Holografisches Prinzip

Wenn Sie mit einer VR-Brille durch beeindruckende virtuelle Landschaften marschieren, sehen Sie einen dreidimensionalen Raum – doch dieser wird von zwei flachen Bildschirmen vor Ihren Augen aufgespannt. Allgemein bezeichnet man als das “holografisches Prinzip” einen Zusammenhang zwischen einer räumlichen Struktur und von deren Äquivalent auf einer Fläche.

Das Prinzip lässt sich zum Beispiel einsetzen, um das Informations-Paradoxon des Schwarzen Loches zu lösen, das gegen den Determinismus verstößt, ein fundamentales Prinzip der Quantentheorie. Wenn wir eine komplette Beschreibung aller Eigenschaften eines Objekts zu einer bestimmten Zeit besitzen, müssten wir demnach herausfinden können, wie es sich kurz zuvor verhalten hat.

Wenn diese Information jedoch zerstört wurde – und genau das, wies Stephen Hawking nach, passiert im Schwarzen Loch – ist das nicht mehr möglich. Es sei denn, die Informationen wären irgendwie in der Fläche des Ereignishorizonts kodiert. Damit wären die räumlichen Entsprechungen zuvor nie etwas anderes als Hologramme gewesen (Quelle: Die Welt als Hologramm).

Die dreidimensionale, normale Erfahrungswelt – das mit Galaxien, Sternen, Planeten, Häusern, Steinen und Menschen gefüllte Universum – ist ein Hologramm, ein Abbild der Realität, das auf einer fernen, zweidimensionalen Fläche kodiert ist. Dieses neue Gesetz der Physik, das Holografische Prinzip, behauptet, dass alles, was sich in einer Raumregion befindet, beschrieben werden kann durch Bits der Information, die auf den Rand beschränkt ist. …

Das holografische Prinzip weicht schockierend von allem ab, was wir bisher gewohnt waren. Dass die Information über das Volumen des Raums verteilt ist, erscheint so intuitiv, dass man kaum zu glauben vermag, dass es falsch sein könnte. Doch die Welt ist nicht gevoxelt, sie ist gepixelt, und die gesamte Information ist am Rand des Raums gespeichert (Leonard Susskind: Der Krieg um das Schwarze Loch. Wie ich mit Stephen Hawking um die Rettung der Quantenmechanik rang).

 

Veröffentlicht unter Medienwissenschaften | Hinterlasse einen Kommentar

Kodachrome (Film)

Weitere Informationen:

Netflix-Roadmovie “Kodachrome”: Das wird sein letzter Film

Veröffentlicht unter Mediengeschichte, Medienträger, Medienwandel | Hinterlasse einen Kommentar

Walter Benjamin – Inventar eines Jahrhunderts – Prof. Dr. Burkhardt Lindner über das Passagen – Werk

Veröffentlicht unter Medienindustrie, Medienkritik, Medienwissenschaften | Hinterlasse einen Kommentar

Your north is my south – Ausstellung im Museum für Neue Kunst Freiburg

… In einem gemeinsamen Ausstellungsprojekt spüren das Freiburger Museum für Neue Kunst und La Kunsthalle – Centre d’art contemporain Mulhouse der Frage nach, wie Räume die Wahrnehmung beeinflussen. Freiburg widmet sich dabei Orten, die keine geografische Lage haben, wie der virtuelle Raum. Denn ein Großteil der Weltbevölkerung bewegt sich täglich im Internet. Das Netz ermöglicht es, global zu agieren und zu kommunizieren. In kürzester Zeit verbreiten sich Informationen über Landesgrenzen hinweg. Doch wie sieht dieses „Neuland“ eigentlich aus? Welche Macht lässt sich darüber ausüben? Und welche Konsequenzen hat es für die Realität? (Your north is my south – Ausstellung im Museum für Neue Kunst Freiburg).

Weitere Informationen:

Ausstellung im Freiburger Museum für Neue Kunst beschäftigt sich mit der digitalen Welt.

Veröffentlicht unter Medienkunst, Medienwandel | Hinterlasse einen Kommentar

Das Ende der vierten Gewalt? (Sternstunde Philosophie)

Veröffentlicht unter Mediengeschichte, Medienwandel | Hinterlasse einen Kommentar

Das spezifisch deutsche am deutschen Film

Auszug aus einem Interview mit der Regisseurin Emily Atef in der FAZ vom 11.04.18 (“Mich reizen existenzielle Geschichten”):

Frage: Was empfinden Sie als spezifisch deutsch am deutschen Film?

