Digitale Zwillinge als Medien- und Grenzobjekte

Von Ralf Keuper

In der Produktion wird bereits reger Gebrauch von digitalen Zwillingen, d.h. virtuellen Repräsentationen von Maschinen, gemacht. Nicht mehr lange, und Digitale Zwillinge bilden das Rückgrat der vernetzten Wirtschaft und Gesellschaft.

Neben Maschinen bekommen auch Menschen und juristische Personen, wie Unternehmen oder Unternehmenseinheiten, einen oder mehrere digitale Zwillinge zur Seite gestellt. Der virtuellen Doppelgänger könnte beispielsweise die personalisierte Medizin ermöglichen. Die Daten des Objektes, in diesem Fall des Menschen, werden über dessen gesamten Lebenszyklus gespeichert, ergänzt und bearbeitet. Im Idealfall erhält man so ein nahezu vollständiges Abbild der betreffenden Personen bzw. des Patienten (Vgl. dazu: Daten zu Gesundheit und Verhalten. Wie digitale Zwillinge die Medizin revolutionieren). Neue medizinische Verfahren könnten so am Digitalen Zwilling simuliert werden, so wie in der Fabrik neue Produktionsverfahren oder die Hinzufügung neuer Komponenten zu einer Maschine.

Digitale Zwillinge von Menschen, Geräten, Maschinen, Tieren und Unternehmen werden damit zu Grenzobjekten (Vgl. dazu: Der Stilwandel der Medien am Beispiel der “Boundary Objects” – Kooperation ohne Konsens).

Grenzobjekte sind solche Objekte, die in einer lokalen Anwendung präzisiert und zweckgerichtet verwendet werden, aber zugleich in einer umfassenderen Zirkulation zur Verfügung stehen, ohne ihre Identität dabei zu verlieren. Die durch »boundary objects« ermöglichte »Kooperation ohne Konsens« hält Organisationen und Institutionen am Laufen und ruft sie zum Teil sogar erst ins Leben (während das Einklagen von Konsens diesen oft erst gefährdet).

Neben Fragen des Datenschutzes und der Privatsphäre wäre zu klären, inwieweit der Digitale Zwilling reale Objekte und Personen repräsentieren kann und darf.

Hans Sandkühler hält in Kritik der Repräsentation zum methodischen Vorgehen der fMRT in der Hirnforschung u.a. fest:

In neurowissenschaftlichen Experimenten werden nicht mentale repräsentationale Leistungen gemessen, deren physische Basis diese oder jenes individuelle Gehirn ist, sondern physische Prozesse/Zustände eines neurobiotischen Systems. Die Prozesse/Zustände dieses Systems werden aufgrund bestimmter theoriegeleiteter Hypothesen und Erkenntnisziele und mithilfe mathematischer/statistischer Methoden in Bilder/Zeichen transformiert. Die transformierten Daten werden als Repräsentationen interpretiert. Je nach dem gewählten epistemologischen Profil, nach der präferierten Rahmentheorie und dem der Theorie zugehörigen Begriffsschema kommt es – oder kommt es nicht – zu Aussagen über mentale Aktivitäten im Gehirn. Diese ergeben sich aber nicht direkt aus dem experimentell gewonnenen Datenmaterial, sondern sind das Ergebnis von Interpretationen. Die Interpretationen sind an Überzeugungen, Denkstile, Denkgemeinschaften und Wissenskulturen gebunden.

Digitale Zwillinge sind demnach kein vollständiges Abbild des jeweiligen Objektes, sondern eine von mehreren möglichen Interpretationen, die sich mit der Zeit (gesellschaftlicher und technologischer Wandel) ändern können.

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VHS – Eine Kassette revolutioniert die Welt

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Deutsche Digitale Bibliothek: Zeitungsportal (Online-Umfrage)

Key Findings

  • Insgesamt haben 2422 Personen die Umfrage bearbeitet (nach Plausbilitätscheck und Datenbereinigung).
  • 61% der Teilnehmer sind Männer, 37% Frauen.
  • Die größte Altersgruppe der Befragten liegt zwischen 50 – 59 Jahren (27%). Insgesamt waren über 60% der Befragten 50 Jahre und älter.
  • Jeweils ca. ein Drittel der Teilnehmenden recherchiert aus privaten Anlässen, aus beruflichen Anlässen oder beides. Berufliche Nutzer kannten sich generell besser mit den verschiedenen, bestehenden Recherchemöglichkeiten aus.
  • Die hohe Frequenz der Recherche war nicht nur bei den beruflichen Nutzern auffällig: Über ein Drittel der privaten Nutzer recherchiert demnach mehrmals im Monat in historischen Zeitungen. Knapp die Hälfte der privat-motivierten Teilnehmenden recherchiert mindestens mehrmals im Monat, ein Wert der durchaus überrascht. …

Quelle / Link: Deutsche Digitale Bibliothek: Zeitungsportal (Online-Umfrage)

Weitere Informationen:

Aufbau „Deutsches Zeitungsportal“: Was erwarten unsere Nutzer*innen?

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Was heißt „Medien konstruieren Wirklichkeit“?

