ZDF Stichprobe – Videosysteme 1980 – VHS BETAMAX oder VIDEO 2000

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Am Anfang war das Web | Im Lauf der Zeit | ARTE

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Das harte Los der Experten im Medienzeitalter

Von Ralf Keuper

Der Rat von Experten wird in Krisensituationen besonders gerne von Politikern und Medien gesucht; aus unterschiedlichen Motiven. Die Politik will ihre Entscheidungen durch die Hinzuziehung von Experten mit wissenschaftlichem Anspruch versehen, wohingegen die Medien mehr an der Sensation interessiert sind. Die Medien bzw. Teile davon schreiben den Experten gerne Fähigkeiten und eine Machtfülle zu, die mit der Realität nur wenig zu tun haben. Damit können sie Reaktionen hervorrufen, die für den Experten bedrohliche Ausmaße annehmen. Aktuelles Beispiel ist der Virologe Christian Drosten, der, nachdem er eine E-Mail erhielt, in welcher der Verfasser ihn für den Freitod des hessischen Finanzministers Thomas Schäfer verantwortlich machte, erwägt, die Medien künftig zu meiden1)Virologe Christian Drosten erwägt Rückzug aus Medien nach scharfer Kritik an Corona-Berichterstattung. Das wiederum beflügelt die Medienbranche, die einmal mehr ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen kann; der Beschäftigung mit sich selbst – in der Soziologie auch als selbstreferentiell bezeichnet. In gewisser Weise wiederholt sich hier das bekannte Muster, wonach die Medien den Helden zunächst küren, ihn dann auf die nötige Fallhöhe schreiben, um ihn anschließend in die Tiefe rauschen zu lassen.

Es ist jedoch noch eine andere Interpretation möglich, wie sie Caspar Hirschi in Skandalexperten – Expertenskandale. Zur Geschichte eines Gegenwartsproblems beschreibt. Hirschi sieht bei Expertenskandalen verschiedene Handlungslogiken miteinander kollidieren. Die Handlungslogik wird von den jeweiligen Betrachtungshorizonten der beteiligten Gruppen (Wissenschaftler, Politiker, Journalisten) bestimmt. Die Politiker wollen demonstrieren, dass sie das Heft das Handelns in Händen halten, die Wissenschaftler sind bedacht, ihre Unabhängigkeit und Kompetenz unter Beweis zu stellen und dadurch Einfluss auszuüben, währenddessen die Medien auf der Suche nach der nächsten großen Story sind.

Hirschi schreibt über dieses Spannungsverhältnis, das leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen ist:

Es ist für Machtträger schon lange verlockend, sich bei heiklen Entscheiden hinter Experten zu verstecken, während diese immer wieder versuchten, von der Berater- in die Entscheidungsrolle zu schlüpfen. Solange beide Seiten gewisse Grenzen nicht überschritten, bestand ein labiles Gleichgewicht zwischen politischen Fremdlegitimierungs- und wissenschaftlichen Selbstermächtigungswünschen. Damit war es jedoch vorbei, als politische Entscheidungsprozesse im Zeichen der »Wissensgesellschaft« eine neue Choreographie erhielten. Auf der Ebene der Inszenierung hat die Expertenrolle eine markante Aufwertung erfahren. »Wissensbasiertes« Handeln meint im politischen Jargon »expertengestütztes« Handeln. Zugleich haben die Experten als Exponenten der Wissensgesellschaft an medialer Präsenz gewonnen.

Mit der medialen Präsenz kommen einige Wissenschaftler, vor allem aus der Soziologie und Ökonomie (Nassehi, Bude, Sinn etc.) gut zurecht. Sie suchen sie sogar, oder lassen sich gerne finden. Anders verhält es sich da schon bei Wissenschaftlern, die ihr Berufsleben zu weiten Teilen in Labors und wissenschaftlichen Kongressen zugebracht haben. Mit einem Mal stehen sie im Rampenlicht der medialen Öffentlichkeit. Allzu häufig verleitet das zu der Annahme, die Experten hätten mit ihrer medialen Präsenz an Einfluss gewonnen:

Das dürfte sich als Trugschluss erweisen. Experten sind weniger denn je Herren der Verfahren, in denen sie mitwirken. Man könnte sogar sagen: Anstatt nur einer arbeiten sie nun zwei Instanzen zu, der Politik und den Medien. Dadurch geraten sie leichter zwischen Hammer und Amboss und werden anfälliger für Manipulationen. Wenn ihre Empfehlungen publiziert oder sogar live gesendet werden, müssen sie ihre Worte auf die Goldwaage legen, und vieles von dem, was sie zuvor in formellen Verfahren zum Ausdruck bringen konnten, dürfen sie nicht mehr kundtun. Regierungspolitiker haben umgekehrt noch mehr Anlass als zuvor, ihren Experten vorgängig zu vermitteln, welche Empfehlungen erwünscht sind und welche nicht.

