Klatschjournalismus – Fragment einer adligen Kultur in der bürgerlichen Gesellschaft

Klatschjournalismus boomt. Gab es 1993 an den Kiosken in Deutschland gerade einmal 13 Zeitschriften, die ihr Millionenpublikum mit exklusiven Geschichten aus dem Privatleben der Prominenten lockten, waren es im Jahr 2009 bereits 37 Titel. Hinzu kommen die Kolumnen der lokalen Tageszeitungen und die Boulevardzeitungen, die in der Regel über ein eigenes Show-Ressort verfügen und Klatschthemen oft für Schlagzeilen nutzen. Nicht nur das: Auch das Angebot neuer Medien und der Wandel etablierter Medien zeigt Auswirkungen auf die zunehmende Verbreitung von Klatsch im Journalismus. Es gibt Klatschmagazine im Fernsehen und Promibeiträge im Hörfunk. Wobei hier durchaus hinterfragt werden muss, ob ein Interview mit einem Prominenten, der bei einer Plattenfirma unter Vertrag ist, die gleichzeitig Mitinhaber eines Radiosenders ist, in dem das Interview gesendet wird, wirklich als Klatschjournalismus zu bewerten ist, oder ob es sich hier nicht vielmehr um PR handelt. Die gleiche kritische Frage gilt für die Synergieketten der TV-Sender, etwa das nette, gerne ins Private führende Geplauder eines Schauspielers in einer der Freitagabend-Talkrunden des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, wo auch sein neuester Film ausgestrahlt wird. Im Internet gibt es Blogs und Kolumnen sowie soziale Netzwerke, die nicht nur Bloggern zur Verbreitung von Klatschnachrichten dienen, sondern die einige Prominente selbst als Verlautbarungsmedien nutzen. …

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