Bertelsmann hinkt der Entwicklung auf den weltweiten Medienmärkten weiter hinterher

Von Ralf Keuper

Die aktuellen Zahlen, die Bertelsmann gestern der Öffentlichkeit vorgestellt hat, sorgten in der leidgeprüften Zeitungsbranche für neue Hoffnung. Bertelsmann sei auf einem guten Weg, die analoge mit der digitalen Welt zu verbinden, wie das Westfalen Blatt in seinem Kommentar festzustellen glaubt. Zwar seien Netflix, Amazon und jetzt auch Apple ernstzunehmende Mitbewerber auf dem Markt für das Streaming von Filmen, jedoch bestünde für RTL die Chance, auf diesem Markt Fuss zu fassen. Da ist “Medienkommissar” Hans-Peter Siebenhaar nicht so zuversichtlich. In Das Endspiel des linearen Fernsehens hat begonnen schreibt er:

Amazon, Netflix, Apple, Disney und Co. haben den gesamten Fernsehmarkt erobert. Alle Stufen der Verwertungskette – von der Produktion bis zum Vertrieb auf allen Plattformen – sind in ihrer Hand.

Und sie herrschen allein über die direkten Kundenbeziehungen und damit über die Daten. Mit ihren Produktionen nehmen sie sogar auf lokale und regionale Geschmäcker Rücksicht. Die Wettbewerbshüter waren in diesem Szenario zu schwach, das Oligopol aus den USA noch zu stoppen.

Und weiter:

Ein Ende der Abkehr vom linearen Fernsehen bei den jungen Zielgruppen ist nicht zu erkennen. Damit wächst von Jahr zu Jahr das strategische Zukunftsproblem für RTL und Pro Sieben Sat. 1, die noch immer ihren Hauptumsatz aus dem Werbegeschäft mit ihren linearen Sendern machen.

Sollte die beschriebene Entwicklung anhalten, neigen sich die Zeiten, in denen RTL die Cash Cow des Bertelsmann-Konzerns war, dem Ende entgegen, wie es zuvor bei G+J der Fall war. Anders als die Zeitungshäuser und selbst die Medienkonzerne anzunehmen scheinen, liegen die wahren “Synergien” weniger in der Kombination von analogen und digitalen Inhalten, sondern in der Verbindung von Medien, Payments, Digitalen Identitäten (Paradebeispiel ist Apple) und natürlich der entsprechenden Reichweite. Bei Apple und Google kommt noch hinzu, dass die Konzerne mit ihren digitalen Ökosystemen, bestehend aus Betriebssystemen, Hardware (Smartphones, Tablet-PCs), Inhalten, Finanzkraft, ihrem Zugriff auf riesige Datenströme und durch die Beherrschung der Distributionskanäle/Verwertungsstufen eine Stellung erreicht haben, welche die alten Medienkonzerne nicht mehr erreichen können – weder technologisch noch finanziell – da helfen keine Kooperationen und auch keine Upload-Filter mehr.

Crosspost von Westfalenlob

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Das Mittelalter der Populärkultur. Medien – Designs – Mytheme

Diese Arbeit handelt vom Mittelalter der Populärkultur. Mit „Mittelalter“ ist hier zunächst die Vorstellung eines Zeitabschnitts der vornehmlich europäisch gedachten Vergangenheit gemeint. Unter Populärkultur werden Erzeugnisse und Prozesse der gegenwärtigen Welt verstanden, die in einer Gesellschaft entstehen, konsumiert werden und vorwiegend der Unterhaltung dienen. Natürlich haben beide Begriffe noch tiefergehende Bedeutungen, die sich im Laufe der Arbeit entwickeln werden. … Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, wie und welche Überzeugungen von Mittelalter mediale Produkte bilden können. Das Vorgehen ist dabei im Prinzip ein diskursanalytisches, da der (Mittelalter-)Diskurs subjektives wie kollektives Bewusstsein (von Mittelalter) formiert und somit Macht ausübt. .. Die Diskursebene umfasst populäre fiktionale Produkte der Medien Film, Roman und Videospiel und zwar aus den ersten zehn Jahren des 21. Jahrhunderts.