In einer akuten Krise, wie der aktuellen Corona-Epidemie, sind Vertreter der Naturwissenschaften, noch dazu wenn sie aus Orchideenfächern kommen, besonders gefährdet, Opfer dieses Dilemmas zu werden. Ein Soziologe kann sich im Grunde, wie Heinz Bude oder Armin Nassehi, zu jeder Krise äußern – nur: wenn kümmert es? Bei Virologen, die zu Vorgängen befragt werden, die in ihre fachliche Zuständigkeit fallen und unzählige Menschenleben direkt betreffen, ist das anders. Hier hört und sieht man genauer hin – mit allen Vor- und Nachteilen für den Experten.

References   [ + ]

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Medien und Corona #1

Von Ralf Keuper

Anbei eine Aufstellung von Beiträgen, die sich mit den Auswirkungen von Corona auf die Medienbranche beschäftigen: 

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Frank Rausch: Die neue Typografie

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Lineares Fernsehen verwendet veralteten Schaltplan

Von Ralf Keuper

Die zunehmende Verbreitung von Streaming-Diensten  sorgt unter Vertretern der klassischen Medien verständlicherweise für Unbehagen. Streaming-Plattformen seien Energiefresser und überdies ein weiteres Beispiel dafür, wie sehr unsere Alltagsgewohnheiten von neoliberalen Prinzipien, wie dem Individualismus, durchdrungen werden (Vgl. dazu: Streaming: Der letzte Triumph des Neoliberalismus?). Was ist an Individualismus schlecht? Sollen wir uns wirklich die Zeiten zurückwünschen, als Sendungen wie der Blaue Bock noch Grundpfeiler des “zwangsunionierten Familienlebens” waren? Drohen die Menschen, wenn sie nicht mehr von einigen wenigen öffentlich-rechtlichen Sendern mit Sendungen zu festen Zeiten versorgt werden, sich der Kontrolle zu entziehen? Werden sie gar aufmüpfig und unberechenbar? Bedürfen sie der ständigen Erziehung bzw. der Betreuung? Sie sollen weiterhin stumm vor dem Fernseher sitzen, die Füße still halten, brav die Beiträge zahlen und gefälligst dankbar sein.

Eher ist es wohl so, dass die klassischen Medien einen, wie Vilém Flusser sagen würde, veralteten Schaltplan anwenden. Ihr Modus ist nach wie vor die Verbündelung:

Die Massenmedien senden Bündel von Informationen an Empfänger, die darauf nicht direkt antworten können und damit in gewisser Weise als unmündig betrachtet werden. Die Vernetzung dagegen erschafft kleine Inseln der Kommunikation. Hier verläuft die Kommunikation anders – direkt vom Sender zum Empfänger und zurück. Im besten Fall ein Dialog also.

Die Vernetzung funktioniert dagegen nach anderen Prinzipien:

Die informatische Revolution strukturiert die informatische Lage um, genauer: Sie baut den öffentlichen Raum ab. Die Informationen drängen jetzt in den Privatraum, um dort empfangen zu werden. Geschäfte, Banken, Schulen, Kinos und alle übrigen öffentlichen Orte werden von den neuen Technologien ausgeschaltet. Die Sender der Informationen müssen dank dieser Technologien nicht mehr publizieren, sondern sie können durch verzweigte Kanäle ihre Informationen an die einzelnen Empfänger verteilen lassen. Wo bisher der öffentliche Raum, der Stadtplatz, das Forum offenstand, werden in naher Zukunft strahlenförmig und netzförmig strukturierte Kanäle liegen. Die Menschen werden an den Ausgängen dieser Kanäle sitzen, um Informationen zu empfangen und zu senden (in: Medienkultur)

Die öffentlich-rechtlichen Sender sind vollauf kompatibel mit den neoliberalen Prinzipien; man schaue nur auf wie Werbeeinnahmen und die Quotenfixierung. Insofern ist der Gegensatz non-lineares Fernsehen – lineares Fernsehen konstruiert. Die Qualität der meisten Sendungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ist nun wirklich nicht dazu angetan, bei den Zuschauern Trennungsängste hervorzurufen. Sicher – das lineare Fernsehen hat durchaus seine Vorzüge, und die Sendungen von arte und vieler Dritter Programme sind qualitativ hochwertig. Sie sollten nicht verschwinden. Diese Aussage trifft auf Formate wie Traumschiff, die Helene Fischer-Show, Comedy-Shows oder Talk Shows in weit geringerem Maße zu. Das können die privaten Sender genauso gut oder schlecht.

