Das Ethos des Rundfunks (Adolf Grimme)

Im Wirtschaftlichen erwartet der Hörer, dass jene 20 Groschen, die er sich jeden Monat abspart, sinnvoll verwendet werden, dass also Wirtschaftlichkeit und Darbietung im gesunden Verhältnis zueinander stehen. Was er erwarten sollte, ist, dass Qualität wirtschaftlich dargeboten wird.

Vom Programmatischen her gesehen, heisst das: erwarten, dass der Rundfunk den Willen zur Qualität besitzt und damit bereit ist, dies eine oder beiden Grundgesetze des Rundfunks als eines kulturellen Instruments zu respektieren. Es wird freilich dieser Wille zum Niveau nicht stets den Majoritätsgeschmack auf seiner Seite haben. Der Rundfunk darf deshalb, wenn er dieser seiner Sendung als Erzieher zum Qualitätsgefühl treu bleiben will, nicht der verführerischen Jagd nach Popularität verfallen. Wer gewillt ist, das Beste im Menschen anzusprechen, muss nun einmal zugleich den Mut zur Unpopularität besitzen.  …

…, denn wenn der Rundfunk, um nur das zu nennen, das politische Geschehen kommentiert, dann kommentieren dies Geschehen Menschen, und je stärker diese Menschen Persönlichkeiten aus eigenem Wuchs sind, wie wir sie wünschen, um so profilierter ist auch politisch ihr eigenes Gesicht; damit aber steht die Besorgnis auf, dass ihr eigenes hohes Ethos des Willens zum Standpunkt über den Parteien umschlägt in die unbewusste Propaganda für ein eigenes, organisatorisch nicht zu greifendes Parteigebilde. Dann wäre die Überparteilichkeit nichts anderes geworden als eine von niemandem gewählte und darum niemand gegenüber verantwortliche, wenn Sie so wollen, eine Hauspartei des Rundfunks. …

Quelle: Das Ethos des Rundfunks (online abrufbar)

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Weihnacht (Rainer Maria Rilke)

Die Winterstürme durchdringen
Die Welt mit wütender Macht. –
Da – – sinkt auf schneeigen Schwingen
Die tannenduftende Nacht…

Da schwebt beim Scheine der Kerzen
Ganz leis nur, kaum, daß du’s meinst,
durch arme irrende Herzen
der Glaube – ganz so wie einst…

Da schimmern im Auge Tränen,
du fliehst die Freude – und weinst,
der Kindheit gedenkst du mit Sehnen,
oh, wär es noch so wie einst!…

Du weinst!… die Glocken erklingen –
Es sinkt in festlicher Pracht
Herab auf schneeigen Schwingen
Die tannenduftende Nacht.

(Rainer Maria Rilke, 1875-1926, österreichischer Schriftsteller, Dichter)

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Der Regelkatalog des publizistischen Handwerks (Hanns Joachim Friedrichs)

In den Printmedien gibt es Blätter, in denen Meldung und Meinung übergangslos ineinanderfließen. Wer sie kauf, weiss, was ihn erwartet, der Kunde bekommt, was er will. Tagesschau und Tagesthemen haben eine solche Zielgruppe nicht. Sie können sich ihr Publikum nicht aussuchen. In den frühen achtziger Jahren, lange vor SAT1 und RTL, hießen die Alternativen heute und heute-journal, die sich an ähnlichen Prinzipien orientierten, auch wenn es in Nuancen immer wieder bemerkenswerte Unterschiede gab (und gibt). Dass in diesem Nachrichtenmonopol der Öffentlich-Rechtlichen eine Verpflichtung steckte, nämlich die, nur nach dem Regelkatalog des publizistischen Handwerks zu arbeiten, wollte (oder konnte) Gruber (gemeint Edmund Gruber) nicht begreifen. Er holte seine Maßstäbe aus den Tiefen seiner politischen Überzeugung und blieb Ideologe in einem Metier, dessen Aufgabe die Verbreitung von Informationen, nicht aber von Glaubensbekenntnissen ist.

Quelle: Hanns Joachim Friedrichs. Journalistenleben

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Digitale Zwillinge als Medien- und Grenzobjekte

Von Ralf Keuper

In der Produktion wird bereits reger Gebrauch von digitalen Zwillingen, d.h. virtuellen Repräsentationen von Maschinen, gemacht. Nicht mehr lange, und Digitale Zwillinge bilden das Rückgrat der vernetzten Wirtschaft und Gesellschaft.

Neben Maschinen bekommen auch Menschen und juristische Personen, wie Unternehmen oder Unternehmenseinheiten, einen oder mehrere digitale Zwillinge zur Seite gestellt. Der virtuellen Doppelgänger könnte beispielsweise die personalisierte Medizin ermöglichen. Die Daten des Objektes, in diesem Fall des Menschen, werden über dessen gesamten Lebenszyklus gespeichert, ergänzt und bearbeitet. Im Idealfall erhält man so ein nahezu vollständiges Abbild der betreffenden Personen bzw. des Patienten (Vgl. dazu: Daten zu Gesundheit und Verhalten. Wie digitale Zwillinge die Medizin revolutionieren). Neue medizinische Verfahren könnten so am Digitalen Zwilling simuliert werden, so wie in der Fabrik neue Produktionsverfahren oder die Hinzufügung neuer Komponenten zu einer Maschine.