Es ist rasch zum Lehrbuch-Wissen geworden: „Medien konstruieren Wirklichkeit“. Doch was heißt das? Taten sie dies immer schon? Oder tun sie es immer mehr? Oder gar beides? Von welcher Ebene reden wir? Meint Wirklichkeitskonstruktion einen erkenntnistheoretischen Sachverhalt oder eine bewusste Strategie? Ist es so, dass wir (die Journalisten wie die Rezipienten) gar nicht nicht konstruieren können, oder kann man sich doch für oder gegen die Konstruktion der Wirklichkeit entscheiden?

Quelle / Link: Was heißt „Medien konstruieren Wirklichkeit“? Von einem ontologischen zu einem empirischen Verständnis von Konstruktion

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Public Relations – Manipulation der Masse | Doku | ARTE

Weitere Informationen:

Das neue Propagandazeitalter?

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Dirk Baecker: Elemente einer Medientheorie

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Das Literarische Quartett 04 | 16.12.1988 | Verlage, Bücher, Übersetzungen

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Heldenpathos trifft auf die Realität

Von Ralf Keuper Über die aktuellen Umbaupläne der Deutschen Bank, denen bis zu 18.000 Stellen zum Opfer fallen sollen, berichten die Wirtschaftsredaktionen eifrig. So weit so gut. Allerdings enthalten einige Kommentare deutliche Spuren einer Erzählung, die in der Vergangenheit als Heldenmythos bezeichnet wurde. Um so einen Fall handelt es sich m.E. bei „Held des Rückzugs“: Christian Sewing hat mit der Deutschen Bank Historisches vor von Gabor Steingart. Der Held der Geschichte, Deutsche Bank-Chef Sewing, sei dabei, Historisches, Einmaliges zu leisten. Angesichts der Aufgabe drohe der Held jedoch, sich in eine tragische Figur zu wandeln, so Steingart. Nicht weniger als eine neue Welt beginne nun mit dem strategischen Rückzug der Deutschen Bank. Parallelen glaubt Steingart bei Michael Gorbatschow, Gerald Ford und Dieter Zetsche zu erkennen. Bei historischen Vergleichen geraten mal schnell, insbesondere in den Wirtschaftsredaktionen, die Relationen durcheinander. Den neuesten Kurs der Deutschen Bank mit Glasnost bzw. Perestroika in Verbindung zu bringen – dazu braucht man schon Phantasie. Nüchtern betrachtet, haben wir es bei der Deutschen Bank mit einem Geldhaus zu tun, das seinen Zenit aufgrund hausgemachter Fehler längst überschritten hat. Wer gerade Chef der Deutschen Bank ist, ist, wie allgemein bei Vorständen von Aktiengesellschaften, eher Nebensache. Zum Helden, gleich welcher Lesart, reicht es da jedenfalls nicht. Der Halo-Effekt, bei dem Unternehmen und Personen häufig Eigenschaften zugeschrieben werden, die sich im Lauf der Zeit als Fiktion erweisen, ist in einigen Wirtschaftsredaktionen scheinbar noch immer nicht als solcher erkannt worden. Seine Kenntnis würde den meisten Geschichten ohnehin von vorne herein den Boden entziehen. Bedenklich daran ist indes, dass der Wirtschaftsjournalismus immer noch Probleme damit zu haben scheint, Fiktion und profane Realität auseinander zu halten. Wer geglaubt hat, die jüngsten Skandale und Ereignisse im Journalismus hätten hier zu einem Umdenken geführt, könnte sich getäuscht sehen. Heldenpathos und schlecht konstruierte Geschichten, die bestenfalls ein solides Halbwissen offenbaren, brauchten wir nicht mehr. Crosspost von Bankstil
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Manche Fehler muss man selber machen – Vortrag im Leica Store Wetzlar

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Die Profanisierung der Kulturgüter durch Reproduktion und Information

“Das Allgemeine”, mit dem sich das Publikum kritisch beschäftigt, blieb dem Interpretationsmonopol der kirchlichen und staatlichen Autoritäten nicht nur von der Kanzel herab, vielmehr in Philosophie, Literatur und Kunst auch dann noch vorbehalten, als die Entwicklung des Kapitalismus für bestimmte soziale Kategorien bereits ein an Information und immer mehr Informationen rational orientiertes Verhalten verlangte. In dem Maße aber, in dem die philosophischen und die literarischen Werke, Kunstwerke überhaupt, für den Markt hergestellt und durch ihn vermittelt werden, ähneln sich diese Kulturgüter jener Art Informationen an: als Waren werden sie im Prinzip allgemein zugänglich. Sie bleiben nicht länger Bestandteile der Repräsentation kirchlicher wie höfischer Öffentlichkeit; genau das ist mit dem Verlust ihrer Aura, mit der Profanisierung ihres einst sakramentalen Charakters gemeint. Die Privatleute, denen das Werk als Ware zugänglich wird, profanieren es, indem sie autonom, auf dem Wege der rationalen Verständigung untereinander, seinen Sinn suchen, bereden und damit aussprechen müssen, was eben in der Unausgesprochenheit solange autoritative Kraft hatte entfalten können. “Kunst” und “Kultur” verdanken, wie Raymond Williams nachweist, überhaupt erst dem 18. Jahrhundert ihre moderne Bedeutung einer von der Reproduktion des gesellschaftlichen Lebens abgelösten Sphäre.

Quelle: Der Strukturwandel der Öffentlichkeit, Autor: Jürgen Habermas

 

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