Zeitungen in Not – Was ist uns Journalismus noch wert?

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Krise der Tageszeitungen. Drei-Groschen-Journalismus

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Die Kunst des Lesens

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Die Ullstein Buchverlage – Eine Chronik in Bildern

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Medienkonvergenz in der Produktion

Von Ralf Keuper

Die Standards und Netze für den Datenaustausch in der Produktion stammen noch aus einer Zeit, als die Kommunikation zwischen den Maschinen spärlich und überwiegend innerhalb der Grenzen des eigenen Unternehmens verlief. Darauf weist Bernd Müller in Fabrik-Vernetzung mit TSN-Ethernet und OPC-UA hin.

Seit Beginn der 2000er Jahre boomt der Ethernet-Standard (IEEE 802.3), der seit Jahrzehnten PCs vernetzt und extrem schnell und zuverlässig ist. Doch in Fabriken kann von Standard keine Rede sein, denn im Lauf der Zeit haben viele Anbieter Ethernet so „verbogen“, dass es heute ein Dutzend unterschiedlicher Varianten gibt, die nicht automatisch miteinander kompatibel sind. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Feldbus-Standards wie Profibus, Modbus, CC-Link und weitere, die zusammen immer noch fast die Hälfte der Installationen stellen.

Kurzum: Aus offenen Standards wurden mit der Zeit proprietäre Lösungen, die ein Hindernis für die vernetzte Produktion sind. Offene Standards bzw. die Konvergenz zu einem oder wenigen Standards sind nötig. Gleiches gilt für die Fähigkeit zur Echtzeitverarbeitung. Ethernet ist dafür nur sehr bedingt geeignet.

Abhilfe verspricht das TSN – Time Sensitive Network als neuer Standard für die Datenübertragung.

Sein großer Vorteil ist, dass er nicht aus dem Automatisierungsumfeld stammt, sondern aus dem Audio/Video-Bereich, und er damit auf geringere Ablehnung und Konkurrenzdenken der Automatisierer treffen dürfte. Konzerthallen haben Echtzeit-Ethernet, damit Tonsignale aus unterschiedlichen Mikrofonen an die zahlreichen Lautsprecher stets ohne Laufzeitunterschiede gespielt werden. Schon Verzögerungen von wenigen Millisekunden zwischen Audiokanälen würden sich als Echos bemerkbar machen.

Während TSN die Echtzeitverarbeitung übernimmt, versieht OPC-UA als weiterer Standard die Daten mit Bedeutung.

Auf der diesjährigen Hannover Messe stellten mehr als 20 internationale Organisationen und führende Industrieanbieter gemeinsam das “Time-Sensitive Networking (TSN) + OPC Unified Architecture (OPC UA) Smart Manufacturing Testbed” für sechs große Industrial Internet Szenarien vor. Darunter Huawei, die Alliance of Industrial Internet (AII), die Avnu Alliance, das Edge Computing Consortium (ECC) und Fraunhofer FOKUS.

In der Pressemitteilung wird Dr. Alexander Willner vom Fraunhofer FOKUS zitiert:

Seit der Einführung von Programmable Logic Controllers (PLCs) in den 1970er Jahren, sind industrielle Automatisierungsprozesse erheblich optimiert worden. Die Konvergenz dieser Technologien mit modernen Informations- und Kommunikationstechnologien wird interessante und spannende Innovationen in der gesamten Wertschöpfungskette fördern. Mit OPC UA und TSN haben wir zwei vielversprechende Bausteine für den interoperablen Echtzeit-Informationsaustausch in industriellen Bereichen.