Es geht hier weniger um Neoliberalismus oder Energiefragen, sondern eher um Fragen der Besitzstandswahrung. Die Medienwandel wird dafür sorgen, dass alle Bestrebungen in dieser Richtung vergeblich sind.

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Asterix und Co: Comics von René Goscinny | Doku | ARTE

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“Die Netflix-Revolution. Wie Streaming unser Leben verändert” von Oliver Schütte

Von Ralf Keuper

Immer mehr Zuschauer nutzen das Filmangebot von Netflix, Amazon und weiterer Streaming-Plattformen. Das alte klassische, lineare Fernsehen befindet sich dagegen auf dem Rückzug (Vgl. dazu: Das lineare Fernsehen ist in zehn Jahren tot – glauben viele junge Erwachsene & Das Endspiel des linearen Fernsehens hat begonnen & Studie: Streaming wird drastische Folgen für TV-Sender haben). Dieser tiefgreifende Wandel der Medienlandschaft begann spätestens mit dem Kauf von YouTube durch Google. Der Pionier der Branche ist jedoch Reed Hastings, Gründer von Netflix. Kein anderes Unternehmen hat die Seh- und Kaufgewohnheiten der Zuschauer in den letzten Jahren so beeinflusst wie das Unternehmen aus dem kalifornischen Los Altos. Netflix ist damit der prominenteste Treiber der Streaming-Revolution, wie Oliver Schütte in Die Netflix-Revolution. Wie Streaming unser Leben verändert darlegt.

Mittlerweile drängen auch andere Konzerne in den lukrativen Markt, wie Disney mit Disney+, Apple mit Apple TV+ und Warner mit HBO Max. Disney und Warner haben den Vorteil, dass sie auf einem großen Filmbestand zurückgreifen können. Netflix bekommt den Einstieg der neuen Akteure durch den Auslauf der Lizenzvereinbarungen für Filme von Warner und Disney zu spüren. Mit seinen Eigenproduktionen kann Netflix die Lücke zumindest in Teilen schließen. Europäische Anbieter wie Bertelsmann/RTL, die sich überwiegend dem linearen Fernsehen verbunden fühlen, hinken der Entwicklung weit hinterher. RTL plant den Aufbau eigener Streamingplattformen, wie mit TV Now (Vgl. dazu: Mehr Exklusiv-Inhalte: So will RTL seine Streaming-Plattform ausbauen). Dennoch geht Schütte davon aus, dass RTL versuchen wird, die Serien und Produktionen seiner linearen Sender (RTL, RTL II und Vox) auf der Plattform zu verwerten. Da die Kosten für einigermaßen hochwertige exklusive Eigenproduktionen auf TV Now zu hoch sind, werde RTL diese zunächst auf dem eigenen Pay-TV-Sender RTL Crime und später im frei zugänglichen RTL-Programm verwerten (Vgl. dazu: RTL will sein Streamingangebot weiter ausbauen). Der Aufbau einer gemeinsamen europäischen Streamingplattform durch die öffentlich-rechtlichen Sender soll nach den Vorstellungen des ZDF und der ARD ein Gegengewicht zu YouTube schaffen. Dabei wird gerne auf das Beispiel des Airbus verwiesen. Demgegenüber gibt Schütte zu bedenken:

Wer um die schwierigen Entscheidungswege in einem solch komplizierten Konstrukt weiß, wird ahnen, dass es mindestens zehn Jahre dauern wird, bevor die Vision Realität wird – wenn es überhaupt zu einer Gründung kommen sollte. Ein sehr langer Zeitraum in einer Branche, die sich gerade im eigenen gewaltigen Umbruch befindet und in der innerhalb eines Jahres drei große amerikanische Akteure den Markt betreten.

Der Erfolg von Netflix & Co. verdankt sich nicht nur technologischen Faktoren, sondern hat seine Ursache auch in modernen Produktions- und Managementmethoden. Beispielhaft dafür ist die Rolle des Showrunners, die ursprünglich von NBC eingeführt und von HBO verfeinert wurde. Der Showrunner trägt die Verantwortung für eine ganze Serie. Die Stoffe werden dabei in einem Writer’s Room von mehreren Autoren unter Anleitung des Showrunners entwickelt. Der Showrunner selber verfasst häufig nur zwei oder drei Episoden. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit besteht darin, den Stil der Serie festzulegen und zu überwachen. Die Regisseure haben sich daran zu halten. Bekanntes Beispiel eines Showrunners ist David Weiner, Erfinder und Showrunner von Mad Men. Zwar arbeiten auch die deutschen Sender inzwischen mit der Rolle des Showrunners, wobei dessen Autonomie jedoch umgangen wird:

In Deutschland ist es allerdings unmöglich, dass nicht die Regisseure und Redakteure der Sender den Hut aufhaben. Die Strukturen haben sich in den letzten Jahren so verfestigt, dass eine Änderung nur sehr schwer durchzusetzen ist. Darum wird die neue Arbeitsweise in Wirklichkeit bei uns nur halbherzig durchgesetzt.