Quelle / Link: Das Mittelalter der Populärkultur. Medien – Designs – Mytheme

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Thomas Huber liest „Zeitung“ von Theodor Fontane

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Die Ursprünge des deutschen Meinungsjournalismus im 19. Jahrhundert

Die Journalisten identifizierten sich gern mit der Aufgabe der Presse, zu sagen, “was in allen Gemüthern treibt und drängt”, “worüber alle einverstanden sind”, als “Stimmführer” des Volkes zu fungieren und anerkannt zu werden, nicht “knechtisch” nur Tatsachen zu erzählen, sondern zu urteilen – wie Görres 1814 meinte; hier wird die Parteimeinung und das Allgemeine, was alle denken sollen, noch unbedenklich in eins gesetzt. Dieser Anspruch bestimmt auch den Typus des Journalisten, wie er mit dem “philosophisch-politischen Journalismus” nach 1830 vordrängt. Das Leben und die Literatur und andere Bereiche mehr werden politisiert, den philosophisch-politischen Normen unterstellt; ..

Die Presse sei das “Organ des Gesprächs der Zeit mit sich selbst”, meinte der Jungdeutsche Robert Prutz, die Tagesschriftstellerei appellierte von der vorhandenen “beschränkten” Meinung an die “unbeschränkte” gebildete Meinung, an die Diskussion – und man war noch liberal überzeugt, dass Demagogie und Lüge in solchen Diskussionen verschwinden würden, dass sich das “wahre” Allgemeine herausstellen werde. Aber der Meinungsjournalismus war auch der Versuch, Ideen zu propagieren und Anhänger zu werben. Jedenfalls waren Parteinahme, Urteil, kritische Reflexion für den Journalisten typischer als Berichterstattung und Information; die veröffentlichte Meinung war darum mit der öffentlichen Meinung nur zum Teil identisch; bestimmte Realitäten, wie das Land oder das katholische Volk, waren fast ausgeblendet, andere -wie die kirchlichen Aufklärungsgruppen der 40er Jahre – überbelichtet. Nach 1848 gewinnt dann der neue Realismus – gegen philosophische Doktrinen und die Übermacht der kritischen Reflexion – , gewinnt das Faktum an Gewicht. Erst eine Zeitung, die die Wirklichkeit spiegelt, kann, so denkt man, wirklich eine realistische politische Meinung bilden.

Quelle: Deutsche Geschichte 1800-1866. Bürgerwelt und starker Staat, Autor: Thomas Nipperdey

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St.Galler Zentrum für das Buch | Nachlass Jan Tschichold

Weitere Informationen:

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Die Einflüsterungen der “Experten”

Prognosen sind also oft nichts als Kaffeesatzleserei. Dennoch zitieren die Medien sie gerne, denn Prognosen und ihre Verkünder kosten keine eigene Arbeitszeit, klingen seriös und passen immer irgendwo rein. Dass viele Menschen ihre Lebensentscheidungen danach ausrichten, interessiert nicht. …

Mit ihren Prognosen und Horrorszenarien zielen die Einflüsterer auf unsere größte Schwachstelle, nämlich unseren über die Jahrzehnte eingetrichterten Drang nach Sicherheit. Schon jungen Leuten flüstert die Werbung ein, sie sollten beizeiten an Bauspar- und Versicherungsverträge denken, Sicherheit sei “hip”. Genauso sehen diese Jungen Leute dann auch aus: angepasst, stromlinienförmig. Fähig zur Teamarbeit, aber unfähig zu individuellem Denken und Handeln.