Die Konvergenz bislang getrennt voneinander existierender Technologien ist auch ein Beispiel für den Medienwandel, der sich nicht auf den Medienkonsum der Endverbraucher beschränkt. Maschinen sind Erzeuger, Empfänger und Interpreten von Daten und Informationen. Ergebnis ist eine Medienkonvergenz:

Technische Geräte wachsen zu einer multifunktionalen Einheit zusammen und ermöglichen den Zugriff auf Inhalte, die bisher über unterschiedliche Wege übertragen wurden. Neben den Geräten konvergieren auch Inhalte, die uns bisher auf verschiedenen Übertragungswegen erreich haben: Fernsehserien leben auf Internetseiten weiter, Popsongs mutieren zu Handy-Klingeltönen, Internetblogs bestücken Zeitungsbeiträge und Computerspiele werden zu Kinofilmen. Ganze Medienzweige konvergieren und klassische Verlagshäuser machen Umsätze mit Internetportalen, Computerhändler mit Musikbörsen. Ausgefeilte Komprimierungsmethoden und immer größere Bandbreiten bei der Übertragung unterstützen und beschleunigen diese Prozesse (in: Im Blickpunkt: Medienkonvergenz)

Auslöser von Produktionsprozessen, jedenfalls bei der Losgröße 1, ist der Endkunde, der dadurch – mehr oder weniger direkt – mit der Produktion verbunden ist (Vgl. dazu: Digitalisierung eine Herausforderung für KMU). Die Produktion wird technologie- und informationsintensiver. Damit wächst der Bedarf an Interpretation und Repräsentation. Diese Rolle übernehmen in der Produktion die neuen Medien, wie Augmented Reality, Virtual Reality und digitale Zwillinge.

Crosspost von Identity Economy

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Das große ß – ein Buchstabe auf der Suche nach seiner Form

Von Ralf Keuper

Neue Buchstaben brauchen Zeit, um in Gebrauch zu kommen. Diese Erfahrung macht derzeit das große ß, das seit einem Jahr als Großbuchstabe existiert. Die Typografen sind uneins, ob es sich dabei um eine wichtige Neuerung oder um einen überflüssigen Buchstaben handelt, dessen Schicksal darin besteht, seiner wahren Form hinterher zu laufen. Darüber berichtet die FAZ vom 19.06.2018 in Buchstabe mit Formproblem.

Friedrich Forssmann jedenfalls kann sich nur schwer mit dem neuen Großbuchstaben anfreunden.

“Ich mag es nicht. Meine Abneigung gegen den Buchstaben bezieht sich vor allem auf seine Unerwartetheit”. Er befürchtet, dass sich die Irritation auch mit zunehmender Gewöhnung nicht verflüchtigt und das große ß vielmehr ein “Daueranlass zum schiefen Grinsen Grinsen bleibt”. Als Typograf müsse er der “Hüter des Lesevorgangs” sein, der Irritationen zu vermeiden sucht, um “tiefes Lesen” zu ermöglichen, ein Versenken in den Inhalt, bei dem alle bewusste Formwahrnehmung in den Hintergrund tritt. Hier aber sei das große ß ein Lesehindernis.

Etwas anders dagegen sein Kollege Erik Spiekermann:

Ich mag die Idee des großen ß, aber ich habe noch nirgendwo eine überzeugende Form gesehen.

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Allgemeines Deutsches Glossarium: Ein sprachlicher Jahrhundertschatz

Von Ralf Keuper

In der Basler Universitätsbibliothek wird derzeit ein sprachlicher Jahrhundertschatz ausgestellt, der 250 Jahre lang kaum beachtet wurde. Gemeint ist das Allgemeine Deutsche Glossarium, das von Johann Jacob Spreng in jahrzehntelanger Arbeit handschriftlich zusammengestellt wurde. Es umfasst 95.000 Einträge, wurde aber nie gedruckt. Sozusagen der umfangreichste Zettelkasten des 18. Jahrhunderts.

Weitere Informationen:

Das grösste deutsche Wörterbuch, das nie gedruckt wurde

Das “Grosse Glossarium der deutschen Sprache” von Johann Jakob Spreng wird in Basel ausgestellt.

Sozusagen! Allgemeines Deutsches Glossarium

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Roland Barthes – Meister der Dechiffrierkunst

Von Ralf Keuper

Roland Barthes war wie viele französische Intellektuelle in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Vertreter des Strukturalismus. Sein Forschungsinteresse galt in besondere Weise der Semiologie, der Wissenschaft vom Zeichen, welche später in Semiotik umbenannt wurde. Jedes strukturalistische Bedeutungssystem funktioniert wie eine Sprache. Das Subjekt ist in der Sprache aufgelöst.

