Der Verlust der Sprachkultur

Sowohl mit dem regulären Programm als auch mit der Werbung schafft das Fernsehen ein Klima, das dem originären Geschichtenerzählen faktisch den Garaus macht. Es fördert eine Einstellung, die für die Schaffung der Grundlagen einer kraftvollen Liberalität in des Wortes umfassender Bedeutung die absolut falsche ist. Kinder brauchen Situationen, in denen sie sich vereinsamt, verwirrt, verstört genug fühlen, um sich Geschichten eigener Machart zusammezufabulieren, an denen sie sich wie an einer rettenden Strickleiter aus der psychischen Klemme heraus hangeln. Sie müssen da und dort aufgelesene Erzählstränge miteinander verknüpfen, um Sinn in ihr Leben zu bringen. Das Fernsehen verniedlicht Probleme, in dem es für jedes eine prompte und patente Lösung bereithält. Es reduziert die Komplexität des Lebens auf ein simples Gleichungssystem. Es stilisiert zwischenmenschliche Konflikte und die ernsten sozialen Probleme zu Unterhaltung – behandelt sie als Rohstoff für privatim konsumierte Spektakel.

Quelle: Der Verlust der Sprachkultur, Autor: Barry Sanders

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