Sicherheit ist ein Irrglaube. Sicherheit tötet die Ungewissheit, aus der überhaupt erst Chancen entstehen. Sicherheit ist wie Angst. Sie hält durchaus zu Größerem geborene Menschen klein. Sicherheit ist der eigentliche Bremsklotz unserer Wirtschaft. Jeder Autohersteller, jeder Getränkeproduzent, jeder Bulettenbrater, sie alle beschäftigen Marktforscher, die auf den Zehntelprozentpunkt genau Chancen und Risiken neuer Produkte und Dienstleistungen vorhersagen sollen. Die Folge: Deutschland wird immer zaudernder, will nur mehr auf Sicherheit gehen. …

Kaum einer traut sich mehr etwas, es könnte ja schiefgehen. Das Fernsehen zeigt bevorzugt die immer gleichen Sendungen, und die Konkurrenzsender kupfern davon ab: Hat beim Konkurrenten funktioniert, könnte bei uns genauso gut klappen. Für teures Geld kaufen unsere Fernseh-“Macher” dann Plastikprogramme aus dem Ausland ein, während die Kreativen im Lande wie Schmeißfliegen behandelt werden. ..

Die Zeitungsverlage beklagen massiven Umsatzrückgang und Auflagenverlust. Da kann man nur sagen: Schlagt sie doch mal auf, eure Zeitungen und Magazine! Würdet ihr dreifuffzich dafür zahlen, einen blanken Fünfer? Ihr habt zu lange euren Einflüsterern geglaubt, euren Beratern und Marktforschern, den McKinseys und Roland Bergers. Selber denken, wo immer möglich, kostet weniger und hebt Auflage und Ansehen.

Quelle: Die Einflüsterer, Autor: Klaus Norbert

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Es war einmal ein SPIEGEL, oder: Der Beginn des “Stimmungsjournalismus”

Die Skandale (Flick, Neue Heimat, Coop, Barschel), die das Blatt enthüllte, sind Legende. In seinem Gefolge zählten Stern und Zeit zur “Hamburger Kampfpresse”. Aber da war auch noch Bonn der Regierungssitz der Republik. Spätestens mit dem Wechsel des Kanzleramts nach Berlin aber waren an der Spitze des politischen Journalismus Klimaveränderungen spürbar, ja, es kam zu Erwärmungen, die schadvoll sind. …

Sicher, die Rahmenbedingungen des politischen Lebens haben sich geändert. Mit der Zahl der Medien (Fernsehen, Radio, Online) stieg die Zahl der Journalisten, die an den Wegstrecken zwischen Ministerien, Kanzleramt und Parlament irgendwelche News ergatttern wollen. Bei jedem hingehaltenen Mikrofon findet sich jemand, der ein paar gewünschte Sätze sagt, die schnell zur Agenturnachricht durchgereicht werden, die wiederum sofort dementiert wird. Un alle haben zu schreiben und zu senden. Auch haben Gruppen von PR-Experten eine ganz neue Bedeutung erlangt, die Informationen zielgenau in Kanäle einspeisen. So entstehen Tagesthemen und Kampagnen nach Maß und Parteien.

Augsteins Vermächtnis war, sich solchem Stimmungsjournalismus zu verweigern; nicht auf die pawlowschen Reflexe der Publizistik zu achten, sondern sich eigenständig eine Meinung zu bilden; unbequem zu sein, und sei es am Katzentisch – nicht aber bei Hofe an Königs Seite mitzusäuseln. …

Mitspieler treten heute auf, wo Altvordere wie Augstein sich noch als Gegenspieler begriffen. Was Kritikern immer wieder auffällt, ist zudem das offensichtliche Zusammenspiel von Medien wie SPIEGEL, Frankfurter Allgemeine und Bild – Medien also, die früher zueinander Distanz hielten. Da gab es noch Linksliberale und Rechtskonservative. Heute pflegen die Chefredakteure den kooperativen Stil. “Sie verabscheuen sich wie die Pest, aber sie schützen sich wie Chefärzte”, schrieb die taz jüngst zum 60. SPIEGEL-Jubiläum.

Quelle: Es war einmal ein Spiegel, Süddeutsche Zeitung vom 9.01.2007, Autor: Hans-Jürgen Jakobs

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Hergé: Abenteuer mit Tim und Struppi | Doku | ARTE

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