Antwort: Dass man einen Fernsehsender braucht, wenn man einen Kinofilm drehen will, um an Fördermittel zu kommen. Ich bin glücklich, wenn ein Sender mich finanziell unterstützen und den Film im Fernsehen zeigen will, aber der Sender will natürlich Einfluss auf den Film nehmen, damit er im Fernsehen Quote bringt. Aber das Kino hat eine andere Erzählstruktur. Was glauben Sie, was ich für Gespräche führen musste, um schwarz-weiß für “Quiberon” zu vermitteln – für das Fernsehen ist das der Horror. Aber vielleicht ist das gar kein Horror. Schwarz-weiß ist auch auf dem großen Bildschirm im Wohnzimmer wunderschön

Veröffentlicht unter Sonstiges | Hinterlasse einen Kommentar

Öffentliche Räume – öffentliche Träume? Die Bibliothek in der Stadt der Zukunft

Veröffentlicht unter Mediengeschichte, Medienträger, Medienwandel, Medienwissenschaften | Hinterlasse einen Kommentar

Die Welt als Datenbank: Zur Relation von Softwareentwicklung, Abfragetechnik und Deutungsautonomie

Von Ralf Keuper

Die Macht der Datenbanken, das rückt immer mehr in das öffentliche Bewusstsein, ist nicht zu unterschätzen. Datenbanken und Suchmaschinen haben einen großen Einfluss auf unser Denken und unsere Wahrnehmung, wie David Gugerli in Die Welt als Datenbank, Zur Relation von Softwareentwicklung, Abfragetechnik und Deutungsautonomie hervorhebt. Exemplarisch dafür ist die Serie CSI (Crime Scence Investigation), die in mehreren (regionalen) Varianten (Miami, New York, Los Angeles) produziert wird.

Mussten die Detektive sich in der Vergangenheit, wie Columbo, auf ihr Gespür, ihr Gedächtnis und Kombinationsgabe verlassen, können sich ihre Kollegen heute auf einen Datenmeer stützen, dem die Täter nicht entrinnen können. Ihre Datenspuren führen die Ermittler über kurz oder lang zu ihnen:

Die Kunst der Rekombination solcher Daten, deren Herkunft, Qualität und Form einen hohen Grad an Heterogenität aufweisen können, wird dem Publikum als Interpretationsspiel vorgeführt: In optisch stark verwischten Sequenzen werden immer wieder mögliche Narrative simuliert. Jedes dieser provisorischen Auswertungsfragmente zeigt den Detektiven an, wo sich vielleicht noch weitere Spuren suchen und finden lassen. Die Datenbeschaffung kann weitergeführt und verfeinert werden.

Die Welt als Datenbank:

Metaphorisch gesprochen wird in CSI die Welt als Datenbank inszeniert, deren Einträge es aufzuspüren und zu kombinieren gilt, um so die alles entscheidenden Einsichten in die Verhältnisse zu gewinnen.

Hermeneutik und Psychologie werden überflüssig. Die Daten sprechen für sich, sie sind selbsterklärend. Ein neues Denkmodell entsteht:

Als Maschine und Denkmodell verändert die Datenbank jedoch nicht nur die Prozeduren kriminalistischer Arbeit, um damit beispielsweise zu einem höheren Output an gelösten Fällen pro Sendung zu führen. Als Maschine und Denkmodell steht die Datenbank für die Versicherung, dass diesseits und jenseits der Bildschirme der kombinatorische Freiheitsgrad jeder »signifying practice« erweitert werden kann. Der am CSI-Beispiel festgemachte kulturelle Wandel findet jedoch keineswegs im luftleeren Raum der Signifikantenspiele statt. Wenn die erfolgreichsten kulturindustriellen Produkte einer Zeit so grundlegende kommunikative Verfahren wie Suchen, Deuten und Verstehen im Modus der Datenbankabfrage präsentieren, dann stellt sich die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Datenbankentwicklung und dem Wandel der »signifying practice« einer Epoche wie von selbst. Sie ist Gegenstand der folgenden Überlegungen.

Wegweisend für die beschriebene Entwicklung war der Beitrag A Relational Model of Data for Large Shared Data Banks von Edgar F. Codd. Danach setzte der Siegeszug der (relationalen) Datenbanken ein, der bis heute anhält. Das Unternehmen Oracle, nach Microsoft der zweigrößte Softwarehersteller der Welt, verdankt seinen Erfolg vorwiegend der Datenbanktechnologie. IBM, Arbeitgeber von Edgar F. Codd, zählt auf dem Gebiet der Datenbanktechnologie ebenfalls zu den führenden Anbietern.