Weitere Aussagen in dem Film:

Wir sprechen zwar eine gemeinsame Sprache .. aber wenn wir uns auf die Ebene der sogenannten Diskurse begeben, die aus Sprache bestehen, aber nicht nur Sprache sind, dann fallen diese Diskurse auseinander. Dieses gemeinsame Medium .. ist also durchzogen von ganz unterschiedlichen Ausdrucksweisen, die nur schwer miteinander kommunizieren. Wenn man sich sagt, ich schreibe für alle, also werde ich einfach schreiben, ist damit gar nichts gewonnen. Das Denken ist nicht von der Ausdrucksweise zu trennen. .. Ich denke mit ganz bestimmten Wörtern, und das trifft für jeden zu.

Weitere Informationen:

Neue Bücher zu Roland Barthes

Roland Barthes: “Verliebt ist derjenige, der wartet”

Mein Name ist Barthes – Roland Barthes

Der Band „Auge in Auge“ versammelt Roland Barthes’ Texte zu Photographie(n) und Photographen

Crosspost von Denkstil

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Quarks & Co: Soziale Medien? Wie viel Macht Facebook wirklich hat

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Die Teilhabe des Körpers an den heutigen Medienumgebungen

Es ist wichtig, dass wir das Wesen der Teilhabe des Körpers an den heutigen atmosphärischen Medienumgebungen verstehen; hier geht es nicht darum, dass der Körper nicht mehr länger involviert oder wichtig sei, sondern dass er sein .. Vorrecht als paradigmatischer “Rahmer von Informationen” eingebüßt hat. In deutlichen Whiteheadschen Begriff gesprochen, erfährt der Körper Medien nicht, indem er sie in seine eigene innere .. Handlungsmacht eindringen lässt, sondern er wird – oder vielmehr ist immer schon – selbst in die einfassende Umwelt einbegriffen, die durch die heterogene, auf unterschiedlichen Skalen stattfindende und radikal verschiedene, die weltliche Empfindsamkeit bearbeitende Operation der Medien konstituiert wird. Wir können sogar behaupten, dass der Körper eins wird mit der einfassenden Umwelt, aus der er hervorgeht. In dieser Hinsicht werden werden Medien in erster Linie als “atomistische” Empfindungen in allen Größenordnungen erfahren; erst danach – und auf einer weit höheren Organisationsebene – werden sie als “Gegenstand” von Wahrnehmungen erfahren .. .

Quelle: Mark B. N. Hansen, Medien des 21. Jahrhunderts, technisches Empfinden und unsere originäre Umweltbedingung, in: Die technologische Bedingung. Beiträge zur Beschreibung der technischen Welt, hrsg. von Erich Hörl.

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Zum Leser wird man nicht von allein

Zum Leser wird man nicht von allein. Wer sich nicht nur darauf verlassen will, dass Imbissketten Kinderbücher als Zugabe zum Burger-Menü verteilen, sollte lieber auf eine Art Bibliothekstraining für Grundschüler drängen – nicht nur in den Metropolen. Wer gegen Fake News ist, sollte den Zugang zu geprüftem Wissen zu schätzen wissen. Und wer von Integration spricht, sollte nicht das immense Potential verkennen, das im Besuch der Stadtbibliothek liegt, wo neben “Michel aus Lönneberga” eben auch politische Zeitschriften liegen … .

Denn wenn es einen Ort gibt, an dem sich unsere Gesellschaft mit all ihren Werten und ihren Widersprüchen spiegelt samt der Freiheit, sich aus dem Angebot ganz allein und unbeobachtet das Passende herauszusuchen, ohne befürchten zu müssen, wie im Internet dabei auf Schritt und Tritt registriert zu werden, dann ist es hier.

Quelle: Tilman Spreckelsen, Diese Institutionen sind der Spiegel unserer Gesellschaft, FAZ vom 12.06.18

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