Schütte ist der Ansicht, dass das Streaming die Individualisierung verstärken werde. Das Gemeinschaftserlebnis, wie sie das lineare Fernsehen in seinen Hochzeiten noch zu vermitteln verstand, wird zur Ausnahme. Davon betroffen sind vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender.

Obwohl wir in Zukunft in einem globalen Filmdorf leben werden, bedeutet das nicht, dass alle Zuschauer dieselben Vorlieben teilen. Es werden, so Schütte, sog. “Taste Communities” entstehen, d.h. weltumspannende Gemeinschaften, die sich durch ihren Geschmack definieren. Kurzum:

Mit den Streamingplattformen werden wir alle in unterschiedlichen globalen Dörfern leben, die vor allem vom Algorithmus der Streamingdienste bestimmt werden.

Der Einsatz von KI und Big Data führt nach Ansicht von Schütte dazu, dass wir unsere Wahlfreiheit einbüßen – so wie im alten linearen Fernsehen, wo die Sendeanstalten darüber bestimmten, was wir wann zu sehen bekommen. Bei allen Vorteilen, die Streamingplattformen uns bieten, sollten wir uns nicht in die passive Rolle drängen lassen, so Schütte. Wir müssten die Kontrolle behalten.

Wie das genau geschehen soll, sagt Schütte nicht. Trotz dieses Mankos ist das Buch sehr zu empfehlen.

Weitere Informationen:

Wie Streaming in den 2010er Jahren alles veränderte

The Truth Behind Netflix’s Incredible Success

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Das Ethos des Rundfunks (Adolf Grimme)

Im Wirtschaftlichen erwartet der Hörer, dass jene 20 Groschen, die er sich jeden Monat abspart, sinnvoll verwendet werden, dass also Wirtschaftlichkeit und Darbietung im gesunden Verhältnis zueinander stehen. Was er erwarten sollte, ist, dass Qualität wirtschaftlich dargeboten wird.

Vom Programmatischen her gesehen, heisst das: erwarten, dass der Rundfunk den Willen zur Qualität besitzt und damit bereit ist, dies eine oder beiden Grundgesetze des Rundfunks als eines kulturellen Instruments zu respektieren. Es wird freilich dieser Wille zum Niveau nicht stets den Majoritätsgeschmack auf seiner Seite haben. Der Rundfunk darf deshalb, wenn er dieser seiner Sendung als Erzieher zum Qualitätsgefühl treu bleiben will, nicht der verführerischen Jagd nach Popularität verfallen. Wer gewillt ist, das Beste im Menschen anzusprechen, muss nun einmal zugleich den Mut zur Unpopularität besitzen.  …

…, denn wenn der Rundfunk, um nur das zu nennen, das politische Geschehen kommentiert, dann kommentieren dies Geschehen Menschen, und je stärker diese Menschen Persönlichkeiten aus eigenem Wuchs sind, wie wir sie wünschen, um so profilierter ist auch politisch ihr eigenes Gesicht; damit aber steht die Besorgnis auf, dass ihr eigenes hohes Ethos des Willens zum Standpunkt über den Parteien umschlägt in die unbewusste Propaganda für ein eigenes, organisatorisch nicht zu greifendes Parteigebilde. Dann wäre die Überparteilichkeit nichts anderes geworden als eine von niemandem gewählte und darum niemand gegenüber verantwortliche, wenn Sie so wollen, eine Hauspartei des Rundfunks. …

Quelle: Das Ethos des Rundfunks (online abrufbar)

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Weihnacht (Rainer Maria Rilke)

Die Winterstürme durchdringen
Die Welt mit wütender Macht. –
Da – – sinkt auf schneeigen Schwingen
Die tannenduftende Nacht…

Da schwebt beim Scheine der Kerzen
Ganz leis nur, kaum, daß du’s meinst,
durch arme irrende Herzen
der Glaube – ganz so wie einst…

Da schimmern im Auge Tränen,
du fliehst die Freude – und weinst,
der Kindheit gedenkst du mit Sehnen,
oh, wär es noch so wie einst!…

Du weinst!… die Glocken erklingen –
Es sinkt in festlicher Pracht
Herab auf schneeigen Schwingen
Die tannenduftende Nacht.

(Rainer Maria Rilke, 1875-1926, österreichischer Schriftsteller, Dichter)

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