Philatelie als bildhistorische Hilfswissenschaft

Das Sammeln von Briefmarken war ein Hobby, das Generationen von Jugendlichen und Erwachsenen mit Geographie, politischer Geschichte und grafische Techniken in Berührung brachte. Nicht selten wurden aus Sammlern Experten, die Gestaltung, Motive und Verbreitung von Briefmarken erforscht und beschrieben haben, wovon eine Fülle philatelistischer Zeitschriften, Kataloge und Bücher zeugt. Nie wieder wurde ein solcher Umfang von Wissen über ein Medium von globaler Bedeutung ausschließlich von Laien zusammengetragen.

Intellektuelle Vorbehalte haben allerdings dazu geführt, dass die Philatelie keine wissenschaftliche Hilfsdisziplin geworden ist, die an Universitäten gelehrt wird, wie Numismatik, Heraldik oder Papyrologie. Wie bei einer anderen Medienerfindung des frühen neunzehnten Jahrhunderts, der Fotografie, fehlte der Briefmarke die antike Tradition. Übersehen wurde deshalb auch ihr Einfluss auf die Herausbildung der modernen Ästhetik und Kulturwissenschaft. Bekannt sind nur die philatelistischen Ideen von Walter Benjamin und Aby Warburg.

Quell: Die Brüder Herzfeld interessierten sich 1933 auch wieder für Briefmarken, FAZ vom 24.01.2018

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