Von großem Nutzen waren die relationalen Datenbanken für die Unternehmen:

Durch die Anwendung der neuen ars combinatoria, die von relationalen Datenbanken offeriert wurden, versprach der Computer nun auch die unternehmensinternen Transaktionskosten zu senken. Selbst dem mittleren Management konnten in absehbarer Zeit zu tiefen Abfragekosten Quervergleiche über Tabellen- und Abteilungsgrenzen hinweg möglich gemacht werden. Dass dieses Angebot in eine Zeit fiel, in der die Restrukturierung von ganzen Unternehmungen zum alltäglichen Problem geworden war, erhöhte die Attraktivität relationaler Datenbanktechnik in den späten 1970er und den frühen 1980er Jahren dramatisch, insbesondere als mit Oracle auch auf kleineren Rechnern relationale Datenbanksysteme implementierbar geworden waren.

Bleibt die Frage nach der Deutungsautonomie von Text. Gugerli erwähnt Roland Barthes und Umberto Eco:

Wie schrieb Roland Barthes 1970 in S/Z? »Einen Text interpretieren heißt nicht, ihm einen (mehr oder weniger begründeten, mehr oder weniger freien) Sinn geben, heißt vielmehr abschätzen, aus welchem Pluralem er gebildet ist.« Der Text ist bei Barthes eine »Galaxie von Signifikanten«, die in seinem Gewebe unendlich komplex und vielfältig zueinander in Beziehung treten. Interpretation heißt also nicht, mit hermeneutisch geschulten Abfragetechniken jenen ursprünglichen Sinn zu eruieren, den ihm ein Autor möglicherweise gegeben haben wollte. Vielmehr ist der Text eine Maschine zur Produktion von Interpretationen, wie Umberto Eco einmal gesagt hat. Die Trennung von Autor und Leser, die sich aus dieser Vorstellung von Text ergibt, ist so strikt wie die Trennung von Programmierer und Nutzer. Auch der Text wird, um nochmals Barthes zu zitieren, stets »durch mehrere Zugänge« erschlossen, »von denen keiner mit Sicherheit zum Hauptzugang gemacht werden könnte.«

Es bleibt dabei: Datenbanken sind nur eine Form der Repräsentation:

Mit Texten, davon war man in den 1970er Jahren überzeugt, ist es wie mit Datenbanken. Beide hatten sowohl theoretisch als auch pragmatisch eine Rekonfiguration durchlaufen und verlangten nach variablen Rekonstruktionen des angebotenen Materials, ließen sich als mehrdeutiges Möglichkeitsfeld verstehen, das variable operative und interpretative Prozeduren und Entscheidungen zulässt. Weder sollte ihre Präsentation so beschaffen sein, dass ihre Deutung nur in eingeschränkter, vorgespurter Weise möglich bleibt, noch können sie für sich selber sprechen. Das wieder aber haben sie mit jenen elektronischen, biologischen und materiellen Datenbanken gemeinsam, welche die Welt der forensischen Spezialisten in CSI ausmachen. Nur über die Abfrage dieses informationellen Möglichkeitsfeldes lassen sich Zusammenhänge simulieren, überprüfen und erkennen. Dafür braucht es spezielle Technologien, Verfahren und Sprachen, welche aus vorhandenen Daten neuen Sinn generierten. Daten sprechen nie für sich selber. Darum antwortet der Laborleiter von CSI Las Vegas auf die Frage, warum er als forensischer Spurensucher arbeite: »Because the dead can’t speak for themselves.«

 

Veröffentlicht unter Medienträger, Medienwandel | Hinterlasse einen Kommentar

Film, Medien, Kunst: Überleben – Eine Utopie?

Veröffentlicht unter Medienwandel | Hinterlasse einen Kommentar

“Black & White. Von Dürer bis Eliasson”

Auch wenn ihr Titel “Black & White” vor allem die Werke des zwanzigsten Jahrhunderts von Kasimir Malewitsch, Bridget Riley oder der Gruppe Zero zutrifft, bei denen die beiden extremen Werte für Hell und Dunkel in geometrischen Formen kontrastiert werden, assoziiert man ihn landläufig mit der Schwarz-Weiß-Fotografie, die in Düsseldorfer Tradition dem Londoner Konzept hinzugefügt wurde. …

Die Ausstellung wäre dem anspruchsvollen Thema nicht gerecht geworden, wenn der Farbverzicht nicht auch in seiner widersprüchlich anmutenden Ambivalenz zwischen Objektivierung und Potential für Stimmungswelten untersucht würde. Unverwandt konnotierte Gerhard Richter seine grauen Bilder mit einer ersten Schönheit, deren Impuls gar Ausweglosigkeit und Depression gaben. Diese emotionale Ebene ist dicht verwoben mit einem “chromatischen Schweigen” der nach Richter “idealen” Farbe Grau, die indes in ihrem Verlangen nach Buntfarbigkeit alle Formen und Sinnbilder der Verlebendigung aufgreift. (in: Elefantengrau ist doch auch eine schöne Farbe, FAZ vom 4.04.18)

Veröffentlicht unter Mediengattungen, Mediengeschichte | Hinterlasse einen Kommentar