Von Ralf Keuper
Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass Facebook der neue Gatekeeper für Nachrichten ist. Daneben gibt es jedoch Stimmen, die Apple und Google als die größte Bedrohung für den Journalismus wie überhaupt für die Medienbranche bezeichnen.
Für Facebook sprechen mehr als 1 Milliarde Nutzer, die eine Reichweite repräsentieren, die in den sozialen Netzwerken ihresgleichen sucht. 
Der Nachrichtenfluss verläuft heute im großen Ausmaß über soziale Netzwerke wie facebook und twitter. Dass Nutzer direkt die Seiten von Zeitungen oder Zeitschriften aufsuchen, ist die Ausnahme. Was nicht auf Facebook auftaucht, existiert quasi nicht – fatal in Zeiten der Aufmerksamkeitsökonomie
Die Zahl der Kritiker, die Facebook als eine Bedrohung für den Journalismus bezeichnen, nimmt daher zu, wie Jess Bolluyt in dem Beitrag Does Facebook Have Too Much Control Over the News We Read? Darin bezieht er sich auf den Artikel How Facebook Is Changing the Way Its Users Consum Journalism von Ravi Somaiya, der nur wenige Tage zuvor erschien. 
Für besonders problematisch halten sowohl Bolluyt wie auch Somaiya facbeooks News Feed Algorithmus. Dieser sorgt dafür, dass Nachrichten besonders hoch gewichtet werden, die ein großes Engagement der Nutzer auf Facebook versprechen. Damit bestimmt Facebook zumindest indirekt, was gelesen, kommentiert und weiter verbreitet wird. 
Als weitere wichtige und vertrauenswürdige Nachrichtenquellen fungieren die Facebook-Freunde. 
Ein anderer Algorithmus (oder Erweiterung des News Feed Algorithmus), der im Hintergrund dafür sorgt, dass das Interesse und Engagement der Nutzer auf facebook nicht nachlässt, ist der für die Auswahl der Trending Topics zuständige. Um von der Aufmerksamkeit der Trending topics zu profitieren, hält Facebook die Verleger und Medienproduzenten an, eigene Beiträge zu den angesagtesten Themen zu verfassen. Hier übt facebook großen Einfluss auf die Produktion von Medieninhalten aus. Je mehr Verlage und Journalisten dem Wunsch von Facebook nachkommen, um so mehr, so die Kritiker, werde nur noch Inhalt und kein (Qualitäts-)Journalismus mehr produziert. Kritische oder differenzierte Beiträge finden keine Beachtung. In gewisser Weise behindern sie den Nachrichtenfluss bzw. das Engagement der Nutzer. Das führt irgendwann dazu, dass nur noch Beiträge erstellt und verbreitet werden, die den breiten Konsens, wie immer der konkret aussehen mag, unterstützen. Keine Ecken und Kanten mehr. 
Auf der anderen Seite tauchen immer wieder Studien und Artikel auf, die von einem geringen Vertrauen der Leser und Nutzer gegenüber Digital Media Startups sowie Newsaggregatoren, wie Google und Yahoo (Facebook wird nicht erwähnt), berichten. Sowohl was den Bekanntheitsgrad als auch was die Vertrauenswürdigkeit betrifft, rangieren in den USA die klassischen Medienkonzerne und Verlage wie CNN, ABC und USA Today deutlich vor Google, Yahoo oder Buzzfeed. Ebenfalls nicht sonderlich gut schneidet Huffington ab. 
Dazu steht, jedenfalls in Deutschland, das Vorgehen einiger Verlage beim Leistungsschutzrecht im Widerspruch. 
Auch der eingangs erwähnte Jess Bolluyt räumt ein, dass die Menschen sich im Internet verschiedener Informationsquellen bedienen und man daher den Einfluss von Facebook nicht dramatisieren sollte. Von einer Filterblase, so schrieb auch die SZ kürzlich, könne keine Rede sein. Der Beitrag bezieht sich auf die Studie How Social Media Reduces Mass Political Polarization.Evidence from Germany, Spain, and the U.S., die ein Doktorand an der New York University durchgeführt hat. Allerdings beschränkte er sich in seiner Untersuchung auf twitter. Auf Facebook könnte die Sache anders aussehen, so die SZ unter Berufung auf einen Selbstversuch von Wired Autor Mat Honen
Damit wären wir wieder beim Anfang. 
Die Anzeichen verdichten sich, dass sich in der Medienbranche eine Machtverschiebung vollzieht. Verlage und Medienhäuser kämpfen um die Aufmerksamkeit der Leser und damit zwangsläufig um die Gunst der sozialen Netzwerke wie Facebook. Führt man sich dann noch die Aktionen anderer Internet- wie auch der E-Commerce-Konzerne vor Augen, steht der Branche noch ein tiefgreifender Wandel bevor.

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