achtziger Jahren, lange vor SAT1 und RTL, hießen die Alternativen heute und heute-journal, die sich an ähnlichen Prinzipien orientierten, auch wenn es in Nuancen immer wieder bemerkenswerte Unterschiede gab (und gibt). Dass in diesem Nachrichtenmonopol der Öffentlich-Rechtlichen eine Verpflichtung steckte, nämlich die, nur nach dem Regelkatalog des publizistischen Handwerks zu arbeiten, wollte (oder konnte) Gruber (gemeint Edmund Gruber) nicht begreifen. Er holte seine Maßstäbe aus den Tiefen seiner politischen Überzeugung und blieb Ideologe in einem Metier, dessen Aufgabe die Verbreitung von Informationen, nicht aber von Glaubensbekenntnissen ist.

Quelle: Hanns Joachim Friedrichs. Journalistenleben

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