Digitale Zwillinge von Menschen, Geräten, Maschinen, Tieren und Unternehmen werden damit zu Grenzobjekten (Vgl. dazu: Der Stilwandel der Medien am Beispiel der “Boundary Objects” – Kooperation ohne Konsens).

Grenzobjekte sind solche Objekte, die in einer lokalen Anwendung präzisiert und zweckgerichtet verwendet werden, aber zugleich in einer umfassenderen Zirkulation zur Verfügung stehen, ohne ihre Identität dabei zu verlieren. Die durch »boundary objects« ermöglichte »Kooperation ohne Konsens« hält Organisationen und Institutionen am Laufen und ruft sie zum Teil sogar erst ins Leben (während das Einklagen von Konsens diesen oft erst gefährdet).

Neben Fragen des Datenschutzes und der Privatsphäre wäre zu klären, inwieweit der Digitale Zwilling reale Objekte und Personen repräsentieren kann und darf.

Hans Sandkühler hält in Kritik der Repräsentation zum methodischen Vorgehen der fMRT in der Hirnforschung u.a. fest:

In neurowissenschaftlichen Experimenten werden nicht mentale repräsentationale Leistungen gemessen, deren physische Basis diese oder jenes individuelle Gehirn ist, sondern physische Prozesse/Zustände eines neurobiotischen Systems. Die Prozesse/Zustände dieses Systems werden aufgrund bestimmter theoriegeleiteter Hypothesen und Erkenntnisziele und mithilfe mathematischer/statistischer Methoden in Bilder/Zeichen transformiert. Die transformierten Daten werden als Repräsentationen interpretiert. Je nach dem gewählten epistemologischen Profil, nach der präferierten Rahmentheorie und dem der Theorie zugehörigen Begriffsschema kommt es – oder kommt es nicht – zu Aussagen über mentale Aktivitäten im Gehirn. Diese ergeben sich aber nicht direkt aus dem experimentell gewonnenen Datenmaterial, sondern sind das Ergebnis von Interpretationen. Die Interpretationen sind an Überzeugungen, Denkstile, Denkgemeinschaften und Wissenskulturen gebunden.

Digitale Zwillinge sind demnach kein vollständiges Abbild des jeweiligen Objektes, sondern eine von mehreren möglichen Interpretationen, die sich mit der Zeit (gesellschaftlicher und technologischer Wandel) ändern können.

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VHS – Eine Kassette revolutioniert die Welt

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Deutsche Digitale Bibliothek: Zeitungsportal (Online-Umfrage)

Key Findings

  • Insgesamt haben 2422 Personen die Umfrage bearbeitet (nach Plausbilitätscheck und Datenbereinigung).
  • 61% der Teilnehmer sind Männer, 37% Frauen.
  • Die größte Altersgruppe der Befragten liegt zwischen 50 – 59 Jahren (27%). Insgesamt waren über 60% der Befragten 50 Jahre und älter.
  • Jeweils ca. ein Drittel der Teilnehmenden recherchiert aus privaten Anlässen, aus beruflichen Anlässen oder beides. Berufliche Nutzer kannten sich generell besser mit den verschiedenen, bestehenden Recherchemöglichkeiten aus.
  • Die hohe Frequenz der Recherche war nicht nur bei den beruflichen Nutzern auffällig: Über ein Drittel der privaten Nutzer recherchiert demnach mehrmals im Monat in historischen Zeitungen. Knapp die Hälfte der privat-motivierten Teilnehmenden recherchiert mindestens mehrmals im Monat, ein Wert der durchaus überrascht. …

Quelle / Link: Deutsche Digitale Bibliothek: Zeitungsportal (Online-Umfrage)

Weitere Informationen:

Aufbau „Deutsches Zeitungsportal“: Was erwarten unsere Nutzer*innen?

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Was heißt „Medien konstruieren Wirklichkeit“?

Es ist rasch zum Lehrbuch-Wissen geworden: „Medien konstruieren Wirklichkeit“. Doch was heißt das? Taten sie dies immer schon? Oder tun sie es immer mehr? Oder gar beides? Von welcher Ebene reden wir? Meint Wirklichkeitskonstruktion einen erkenntnistheoretischen Sachverhalt oder eine bewusste Strategie? Ist es so, dass wir (die Journalisten wie die Rezipienten) gar nicht nicht konstruieren können, oder kann man sich doch für oder gegen die Konstruktion der Wirklichkeit entscheiden?

Quelle / Link: Was heißt „Medien konstruieren Wirklichkeit“? Von einem ontologischen zu einem empirischen Verständnis von Konstruktion

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Public Relations – Manipulation der Masse | Doku | ARTE

Weitere Informationen:

Das neue Propagandazeitalter?

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Dirk Baecker: Elemente einer Medientheorie

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Das Literarische Quartett 04 | 16.12.1988 | Verlage, Bücher, Übersetzungen

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